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Der Begriff Biodiversität beschreibt im Allgemeinen die biologische Vielfalt und bezieht sich auf verschiedene räumliche Areale. Bei der Biodiversität im Grünland kann zwischen der floristischen und der faunistischen Diversität unterschieden werden. Diese können mit verschiedenen Indizes beschrieben werden, denen jedoch stets die Anzahl der Arten je Fläche zugrunde liegt.
Auf Grünland findet sich mit über 2000 nachgewiesenen Pflanzenarten mehr als die Hälfte der deutschen höheren Pflanzenarten. Auf den meisten Grünlandflächen in Schleswig-Holstein kommen zwischen 15 und 20 verschiedene Pflanzenarten vor. Auf den artenreicheren Flächen, bei denen es sich hier zumeist um Gold- und Glatthaferwiesen mit maximal drei Schnitten pro Jahr handelt, kommen über 40 verschiedene Pflanzenarten vor. Mit steigender pflanzlicher Diversität erhöht sich auch die tierische Vielfalt im Grünland. Grünland ist das Nahrungs- und Bruthabitat vieler Tiere.
Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Artenzahl und der Intensität der Bewirtschaftung. Die Extensivierung von Flächen und die Etablierung von artenreichem Grünland mit Regiosaatgut können einen entscheidenden Beitrag zur Diversitätssteigerung im Grünland leisten. Doch auch auf intensiv genutztem Grünland können verschiedene wirkungsvolle Maßnahmen durchgeführt werden. Wechselmahdstreifen, Knicks, Blühstreifen und artenreich gestaltete Gewässerränder sind nur einige der Maßnahmen, die wertvolle Lebensräume schaffen und zur Vernetzung von Biotopen beitragen. Mit Teilnahme an der Öko-Regelung 5 "Kennarten im Dauergrünland" aus der GAP 2023 können für bestehende artenreiche Dauergrünlandnarben (mind. 4 Kennarten) Förderungen beantragt werden. Zur Bestimmung dieser Kennarten können Smartphone-Apps, wie z.B. Flora Incognita, hilfreich sein.
Die pflanzliche Diversität spielt allerdings nicht nur für den Tier- und Artenschutz eine Rolle. Das beschreibt der Begriff der funktionalen Diversität. So ist ein System, das nicht nur aus einer Gräserart besteht, resilienter gegenüber Störungen. Kommt es beispielsweise zu Trockenstress, können tiefwurzelnde Arten besser überleben. Dies ist vor allem im Hinblick auf den Klimawandel und zunehmende Extremwetterereignisse für die Ertragsstabilität entscheidend. Darüber hinaus enthalten viele Leguminosen und Kräuter sekundäre Inhaltsstoffe, die die Futterqualität steigern können.
Weiterführende Literatur und Links:
Biodiversität im Grünland – unverzichtbar für Landwirtschaft und Gesellschaft
Artenvielfalt bewirtschafteter Grünlandsysteme ergebnisorientiert honorieren
Bestimmungsapp Flora Incognita
Kennarten
Naturschutzberatung Schleswig-Holstein
Betriebe haben die Möglichkeit sich bei einem Betriebsbesuch zu verschiedenen Themen rund um das Grünland beraten zu lassen. Oft sind Fragen zum Grünland über Telefon oder E-Mail nur schwer abschließend zu beantworten. Ein Betriebsbesuch kann hier Abhilfe schaffen. Vor Ort können spezielle Fragestellungen besser diskutiert werden, da die Grünlandbestände direkt besichtigt werden können. Dank der ELER-Förderung (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes) ist dies im Rahmen der Grünlandberatung möglich und für die Betriebe kostenfrei.
Das Angebot richtet sich nicht nur an Rinder haltende Betriebe. Auch Betriebe mit Flächen für Schafe oder Pferde können die Beratung in Anspruch nehmen.
Bei Interesse kann einfach telefonisch oder per E-Mail ein Termin vereinbart werden. Die ELER-Grünlandberatung wird sowohl von der Landwirtschaftskammer als auch den Kooperationspartnern Agrarberatung Mitte, Agrarberatung Nord, VRS Dithmarschen, VRS Steinburg und VRS Schleswig angeboten.
