Markt aktuell

Hitze und Krisen treffen auch den Milchmarkt

International gibt der Preis nach

Trotz hoher Preise ist am Milchmarkt kaum Jubel zu vernehmen. International gibt der Preis sogar nach. Die Gründe sind vielfältig.
Corona, Kosten, Krieg und Klimakrise heißen die vier Reiter der Apokalypse, die dem Milchmarkt zusetzen. Zwar konnten sich deutsche Milchbauern über mehr Geld freuen, was ihnen die Molkereien zahlen, aber die Exportpreise sind weiter gefallen. So haben die Milchpreise in Deutschland im Juni zum ersten Mal die 50 Cent-Marke übersprungen. Der Preis im Bundesmittel lag laut AMI bei 52,3 Cent pro Kilogramm und somit 16,7 Cent über Vorjahresniveau.
Demgegenüber signalisiert der Index der Handelsplattform Global Dairy Trade erneut ein Minus in den Preisen; am 2. August kamen die neuen Zahlen. Und wieder fielen die Milchpreise um fünf Prozent. Das ist der zehnte Rückgang in Folge, sieht man einmal von einem leichten Plus von 1,5 Prozent Anfang Juni ab.
Das Nachgeben des Preises weist auf eine sinkende Nachfrage des Weltmarktes hin. Dabei spielen geringere Importe Chinas durch die Corona-Pandemie und die hohe Inflation eine Rolle. Damit einher geht eine sinkende Produktion. In Analysen gehen sowohl das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) als auch die EU-Kommission von weniger erzeugter Milch in diesem Jahr aus. Das bezieht sich auf die meisten großen globalen Milcherzeuger.
Hohe Milchpreise in Deutschland, sinkende Milchpreise global plus sinkende Nachfrage - für viele Milchbauern ergibt das ein schwieriges Szenario. Selbst die hohen Preise deutscher Molkereien sind nicht per se verlockend, denn ihnen stehen gestiegene Produktionskosten gegenüber. Und die könnten weiter steigen. Da sind zum einen internationale Krisen wie der Ukraine-Krieg und die Angst vor einer Eskalation zwischen China und Taiwan. Und zum anderen die Folgen der Klimakrise, die dieses Jahr voll auf die Produktion der Futtermittel durchschlagen.
Der deutsche Höhenflug der Milchpreise könnte zum Herbst zu Ende gehen. Es gibt erste Anzeichen dafür. So sinkt der „Kieler Rohstoffwert Milch“ des Instituts für Ernährungswirtschaft (ife) seit April. Er errechnet sich aus der durchschnittlichen Milchverwertung aus dem Verkauf von Milchfett und Milcheiweiß. Und dient damit als erstes Zeichen für Preisentwicklungen auf dem deutschen Milchmarkt. Wie das ife meldet, liegt der Wert Ende Juli bei 63,8 Cent pro Kilogramm Milch (bei 4,0 Prozent Fett, 3,4 Prozent Eiweiß, netto, ab Hof). Im Juni betrug der Wert 65,8 Cent, im Mai 66,6 Cent, im April bei 67,5 Cent. Nichtsdestotrotz liegt der Wert fast 28 Cent gegenüber dem Vorjahresmonat. (agrarheute)