Markt aktuell

Schweinehalter in Not

Für die schweinehaltenden Betriebe hat sich die Lage in den vergangenen Wochen weiter verschärft. Der schleppende Absatz von Schweinen und Ferkeln sorgt auf vielen Höfen für Existenznöte. Die einzige positive Nachricht war der bislang noch unveränderte Basispreis für Schlachtschweine. Am 07.Oktober blieb der Vereinigungspreis noch unverändert bei 1,27 €/IP. Doch selbst zu reduzierten Forderungen konnte die Kaufbereitschaft kaum erhöht werden. Sonst übliche Preisaufschläge wurden schon gekappt. Zuletzt war von mehrwöchigen Lieferfristen bei der Schweinevermarktung die Rede. Die Schlacht- und Zerlegekapazitäten sind schon seit Wochen aus Infektionsschutzgründen reduziert. Erschwerend hinzu, kommen aktuelle Corona-Infektionen in zwei Großschlachthöfen. Ein Schlachthof in Emstek (Landkreis Cloppenburg) musste seine Kapazitäten um gut die Hälfte reduzieren. Dazu drohte die dreiwöchige Schließung eines zum Tönnies-Konzern gehörenden Betriebes in Sögel im Kreis Emsland. Zum Wochenbeginn kam die Nachricht, dass dieser Betrieb mit etwa einem Hälfte der Kapazität weiterschlachten darf. Als Auflage wurde unter anderem eine Arbeitsquarantäne verordnet. Dabei dürfen sich die Mitarbeiter nur am Wohnort oder am Arbeitsplatz aufhalten.

Obwohl die Afrikanische Schweinepest bislang noch in keinem Hausschweinebestand in Deutschland aufgetreten ist, sorgen fast täglich neue Funde von an ASP verendeten Schweinen für Unsicherheit im Schweinehandel. Bislang ist nur das Bundesland Brandenburg betroffen. Dort wird mit hohem Aufwand versucht, ein Übergreifen der ASP auf andere Regionen zu verhindern. Ende letzter Woche gab es eine Fundmeldung von 20 bis 30 Wildschweinen auf einer Oderinsel. Viele Abnehmer von deutschem Schweinefleisch auf dem Weltmarkt haben die Einfuhren gestoppt. Die mit China schon seit längerem laufenden Verhandlungen über eine Regionalisierungslösung brachten bislang kein Ergebnis.
Der Druck im Schlachtschweinehandel nimmt bislang weiter zu. Jetzt gilt es zeitnah Lösungen zu finden. Neben den Absatz und Erlösproblemen drohen sonst auch tierschutzrechtliche Missstände. Dies würde für weitere negative Schlachtzeilen sorgen, auf die die Branche gut verzichten kann.        

Karsten Hoeck, Landwirtschaftskammer