Kontakt:
Christian Pahl
E-Mail: cpahl@lksh.de
Telefon: +49 4331 9453-306
Mobil: +49 15126037533
Als Bruttoertrag von der Fläche wird die theoretisch erntbare Pflanzenmasse abzüglich der Stoppel bezeichnet. Bei Schnittnutzung liegt die optimale Nutzungshöhe bei etwa 5 cm. So behält die Pflanze genügend Reservestoffe für den Wiederaustrieb und es gelangt möglichst wenig Sand in das Erntegut. Der Nettoertrag ergibt sich durch Abzug des Weiderestes bzw. der Ernte- und Silierverluste in Form von Bröckelverlusten (mind. 5 %) und Veratmung (5-8 %) vom Bruttoertrag. Die Silierverluste liegen im Optimalfall bei etwa 15 %.
Auf intensiv genutztem Grünland liegen die Bruttoerträge je nach Standort und Bewirtschaftung zwischen 60 und 120 dt TM/ha, in Schleswig-Holstein allerdings größtenteils zwischen 80 und 100 dt TM/ha.
Der erste und zweite Aufwuchs sind ökonomisch entscheidend. Je nach Standort macht der erste Schnitt einen Anteil von um die 40 % des Jahresertrages aus. Das Ertragsmaximum wird meist bei drei bis vier Schnitten im Jahr erreicht. Mit vier bis fünf Schnitten pro Jahr können hingegen die maximalen Energieerträge erzielt werden.
Die Ertragsbildung wird vorrangig durch die Strahlungsnutzungseffizienz des Grünlandbestandes determiniert. Diese wird durch verschiedene Prozesse beeinflusst. Dazu gehören die Bestockung (Neubildung und Zuwachs von Seitentrieben, die Blätter tragen), die Blattbildung sowie die phänologische Entwicklung, also ob es sich um einen generativen oder vegetativen Bestand handelt.
Der Nutzungstermin des ersten Aufwuchses wirkt sich auf die Folgeaufwüchse aus und entscheidet maßgeblich über den erzielten Jahresertrag.
In der Regel ist ein Großteil der Pflanzen bei Deutsch Weidelgras-betonten Beständen beim ersten Schnitt im generativen Stadium, so dass sie in den Folgeaufwüchsen vegetativ wachsen. Durch eine vergleichsweise lange Aufwuchszeit des ersten Schnittes können hier höchste Wachstumsraten erreicht werden. Das Ertragsmaximum eines einzelnen Aufwuchses wäre bei einer Nutzung im Stadium der Blüte erreicht, allerdings nimmt der Energieertrag bereits nach dem Ährenschieben deutlich ab, sodass sich der optimale Schnittzeitpunkt für eine hochwertige Silage-Produktion im Ährenschieben befindet.
Die höchsten Anteile an wasserlöslichen Kohlenhydraten kommen im generativen Aufwuchs durch das Vorhandensein von Internodien als Speicher vor. Weiterhin begünstigen kühle Temperaturen und eine hohe Sonneneinstrahlung den Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten. Der Gehalt steigt bis zum Ähren- bzw. Rispenschieben an und geht dann infolge des starken Anstiegs der Zellwandbestandteile schnell zurück. Der Anteil der wasserlöslichen Kohlenhydrate schwankt allerdings auch im Tagesverlauf. Besteht die Möglichkeit, empfiehlt es sich nachmittags oder am frühen Abend zu mähen, da dann die Gehalte aufgrund der Photosyntheseleistung über den Tag am höchsten sind.
Um einen Kompromiss aus maximalem Ertrag und maximalem Energiegehalt zu erreichen, empfiehlt sich eine Nutzung des ersten Schnittes zur Zeit des Aufschwellens der obersten Blattscheide, kurz bevor die Ähre oder Rispe hervortritt. Bei der Ermittlung des optimalen ersten Nutzungszeitpunktes unterstützt die Reifeprüfung zum 1. Schnitt des Grünlandes, die jährlich durch die Landwirtschaftskammer durchgeführt wird.
Ökologisch wichtige Grünlandflächen werden im Rahmen einer Reihe von Gebietskulissen geschützt. Dazu zählen zum Beispiel geschützte Biotope im Rahmen des Landesnaturschutzgesetzes (LNatSchG) und Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG), Natura 2000-Gebiete (FFH-Gebiete, EU-Vogelschutzgebiete) oder Flächen innerhalb der Kulisse des Dauergrünlanderhaltungsgesetzes (DGLG). Letztere umfasst Flächen mit Wassererosionsgefährdung, Winderosionsgefährdung, Überschwemmungsgebiete, Wasserschutzgebiete, Gewässerrandstreifen, Moorböden und Anmoorböden.
