Beizmittel für das Maissaatgut in 2022

Von der Saat an über Keimung, Feldaufgang bis hin zu Jugendentwicklung muss für das Maiskorn beste Bedingungen geschaffen werden. Ein optimales Saatbett, ein standortgerechter Saattermin und die Tiefenablage des Saatgutes sowie die Pflanzenanzahl zählen dazu. Der Beizschutz des Maiskorns vor Auflaufkrankheiten, Insektenbefall und Vogelfraß ist dafür anzupassen. Dabei sind Saatgutbeizungen mit geringen Pflanzenschutzmitteln am Korn sehr effizient.

Das Maiskorn ist schon bei der Aussaat durch verschiedene pilzliche Bodenerreger wie z. B. Fusarium-, Pythium- und Rhizoctonia-Arten gefährdet. Vor allem wenn die Maisaussaat in eine kühle Witterungsphase fällt und sich der Feldaufgang über Wochen hinzieht oder die Saatgutablage zu tief durchgeführt wurde. Während des verlängerten Auflaufens der Maispflanzen sind Keimlinge den Attacken der Bodenorganismen ausgesetzt. Die Schadbilder reichen von Nekrosen, Fäulnis sowie Verdrehungen des Keimlings und der jungen Maispflanze. Geringere Pflanzenzahlen, schlechte Feldaufgänge, lückige Bestände sowie Kümmerpflanzen sind die Folgen. Zur Vermeidung ist im konventionellen Maisanbau ein fungizider Beizschutz nach wie vor als Standardmaßnahme anzusehen. In Tabelle 1 sind die fungiziden Beizen zu Mais für das kommende Anbaujahr 2022 aufgelistet, wobei Redigo M als die Standardbeize anzusehen ist.

Fehlstellen in Maisbeständen treten, regional sehr unterschiedlich, auch durch Fraßschäden von Krähen, Tauben, Fasanen, Kranichen etc. auf. Zunehmende Vogelpopulationen, mehr Vogelarten mit ganzjährigem Verbleiben in einem Gebiet oder auch zu beobachtendes Spielen mit Keim- und Jungpflanzen führen zu einem erhöhten Ausfall der Maispflanzen. Lange kühle Witterungsphasen beim und nach dem Auflaufen vom Mais im Mai können die Zunahme der Vogelschäden deutlich erhöhen. Ein Vogelrepellent zur Vergrämung kann einen gewissen Schutz bieten (Tabelle 1). Der Wirkstoff Ziram (Produkt: Korit 420 FS) ist zwar in Deutschland nicht zugelassen, kann aber angebeizt ans Korn importiert werden. Der Wirkstoff Ziram gegen Fasan, Rabenkrähe und Taube hat vom Europäischen Parlament eine Zulassung bis zum 30. April 2022 erhalten. Daher sollte mit Korit 420 FS (Ziram) behandeltes Importsaatgut in jedem Fall in diesem Jahr aufgebraucht werden, da die zukünftige Zulassungssituation noch nicht geklärt ist.

Pflanzenverluste treten auch durch Insektenbefall nach dem Auflaufen der Maispflanzen auf, vor allem, wenn das Wachstum stagniert bzw. nicht zügig vorangeht. Verantwortlich dafür sind Larven der Fritfliegen, die den jungen Mais im Ein- bis Dreiblattstadium während der Korner-nährung schädigen. Geht die Versorgung der Pflanzen in die Wurzelernährung über (Vierblattstadium) ist die Gefahr des Fritfliegenbefalls gebannt. Als insektiziden Beizschutz wird Force 20 CS gegen bodenbürtige Schadinsekten angeboten (Tabelle 1). Da aber eine systemische Wirkung des Wirkstoffs Tefluthrin fehlt, ist der Schutz gegen Fritfliegenbefall fraglich.

