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Mit Hunden dem Rundköpfigen Apfelbaumbohrer auf der Spur

Befall auf Fehmarn beschäftigt die Landwirtschaftskammer weiter

Border Collie „Ettrick“ bekommt von Hundeführerin Uta Kielau die Probe des zu suchenden Käfers unter die Nase gehalten. Der Hund nimmt den Geruch auf und speichert ihn ab, was nur wenige Sekunden dauert. Fotos: Isa-Maria Kuhn

Anna Chwirot und Tim Mühle sorgen für die Sicherheit der Hundeführer an der Kreisstraße 63 auf Fehmarn.

Der Rundköpfige Apfelbaumbohrer (Saperda candida) beschäftigt die Menschen auf Fehmarn seit 2008. Im Jahre 2023 gab es umfangreiche Maßnahmen, nach-dem man die Bevölkerung informiert hatte. Befallszonen und Pufferzonen wurden als Konsequenz eingerichtet.

Seinerzeit sagte der Leiter des amtlichen Pflanzenschutzdienstes, Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer, Dr. Tim Birr: „Wir hoffen, den Schädling auszurotten, doch sind wir uns im Klaren, dass uns das Thema hier auf Fehmarn noch weiter begleiten wird. Umso mehr bitten wir hier um Ihre Mithilfe und Unterstützung. Tragen Sie mit dazu bei, die Tilgung des Schädlings zu erledigen. In diesem Zuge bedanke ich mich bei den für uns wichtigen Partner wie unter anderem der unteren Naturschutzbehörde, dem Bauernverband, vor allem der Stadt Fehmarn sowie auch den Straßenmeistereien und dem Landwirtschaftsministerium“. Die Umsetzung sei oh-ne Alternative, so Birr weiter: „Leider haben wir keine andere Möglichkeit und müssen so vorgehen. Die betroffenen Gebiete werden gerodet und die Wirtspflanzen thermisch vernichtet“.

Im Herbst letzten Jahres gab es erneut Larvenfunde an zwei Weißdorn Pflanzen in einer Hecke an der Kreisstraße 63 zwischen Puttgarden und Johannisberg. Zwei neue Befallszonen wurden errichtet, die amtlichen Tilgungsmaßnahmen haben im Februar 2026 begonnen und sind mittlerweile abgeschlossen. Zum Einsatz kommen auch Spürhunde.

Wie die feinen Hundenasen dem Menschen helfen
Seit 2023 erfolgt der Einsatz von sogenannten Arterkennungshunden auf Fehmarn. Die erfahrenen Hundeführer Uta Kielau (Dipl. Biologin) und Manfred Bel-lin (Baumsachverständiger) aus Büchen und Lübeck sind mit insgesamt fünf Hunden, der Rassen Bearded Collie, Border Collie, Labrador und Bluthund, unterwegs. Diese wurden in einer zweijährigen Grundausbildung als Gehölzpathogenspürhunde nach der Methodik von Tom Middlemas (Hundespezialist aus Schottland) aus-gebildet und schon in vielen Projekten eingesetzt.

Das Besondere daran ist, dass keine klassische Konditionierung der Hunde statt-findet, sondern die sogenannte Generalisierung – die Fähigkeit aus einer Vielzahl von Gerüchen, die Zielart (lebende Larven von Saperda candida) mit Hilfe eines am Anfang der Suche vorgehaltenen Startgeruchs, zu finden.

Der Einsatz der Spürhunde bietet eine wichtige Unterstützung des visuellen Monitorings, ersetzt dieses aber nicht. Besonders in Bereichen, wo dem menschlichen Auge Grenzen gesetzt sind, bringen die Hunde einen wichtigen Gewinn. Zeigt der Hund möglichen Befall an, ist für ihn die Arbeit erledigt und er wird belohnt. Gleich-zeitig kommt der Spürsinn der Inspektoren des Pflanzenschutzdienstes wieder ins Spiel, denn nun müssen sie die Larven im Holz finden, entnehmen und zur amtlichen Bestimmung ins Labor bringen.

Neben dem Einsatz von Arterkennungshunden beim Aufspüren von Quarantäneschädlingen, können sie auch in die Suche nach invasiven oder naturschutzrelevanten Arten integriert werden.

Warum der Aufwand wegen eines kleinen Insekts?
Der Rundköpfige Apfelbaumbohrer stellt für Obstbaumkulturen in ganz Europa – besonders Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume – eine große Gefahr dar. Daneben werden auch noch andere Wirtspflanzen wie beispielsweise Weißdorn und Mehl-beere befallen. Es handelt sich bei dem Schädling um einen Bockkäfer, der ursprünglich in Nordamerika beheimatet ist. Dort ist er ein bedeutendes Schadinsekt.