Als geschützte Biotope gelten gemäß dem LNatSchG, in Verbindung mit dem BNatSchG, unter anderem das arten- und strukturreiche Dauergrünland, binsen- und seggenreiche Nasswiesen, kalkreiche Niedermoorwiesen, landwirtschaftlich genutzte Übergangsmoorflächen, Salzrasen, Halbtrockenrasen und Trockenrasen. Handlungen, die zu einer Zerstörung oder einer sonstigen erheblichen Beeinträchtigung eines Biotops führen, sind verboten und die Anwendung von Herbiziden und Biozidprodukten (Insektizide, Akarizide und Produkte gegen andere Arthropoden) ist untersagt. Auch nach der Direktzahlungen-Verpflichtungenverordnung (§5 DirektZahlVerpflV) ist der gute landwirtschaftliche und ökologische Zustand dieser Flächen zu erhalten. Häufig ist die Bewirtschaftung zur Erhaltung dieser Grünlandtypen an den Grundzügen der bisherigen Flächenbewirtschaftung orientiert, da sich die zu erhaltenen Lebensräume und Biotope bisher in der Eigenregie der Flächenbewirtschafter entwickelt haben. Bei einer längerfristigen Änderung beziehungsweise Intensivierung der Bewirtschaftung (zum Beispiel Erhöhung der Schnitthäufigkeit und Düngung) besteht aber ein erhebliches Potential, Biotope zu beinträchtigen und zu zerstören.
Nach der Pflanzenschutzanwendungsverordnung (PflSchAnwV) gilt ein generelles Anwendungsverbot für glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel in Naturschutzgebieten, Nationalparken, Nationalen Naturmonumenten, Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen im Sinne des § 30 BNatSchG sowie auch in Wasserschutzgebieten. Ob man in einem Wasserschutzgebiet wirtschaftet, sollte durch bereits langjährig geltende Bewirtschaftungsauflagen bekannt sein. Ob sich unter den bewirtschafteten Flächen ein gesetzlich geschütztes Biotop befindet, kann über die Karten der jüngsten Kartierdurchgänge gefunden werden unter umweltportal.schleswig-holstein.de/kartendienste.
Weiterführende Links:
Umweltportal Schleswig-Holstein
Natura 2000
Ein landwirtschaftlich genutzter Dauergrünlandbestand repräsentiert das botanisch diverseste Pflanzenbausystem. Die Artenzusammensetzung kann sich standort-, nutzungs- und witterungsbedingt sehr dynamisch verhalten. Daher ist es von großer Bedeutung, ein regelmäßiges Monitoring der botanischen Artenzusammensetzung durchzuführen, sowie wichtige Bodenparameter im Auge zu behalten, um darauf aufbauend fundierte Entscheidungen zu Management- und Pflege-Maßnahmen zu treffen. Dadurch können Verbesserungspotentiale in der Bewirtschaftung aufgedeckt und noch nicht ausgeschöpfte Futterreserven effizienter genutzt werden. Eine grundlegende Artenkenntnis auf dem Grünland muss dafür gegeben sein.
Mit ein wenig Übung, einem Bestimmungsbuch oder einer App gelingt die Bestimmung der wichtigsten Grasarten häufig recht gut. Weiterhin gibt es eine Vielzahl an Zeigerpflanzen, die charakteristisch für bestimmte Standort- und Bewirtschaftungseigenschaften sind. Kommen unerwünschte Arten überdurchschnittlich stark im Grünlandbestand vor, kann über die Zeigerpflanzen eine erste Anpassung der Bewirtschaftung vorgenommen werden, um diesen Arten entgegenzuwirken und die Qualität der Grünlandnarbe zu verbessern.
