Winterraps

Winterraps

Aktuelle Infos zum Raps von Dr. Christian Kleimeier

Aufgrund des SARS-CoV19 Virus wurden bis auf weiteres alle Feldführungen von der Landwirtschaftskammer abgesagt. Dennoch möchten wir Ihnen die Inhalte der Führungen nicht vorenthalten. Die erste Feldführung hätte am 24. März stattfinden sollen. Der Entwicklungsstand des Rapses nach dem milden Winter, nahezu ohne Winterruhe mit einigen Frösten in März, zeigt, dass der Raps aufgrund seiner Wachstumsphysiologie nicht zu den Gewinnern des Klimawandels gehört.

Bundesweit zeigten die Standorte der Bundessortenversuche mit längerer Winterruhe in der Tendenz die besseren Erträge. Vom Prinzip her ist dies bereits der dritte Winter in Folge , der ausgefallen ist. Zum vernalisieren reichen dem Raps einige Tage mit Temperaturen unter 4 °C. Diese gab es im Dezember. Höhere Durchschnittstemperaturen haben dazu geführt, dass die für die Entwicklung notwendigen Temperatursummen früher erreicht sind. Bereits im Oktober hat der Raps im Rosettenstadium alle Ertragsanlagen ausgebildet. Über den Winter, wenn der Bestand in Ruhe ist, werden die Anlagen weiter ausdifferenziert. Theoretisch wird ein Ertragspotenzial von 80 dt/ha angelegt. Aufgrund von Konkurenz und Umwelteinflüssen wird davon in guten Jahren rund 1/3, in schlechten Jahren 2/3 zurückgebildet oder abgeworfen.

Im Winter 2019/2020 Ende Februar 2020 war der Raps bereits im Stadium 55 (Infloreszenz von oben sichtbar, Fotos), seit Mitte März steckt er im EC-Stadium 55/57. Dies dauert die gesamte Streckungsphase bis die erste Blüte geöffnet ist. Sind mehr als 10 % der Blüten geöffnet ist das Stadium 60 überschritten und der Raps befindet sich in der Blütephase Diese wird in diesem Jahr bereits zum 15.4. erwartet. Damit steigt nicht nur das Risiko von Frostschäden - trotz Klimaerwärmung ist bei klarem Wetter mit Spätfrösten bis in den Mai mit Frösten zu rechnen - , sondern auch das Ende der N-Aufnahme nach Zweidritteln der Vollblüte rückt deutlich nach vorne. Danach beginnt der Raps von unten her abzureifen und zu verholzen. Die Nährstoffe werden dann aus der Wurzel und den abreifenden Stängeln in die Schoten verlagert. Somit verkürzt sich die Vegetationszeit des Rapses deutlich.

Frischmassemethode
In den Landessortenversuchen lag die durch die Frischmassemethode ermittelte N-Aufnahme zum Vegetationsende flächendeckend unter 50 kg. Rund 300 kg Stickstoff nimmt Raps im Laufe seiner Vegetation auf. Dabei verkürzen die frühe Blüte und die späte Düngung durch die späte Befahrbarkeit in diesem Jahr die Zei, in der der Raps Stickstoff aufnehmen kann. Mehr als 4 kg N pro Tag sind kaum möglich.

Gute Nährstoffversorgung
Derzeit sind die Böden jedoch gut gesättigt, sodass sich der Raps schnell mit Stickstoff versorgen kann. Die derzeitige kalte Phase bremst das Wachstum zum Glück ein wenig. Zudem sorgen die Niederschläge Ende März dafür, dass die Nährstoffe in die Wurzelzone gelangen. 2019 hat die einsetzende Frühjahrstrockenheit die N-Aufnahme nach hinten raus reduziert. Derzeit ist jedoch bis zum Ende der N-Aufnahmen genug Wasser im Boden vorhanden. Ob- und wie stark der Raps seine Seitentriebe reduziert hat, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Dazu und zu den Sorten demnächst mehr.

Und der Klimawandel?
Der DWD hat kürzlich erstmals ein 10 Jahresprognose über die klimatische Entwicklung herausgegeben. Demnach waren die Dürrejahre 2018 und 2019 erst der Anfang. Es wird mit eine Zunahme der Durchschnittstemperatur von 2 °C in den nächsten 10 Jahren erwartet - und zwar über dem schon zu warmen Bemessungszeitraum 1981 bis 2010. Demnach haben wir das 2 °C Ziel der Klimapolitik über dem Zeitraum von 1961 bis 1990 bereits weit überschritten.

Änderungen im Versuchswesen
Zukünftig wird es nicht nur Einschränkungen in der Düngung geben. Auch in Pflanzenschutz wird es durch die Reduzierung der Wirkstoffe deutliche Einschränkungen geben. Darauf reagiert das Versuchswesen der Landwirtschaftskammer, um rechtzeitig Antworten geben zu können.

  • Düngung: der Raps in den Landessortenversuchen wird standortangepasst, also nach einer gemäß geltender DüV durchgeführten Düngebedarfsermittlung, gedüngt. Standartmäßig fahren wir im Raps eine 2-Gaben-Strategie, wobei die erste Gabe mit ASS erfolgt um auch die Schwefelversorgung sicherzustellen. Die 2. Gabe erfolgt mit KAS oder ureasegehemmten Harnstoff. Liegen Landessortenversuche in Praxisschlägen überlassen wir die Düngung den Landwirten. Dort erfolgen beide Gaben häufig mit SULFAN. In den Landessortenversuchen erfolgt keine organische Düngung. 
     