Er befällt völlig gesunde Bäume und schädigt sie durch die Fraßtätigkeit seiner Larven im Holz enorm, sodass die Bäume schließlich absterben können. Aktuell ist dieser Befall auf Fehmarn der einzige in Europa. Im Falle seiner Verschleppung von Fehmarn in die Obstanbaugebiete drohen sehr hohe wirtschaftliche Schäden. Daher wird das pflanzengesundheitliche Risiko durch den Apfelbaumbohrer für Deutschland und die EU als hoch eingeschätzt.

Seit 2019 ist der Schaderreger als Quarantäneschädling in der EU gelistet (Pflanzengesundheitsverordnung (EU) 2016/2031 und Durchführungsverordnung (EU) 2019/2072). In diesen Verordnungen ist festgelegt, dass der Befall beseitigt und eine weitere Ausbreitung verhindert werden muss. Dafür sind befallene und befallsverdächtige Wirtspflanzen zu fällen, zu roden und zu vernichten.

Hinweise auf das Auftreten des Quarantäneschädlings
Kreisrunde Bohrlöcher mit einem Durchmesser von 8 bis 9 mm am Stamm, sowie Genagsel (Kot und Holzmehl) am Stammgrund sind ein Hinweis auf das Auftreten des Rundköpfigen Apfelbaumbohrers (Saperda candida). Die Larven des Käfers leben verborgen im Stamm dieser Gehölze. Natürliche Fressfeinde für den Käfer und seine Larven gibt es in Europa kaum. Auch mit Maßnahmen des chemischen Pflanzenschutzes lässt sich der Rundköpfige Apfelbaumbohrer nicht bekämpfen.

Mithilfe der Bevölkerung erwünscht
Die Mithilfe von umsichtigen Beobachtern in der Bevölkerung ist hier ausdrücklich erwünscht, um das Auftreten und die Verschleppung dieses für den Apfel- und Birnenanbau gefährlichen Schädlings zu verhindern. Bei Verdacht des Auftretens vom Rundköpfigen Apfelbaumbohrer (Saperda candida) besteht Meldepflicht. Die Bevölkerung von Fehmarn wird darum gebeten, die Maßnahmen des amtlichen Pflanzenschutzdienstes zu unterstützen.

Das Auftreten von verdächtigen Symptomen kann beim zuständigen Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein unter Telefon 0451 31720-20 oder psd-luebeck@lksh.de gemeldet werden.

Wie sehen die Käfer und ihre Larve aus?
Der 1,5 bis 2 cm große Rundköpfige Apfelbaumbohrer ist olivbraun mit zwei hellen Streifen (siehe Bild 1: erwachsener Käfer). Es besteht keine Verwechslungsmöglichkeit mit einheimischen Käferarten. Die cremeweißen Larven leben im Holz der Wirtspflanzen und erreichen nach zwei bis drei Jahren eine Größe von drei bis vier cm. Die Larven legen Gänge im Holz an (siehe Bild 2: Larve im Holz). Das dadurch entstehende Bohrmehl wird durch kleine Öffnungen in der Rinde nach außen ge-presst. So findet sich am Stammgrund das rötlichbraune sogenannte Genagsel (Bild 3: Genagsel am Stammgrund). Ist das Larvenstadium beendet, wird dicht unter der Rinde eine Puppenwiege angelegt. Im Sommer schlüpft der Käfer durch 8 bis 9 mm kreisrunde Löcher. Die Flugzeit dieses Käfers endet im September. Der Käfer ist selbst wenig mobil.

Wie kam der Käfer nach Fehmarn?
Es ist nicht bekannt, wie der Käfer ursprünglich nach Fehmarn gelangt ist, möglicherweise kam er durch aus Nordamerika importierte Pflanzen hierher. Auch ist eine Verbreitung durch befallenes Holz oder den Transport mit Fahrzeugen möglich. Der Pflanzenschutzdienst weist darauf hin, dass auf einen möglichen „blinden Passagier“ zu achten ist und befallenes Holz nicht verbracht werden darf.

Weitere Informationen online unter: https://www.lksh.de/hoheitliche-aufgaben/pflanzenschutzdienst/pflanzenschutzgesundheitskontrolle/aenderung-der-allgemeinverfuegung-der-lksh-zur-bekaempfung-des-rundkoepfigen-apfelbaumbohrers-16122023/

Die Pressemitteilung im PDF-Format 

Verantwortlich für den Pressetext:
Isa-Maria Kuhn, Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Telefon: 0 43 31-94 53-111, E-Mail: ikuhn@lksh.de