Nährstoffbeizen und Biostimulanzien
Um den neuen (europäischen) Ausrichtungen im Bereich Pflanzenschutz und Düngung zu be-gegnen, werden im Saatmaisgeschäft vermehrt Nährstoffbeizen und /oder Zusätze spezieller Biostimulanzien angeboten. Bei den Biostimulanzien handelt es sich in der Regel um Extrakte aus Pilzen, Bakterien oder Algen, speziellen Amino-/ Huminsäuren oder Pflanzenextrakten. Durch erhöhte Wurzelbildung soll die Jugendentwicklung gefördert werden. Außerdem soll ein verbesserter Aufschluss der Bodennährstoffe durch eine bessere Nährstoffaufnahme der Pflanzen erzielt werden, um unter anderem mögliche negative Effekte reduzierter oder unter-lassener Unterfußdüngung entgegenzuwirken. Die Widerstandsfähigkeit der jungen Pflanze gegenüber abiotischem Stress, wie zum Beispiel Trockenheit, könnte positiv beeinflusst wer-den und damit die Ertragssicherheit erhöht werden.
Mögliche angebeizte Nährstoffe, oft Phosphor-/Zink –Verbindungen, sollen darüber hinaus temporären Nährstoffmangel überbrücken und die Maispflanzen in kritischen Phasen wie Keimung, Bestandsetablierung und Anlage sowie Ausbildung der Ertragskomponenten unterstützen, da Haupt- und Spurennährstoffe direkt am Keimling platziert sind und somit während des Keimvorgangs aufgenommen werden können.
Die Kombination Nährstoff und Biostimulanz soll die Maispflanzen besonders in der ersten Entwicklungsphase nach dem Auflaufen noch effektiver mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen und die Jugendentwicklung der Pflanze beschleunigen. Biostimulanzien und Nährstoffbeizen sind keine Pflanzenschutzmittel, somit unterliegen diese Produkte keiner Zulassung. Es gibt eine kaum überschaubare Vielfalt von Angeboten. Eine nicht vollständige und vorläufige Auflistung ist in Tabelle 2 abgebildet.
Erste Tastversuche der Landwirtschaftskammern mit einzelnen Produkten im Mais lassen weder optische noch ertragliche Vorteile bzw. Nachteile erkennen. Allerdings wurden diese Ver-suche auf Flächen im geregelten „Kulturzustand“ mit guten Startbedingungen für die Saaten durchgeführt. Unter schwierigen Bedingungen kann das unter Umständen anders aussehen. Es muss klar sein, dass aber ackerbauliche Mängel nicht durch Nährstoffbeizen oder Biostim-ulanzien kompensiert werden können.

Aus unübersichtlichem Angebot entscheiden
Während einige Züchterhäuser bzw. Saatgutvertreiber Repellents, basierend auf Ziram (Korit 420 FS) als Zusatzbeize anbieten, werden Kombinationen aus Nährstoffbeize bzw. Biostimulanz und dem Repellent auch unter bestimmten Eigennamen in den Markt gebracht. Bei eini-gen Anbietern sind zusätzliche Nährstoffe oder Biostimulanzien auch schon standardmäßig angebeizt. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Sortenflut und den unterschiedlichsten Beiz-kombinationen wird der Markt für Saatmais noch unübersichtlicher. Für den Handel ist das zum einen eine große logistische Herausforderung, andererseits wird nicht jeder Händler jede Sorte mit allen möglichen Beizkombinationen zur Verfügung stellen können. Es ist daher sinn-voll, sich rechtzeitig um die Saatgutbestellung in der gewünschten Beizausstattung zu küm-mern. Nicht jede Sorte wird mit jeder möglichen Beizausstattung lieferbar sein. Da nicht ab-sehbar ist, was zur übernächsten Aussaat bezüglich Beizschutz noch möglich ist, sollte men-genmäßig eher genau kalkuliert bestellt werden, um Überlagerungen zu verhindern. Bei der Bestellung sollte auch die Rückgabemöglichkeit geklärt werden.

Tabelle 2: mögliche Nährstoffbeizen/Biostimulanzien für den Maisanbau in 2022
(Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

Quelle: Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Zusammenfassung
Die sich einstellende vorherrschende Witterung während des Auflaufens des Mais bis zum Vielblattstadium hat einen entscheidenden Einfluss auf Schäden durch Auflaufkrankheiten, In-sektenbefall und Vogelfraß an den jungen Pflanzen. Ackerbaulich sollte alles unternommen werden, um zügige Feldaufgänge und problemlose Jugendentwicklung zu fördern, um die kri-tische Phase möglichst schnell zu durchwachsen. So ist zur Maisaussaat auf guten Kulturzustand der Ackerflächen, ordentliche Saatbettbereitung, angepasster Saattermin, richtige Tiefenablage, passende Pflanzenanzahl und gute Sattgutqualität zu achten. Im konventionellen Anbau ist als Standardmaßnahme ein fungizider Beizschutz des Saatgutes zu wählen. Kommt es erfahrungsgemäß zu starkem Auftreten von Vogelfraß, ist eine zusätzliche Beizung auf Basis von Ziram angebracht. Weitere Zusätze am Korn können in der Praxis getestet werden.