  • Pflanzenschutz: In der Wertprüfung ist es das Ziel eine Sorte auf Herz und Nieren zu prüfen. Das setzen wir seit der vergangenen Aussaat auch in den Landessortenversuchen um. Der Schwerpunkt der Sortenversuche liegt zukünftig somit auf der Pflanzengesundheit. Damit hat auch die Winterhärte, also das frühe austreiben der Bestände ein anderes Gewicht. Dazu werden die Versuche nur noch „einstufig unbehandelt“ angelegt. Es gilt die Rapssorte zu finden, die unter allen Bedingungen den sichersten Ertrag liefert. Einstufig bedeutet, dass es nur eine Behandlung für alle Versuchsglieder gibt. Unbehandelt heißt, dass auf Fungizide im Herbst und Wachstumsregler generell verzichtet wird. Es wird ein standort- und schadschwellenangepasstes Herbizid- und Insektizidprogramm gefahren, wobei wir die aktuelle Zulassungssituation immer beachten. Eine Blütenbehandlung gegen Verticilium soll hingegen stattfinden.

Rückblick auf 2019
Bereits 2019 froren vielerorts die Wachstumskegel der Hauptblüten noch Anfang Mai ab. Allerdings war die Befahrbarkeit im Spätwinter 2019 besser und die Bestände konnten rechtzeitig zu Beginn des Schossens gedüngt werden. Zudem war der Raps aufgrund der Nährstoffüberschüsse aus dem Sommer 2018 sehr gut entwickelt (bis 130 kg N-Aufnahme zum Vegetationsende). Den Ertrag haben die Bestände dann an den Nebentrieben angesetzt, auch hauptsächlich weil der Raps über den Winter die Nebentriebe nicht reduziert hatte. „Hungert“ Raps, versucht er seine Hauptblüte zu schützen, indem er die für das Wachstum notwendigen Nährstoffe aus den untersten Seitentrieben mobilisiert und nach oben verlagert. Dabei sterben die Seitentriebe ab. Unglücklicherweise sind es die untersten Seitentriebe die neben der Hauptblüte den größten Anteil am Ertrag ausmachen.

 

Sortenempfehlungen

Ansprechpartner Sortenwahl

  • Dr. Christian Kleimeier

    Grüner Kamp 15-17
    24768 Rendsburg

    Tel. +49 4331 9453-334
    Mobil +49 171 2245 483
    Fax +49 4331 9453-339
    ckleimeier@lksh.de

    Raps, Ölsaaten, Körnerleguminosen, Fruchtfolgegestaltung

Düngung

Zur Optimierung der N-Düngung des Winterrapses wurde in Zusammenarbeit und unter wissenschaftlicher Leitung und Federführung durch das Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel das Frischmassemodell entwickelt. Über dieses Modell wird die N-Aufnahme des Rapses bei Vegetationsende im Herbst geschätzt und dann bei der N-Düngung im Frühjahr angerechnet.

Düngeempfehlungen unter Berücksichtigung der neuen Düngeverordnung finden Sie auf einer gesonderten Seite:

Pflanzenschutz

Im Winterraps haben verschiedene Schaderreger eine große Bedeutung. Mit der Saatgutbeizung wurde bisher neben den Auflaufkrankheiten auch der Rapserdfloh erfasst. Aufgrund des zunächst zweijährigen Verbots der Neonicotinoide (Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) stehen für die kommenden Aussaaten derzeit keine insektiziden Beizmittel zur Bekämpfung der Kleinen Kohlfliege und des Rapserdflohs zur Verfügung. Bei Spätsaaten ist eine zusätzliche Beizung gegen den Falschen Mehltau sinnvoll. Sehr wichtig ist eine effektive Bekämpfung von Unkräutern und Ungräsern, die mit den verfügbaren Herbiziden im Schwerpunkt bereits im Vorauflauf bzw. im Keimblattstadium der Unkräuter und Ungräser erfolgen muss. Mittlerweile stehen auch einige Herbizide für gezielte Behandlungen im Nachauflauf zur Verfügung.
Bei den Schädlingen ist im Herbst insbesondere der Rapserdfloh von Bedeutung. Im Frühjahr richten sich Insektizidbehandlungen gegen den Großen Rapsstängelrüssler (besonders im Südosten Schleswig-Holsteins), den Gefleckten Kohltriebrüssler, den Rapsglanzkäfer sowie den Kohlschotenrüssler und die Kohlschotenmücke. 
Wichtige Krankheiten im Winterraps sind Kohlhernie, Phoma lingam (Wurzelhalsfäule), Weißstängeligkeit und Verticillium. Gelegentlich können auch Botrytis und Cylindrosporium von Bedeutung sein.


Folgende Pflanzenschutzmittel können eingesetzt werden. Die Tabellen ersetzen jedoch nicht die genaue Beachtung der jeweiligen Gebrauchsanleitung:

Aktuelle Warndienste Region Ost und West

Bestandesführung und Anbautechnik

Ansprechpartner Bestandesführung und Anbautechnik

  • Dr. Christian Kleimeier

    Grüner Kamp 15-17
    24768 Rendsburg

    Tel. +49 4331 9453-334
    Mobil +49 171 2245 483
    Fax +49 4331 9453-339
    ckleimeier@lksh.de

    Raps, Ölsaaten, Körnerleguminosen, Fruchtfolgegestaltung