Markt aktuell

Milchpreise: Rohstoffwert steigt auf 67 Cent

Markt am Kipppunkt?

Der Rohstoffwert der Milch steigt im April auf 67,5 Cent. Das bedeutet: Wenn man die wirklich gezahlten Preise von Butter und Milchpulver zurückrechnet, ergibt sich ein theoretischer Milchpreis von 67,5 Cent je kg. Das hat das ife-Institut in Kiel jetzt ausgerechnet. Dass die Auszahlungspreise jemals den Rohstoffwert erreichen, ist eher unwahrscheinlich. Doch die 50-Cent-Marke wird bereits überschritten. Auch dann ist noch sehr viel Luft nach oben. Allerdings könnte der Markt einen gewissen Kipp-Punkt erreicht haben.
Nach Auswertung der GBG-Markt der LK-SH lag der letzte mittlere Auszahlungspreis (Grundpreis) für Rohmilch im März in SH bei 46,26 Cent je kg. Auch nicht schlecht. Aber meilenweit entfernt, von den Preisen, die sich aus Verkaufserlösen der Milchprodukte ergeben würden. Im März lag der Rohstoffwert nämlich schon bei 60,9 Cent. Und im April ging es für den Rohstoffwert dann noch einmal deutlich auf 67,5 Cent nach oben.
Zwar steigen auch die Auszahlungspreise seit Mai vorigen Jahres kontinuierlich an – das Problem für viel Milchbauern ist aber: Die Kosten für Futter, Energie, Treibstoff und alle übrigen Betriebsmittel steigen ebenfalls. Der Einzelhandel hat die Marktdynamik jedenfalls verstanden und die Preise für viele Milchprodukte deutlich angehoben. Natürlich können die Milchpreise nicht endlos steigen und möglicherweise war das im April für die Rohstoffverwertung schon die Spitze.
Die Exportpreise für Milchprodukte sind an der globalen Handels-Auktion GDT diese Woche jedenfalls deutlich gefallen. Der Grund war hier die wegbrechende Nachfrage aus China. Dort haben massive Corona-Lockdowns in großen Städten die Nachfrage verringert.
Doch das ist nur eine Momentaufnahme und die meisten Analysten glauben, dass sich an den fundamentalen Daten am globalen Milchmarkt kaum etwas ändert. Deshalb haben neuseeländische Analysten ihre rekordhohen Preisprognosen zunächst auch beibehalten. Dass der Markt einen gewissen Kipp-Punkt erreicht hat, zeigt auch der ebenfalls vom Kieler ife-Institut ermittelte Börsenmilchwert. Er ergibt sich aus den tagesaktuellen Börsenpreisen von Butter und Magermilch und lässt die wahrscheinliche Preisentwicklung der nächsten Monate am besten erkennen. Für den Monat Mai liegt der Börsenmilchwert bei 66,6 Cent und damit erstmals seit langem etwas niedriger als der oben genannte Rohstoffwert. Viele Marktbeteiligte gehen davon aus, dass sich an der knappen Rohstoffsituation grundsätzlich wenig ändern wird.