Zwischenfrüchte

Zwischenfrüchte

Anbau

Der Anbau von Zwischenfrüchten wird in Schleswig-Holstein immer wichtiger für den Boden- und Erosionsschutz sowie für die Humusbildung. Die pflanzenbaulichen, ökologischen und betriebswirtschaftlichen Ziele des Zwischenfruchtanbau bestehen in:

  • der Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit durch den Humusaufbau,
  • der biologischen Unkrautregulierung,
  • der Schädlingsbekämpfung und
  • dem Entgegenwirken von Bodenverdichtungen im Boden- und Grundwasserschutz durch weitestgehende Vermeidung des Boden- und Phosphatabtrages sowie durch Bindung von Bodennährstoffen und in
  • der Futtergewinnung, was zu einer Verringerung der Hauptfutterfläche bzw. Erhöhung der Flächenleistung bei der Kofermentproduktion führt.

In Verbindung mit einer flachen Einarbeitung der Pflanzenmasse kann sich die Bodenerosion durch Wind (aber auch Wassererosion) erheblich reduzieren beziehungsweise unterbunden werden. Dies ist insbesondere beim Maisanbau auf leichtem Standort notwendig. Steht die Futterproduktion beim Zwischenfruchtanbau im Vordergrund, ist zu bedenken, dass die Produktion mit dem Hauptfruchtanbau (zum Beispiel Silomais oder Gras) in Konkurrenz steht. Aufgrund der geringeren Produktionsleistung müssen die Produktionskosten von der Bodenbearbeitung bis zur Konservierung niedrig gehalten werden, damit der Anbau ökonomisch bleibt.

Gerade im Hinblick auf den untersagten Einsatz von chemischem Pflanzenschutz ist bei der Saatbettbereitung besondere Sorgfalt geboten. Für Feinsämerein ist ein feinkrümeliges, abgesetztes Saatbett die Grundvoraussetzung um einen Bestand zu etablieren.  Im Hinblick auf Durchwuchs, besonders in engen Rapsfurchtfolgen, oder zur Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz ist es angebracht, vor der Aussaat eine Blindsaat durchzuführen.

Die Einhaltung der Düngeverordnung erfordert zunehmend den Anbau von Zwischenfrüchten, denn nach der Hauptfruchternte ist die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern nur erlaubt, wenn ein Bedarf für das Pflanzenwachstum vorliegt.

Winterzwischenfruchtanbau

Winterharte Zwischenfrüchte werden in der Regel im Spätsommer (ab Mitte bis Ende August) bis Herbst ausgesät und bei Futterverwendung im April bis Mai des folgenden Jahres genutzt. Aufgrund der erforderlichen Überwinterung der Kulturen sind für dieses Anbauverfahren nur wenige Arten mit entsprechender Winterhärte geeignet. Werden Winterzwischenfrüchte zur Stickstoffbindung und Mulchsaat verwendet, kann die Aussaat im Herbst früher erfolgen. Dadurch ist noch im Herbst ein massereicher Bestand etablierbar, von welchem eine gute Nährstoffbindung auch in milden Wintern und im zeitigen Frühjahr erwartet werden kann. Für die Winterzwischenfruchtsaat besteht im allgemeinem kein Anbaurisiko, weil zumeist die Winterniederschläge ausreichend sind. Problematisch ist der Winterzwischenfruchtanbau auf leichten Standorten nur in den Fällen, wenn durch die Zwischenfrucht im trockenen Frühjahr dem Boden sehr viel Wasser entzogen wird, so dass Keimung und Entwicklung der Nachfolgefrucht beeinträchtigt werden.

Sommerzwischenfruchtanbau

Mit dem Anbau von Sommerzwischenfrüchten (auch als Stoppelfrüchte bezeichnet) wird die Vegetationszeit genutzt, die nach der Hauptfruchternte verbleibt. Für den Sommerzwischenfruchtanbau steht eine große Palette verschiedener Pflanzenarten zur Verfügung. Die Trockenmasseerträge beim Sommerzwischenfruchtanbau werden durch Standort, Saattermin und Witterungsbedingungen beeinflußt. Bei früher Aussaat können so bis zu vier Monate Pflanzenwachstum genutzt werden.

Bestellung

Die Bestellung von Sommer- und Winterzwischenfrüchten kann erfolgen durch:

  • Blanksaat (nach Saatbettvorbereitung)
  • Untersaat (zeitgleich mit der Hauptfrucht oder einige Tage nach der Hauptfrucht)

Deckfrüchte für Untersaaten können sein:

  • Getreide
  • Mais
  • Ackerbohnen

Ein Problem für die Etablierung der Bestände (Untersaat) kann insbesondere die Konkurrenz und /oder der Pflanzenschutz (Herbizideinsatz) zur Deckfrucht sein.

Anbautechnik

Bodenbearbeitung

Konventioneller Anbau: Die Anforderungen an ein feinkrümeliges und gut abgesetztes Saatbett werden um so größer, je geringer das Tausendkorngewicht des Saatgutes ist . In Abhängigkeit vom Boden und seinem Feuchtezustand erfolgt die Saatbettbereitung nach mitteltiefer Pflugfurche durch Untergrundpacker, Egge, Saatbettkombination o.ä..

Mulch- oder Direktsaat: Hierbei wird auf eine wendende Bodenbearbeitung verzichtet. Die Aussaat der Zwischenfrüchte kann mit einer Saatbettkombination oder Direktsaatmaschine erfolgen.

Saattechnik

Drillsaat garantiert einen gleichmäßigen und zügigen Aufgang. Sie wird vor allem für die Feinsämereien empfohlen. Bei der Durchführung der Breitsaat sollte die empfohlene Saatmenge um 20 bis 50 % erhöht werden.

Saattermin

Der Saattermin ist abhängig von dem Ziel des Zwischenfruchtbaus und der Pflanzenart.  Frühe Saattermine sichern im Allgemeinen hohe Erträge und bieten eine große Auswahl an Arten und Sorten.

 

Pflanzenschutz

Beim Anbau von Zwischenfrüchten sind die phytosanitäre Aspekte für die angebauten Hauptkulturen zu beachten. Zwischenfrüchte dürfen nicht selbst zu einem Unkrautproblem in der Hauptfrucht werden. So sollten in Rapsfruchtfolgen keine Kreuzblütler als Zwischenfrüchte angebaut werden, da dies die Ausbreitung der Kohlhernie fördert.

In Rübenfruchtfolgen sind z. B. Buchweizen und Phacelia schwer zu bekämpfen. Resistente Gelbsenf- oder Ölrettichsorten können schädliche Zuckerrübennematoden in ihrer Entwicklung hemmen.

Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Zwischenfrüchten setzt voraus, dass das einzusetzende Präparat in allen in der Zwischenfruchtmischung enthaltenen Kulturen zugelassen ist. Dadurch wird die Möglichkeit z. B. eines Herbizideinsatzes in Zwischenfrüchten stark eingeschränkt.

Mit dem Anbau von Zwischenfrüchten besteht auch die Möglichkeit, die bestehenden Greening-Verpflichtungen zu erfüllen. Beim Anbau von Zwischenfrüchten als ökologische Vorrangfläche ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aber generell nicht zulässig.