Aufgrund unterschiedlicher Wuchseigenschaften kommen bestimmte Gräserarten unter verschiedenen Nutzungssystemen und -intensitäten besser zurecht. Im intensiven Wirtschaftsgrünland ist Deutsches Weidelgras aufgrund seines hohen Nachwuchsvermögens bei gleichzeitig hoher Futterqualität wünschenswert. Allerdings sind Anteile von Wiesenlieschgras, Wiesenrispe, Wiesenschwingel, Rotschwingel, Knaulgras und/oder Weißklee in Abhängigkeit von Nutzung, Intensität und Standort sinnvoll. Ist der Boden unter dem Grünland zum Beispiel geprägt durch eine hohe Wassersättigung und ist dadurch eine intensive Bewirtschaftung nicht möglich, können Arten wie Wiesenschwingel eine höhere Ertragssicherheit bringen. Im Gegensatz dazu profitieren zum Beispiel sommertrockene Standorte eher von der höheren Trockenheitsresistenz von Knaulgras. Weiterhin kommt der Beimischung und dem Anbau von Stickstoff-bindenden Leguminosen wie Rotklee, Weißklee und Luzerne eine übergeordnete Bedeutung zu, wenn hohe Futterqualitäten (Protein) das Ziel sind und Mineraldünger eingespart werden soll.
Je nach Nutzungsziel, -dauer und Aussaattermin werden unterschiedliche Mischungen mit variierenden Anteilen verschiedener Gräser und Leguminosen empfohlen und regelmäßig im Faltblatt der Qualitätsstandard-Mischungen für den Ackerfutterbau und das Dauergrünland veröffentlicht. Ebenfalls sind darin Sortenempfehlungen enthalten, die in unabhängigen Anbauversuchen hinsichtlich ihrer phänologischen Entwicklung, Rostresistenz und Ertrag auf ihre Anbauwürdigkeit getestet werden. Diese sollten bei der Mischungsauswahl unbedingt Beachtung finden.
Weiterführende Links:
Gräserbestimmung mit Hilfe von Appanwendungen, wie z.B. Flora Ingocnita oder iGräser:
Floraincognita
https://www.zhaw.ch/de/lsfm/dienstleistung/umwelt-und-natuerliche-ressourcen/igraeser
Liste der wichtigsten Zeigerpflanzen:
https://tlllr.thueringen.de/fileadmin/TLLLR/Service/Publikationen/Merkblaetter/pdf/Broschuere_Zeigerpflanzen_web.pdf
QSM und Sortenempfehlung Ackerfutterbau:
https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Landwirtschaft/Gruenland/Flyer_Sorten_Ackerfutterbau_2025-26_Einzelseiten_LWK_SH.pdf
QSM und Sortenempfehlung Dauergrünland:
https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Landwirtschaft/Gruenland/Flyer_Sorten_Gruenland_2024_LWK_SH-gruenes_Faltblatt.pdf
In Schleswig-Holstein liegt typisches Dauergrünland oft auf grundwassernahen Flächen, vor allem in der Vorgeest und den älteren Marschen. Dort dominieren Bodentypen wie Podsol-Gleye, Gleye, An- und Niedermoore auf Geeststandorten sowie Knick-, Organo- und Dwogmarschen in den Marschen. Der Einfluss von Grund- und Stauwasser, der je nach Standort und Jahreszeit schwankt, schränkt die Tragfähigkeit der Böden besonders im Frühjahr und Herbst stark ein. Schwere Landmaschinen erhöhen in diesen Phasen das Risiko von Bodenverdichtungen erheblich – etwa bei der Gülledüngung im frühen Frühjahr während der Abtrocknung oder bei Erntearbeiten im Herbst während der Wiederbefeuchtung. Solche Verdichtungen, die die Bodenfunktionen schädigen, lassen sich auf Grünland, anders als auf Ackerflächen, nicht kurzfristig durch Bodenbearbeitung beheben.
Auf Dauergrünland wirken sich Verdichtungen oft langfristig aus. Sie können die Erträge unter norddeutschen Klimabedingungen dauerhaft um bis zu 15 % mindern, die Nährstoffeffizienz senken und die Umwelt belasten, etwa durch erhöhte N2O-Emissionen. Deshalb sollte man in kritischen Jahreszeiten die Befahrbarkeit der Flächen vorab prüfen. Im Zweifel empfiehlt sich, Maßnahmen zu verschieben oder Transport- und Ladekapazitäten anzupassen. Zudem sollten auf Grünland Fahrgassen angelegt werden, die ausschließlich befahren werden. Mit der fortschreitenden Verbreitung der hierfür erforderlichen GPS-gesteuerten Lenksysteme wird zudem das Parallel- bzw. Anschlussfahren bei Düngungsmaßnahmen deutlich verbessert.
Im Hinblick auf Schadverdichtungen gilt der Grundsatz: „Vorbeugen ist besser bzw. kostensparender als beheben“. Die natürliche Regeneration der Bodenfunktionen – etwa durch Quellung, Schrumpfung, Frost oder biologische Aktivität – dauert lange. Mechanische Eingriffe wie Unterbodenlockerung wirken auf den sandigen, strukturschwachen Böden der Geest oft nur begrenzt und dann auch nur kurzfristig. Auf geeigneteren Standorten (u.a. Böden mit Tongehalt über 10 %) können solche Maßnahmen Erfolg haben, wenn sie sorgfältig geplant und bei tiefgründiger Austrocknung durchgeführt werden. Langfristige Verbesserungen sind jedoch nur mit angepasster Bewirtschaftung, etwa durch leichtere Fahrzeuge, zu erreichen.
Ein qualitativ hochwertiger und ertragreicher Grünlandbestand basiert auf einer hohen Dichte guter Futtergräser. Er benötigt eine regelmäßige Grünlandpflege, um die Leistungsfähigkeit lange zu erhalten. Die Folgebewirtschaftung kann dann je nach Art und Intensität eine nachhaltig positive Narbenentwicklung fördern oder aber beeinträchtigen.
Hohe Narbendichte
Damit die Pflanzendichte erhalten bleibt, müssen die Standortgegebenheiten, die Pflanzenzusammensetzung und die Nutzungsintensität zueinander passen. Sonst entstehen schnell Lücken und das Eindringen unerwünschter Gräser (wie Gemeine Rispe) und Kräuter (beispielweise Vogelmiere) in den Bestand ist erleichtert. Jedoch kann sich die botanische Artenzusammen¬setzung auch bei einem optimal durchgeführten Grünland-Management durch externe und kaum zu beeinflussende Faktoren schnell ändern. So können als Beispiel Trockenheit, Staunässe oder Schädlingsbefall zu Lücken in der Narbe führen, die die Ausbreitung unerwünschter Arten begünstigen.
Schleppen und Striegeln
Bei der Grünlandpflege regen Schleppen und Striegeln die Bestockung der Gräser an und reduzieren den Gülleschleier sowie oberflächlich wurzelnde Ungräser (Gemeine Rispe) und Unkräuter. Abgestorbenes Pflanzenmaterial wird von den jungen Trieben entfernt, auf dem Boden liegendes organisches Material aufgelockert und dadurch der Boden gelüftet. Wichtig ist die Beseitigung vorhandener Maulwurfshaufen durch Schleppen oder scharfes Striegeln, um den Erdeintrag bei der nachfolgenden Futterernte möglichst gering zu halten. Zudem wirken Maulwurfs-haufen als Eintritts¬pforten für Unkräuter in den Bestand.
Die Ablage des Saatguts vor oder hinter den Zinken spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Bei der Saatgutablage vor den Striegelzinken erhält das Saatgut Bodenschluss und landet nicht auf der Altnarbe, aber es besteht die Gefahr, dass die Saat durch zu tiefes Einarbeiten nicht aufläuft. Bei der Ablage hinter den Zinken liegt das Saatgut oberflächig und das Auflaufen ist sicherer. Jedoch besteht die Gefahr, dass kein Bodenschluss vorhanden ist und die Saat vertrocknet. Ein Anwalzen der Saat wirkt hier vorbeugend.
Stark „verfilzte“ Narben brauchen einen scharf eingestellten Striegel oder zweimaliges Striegeln in diagonaler Richtung, um oberflächlich wurzelnde Ungräser (Gemeine Rispe) und Unkräuter herauszuziehen und Platz für die Nachsaat zu schaffen.
Walzen
Das Walzen dient entweder dem Andrücken der Nachsaat für besseren Bodenschluss oder dem Einebnen von zum Auffrieren neigender Böden (humose, anmoorige und moorige Standorte).
Nachmahd
Eine weitere Pflegemaßnahme ist die Nachmahd („Putzen“) des Bestandes. Dabei werden Kot- und Güllestellen („Geilstellen“) und/oder überständige Pflanzen im Blühstadium mit geringer Qualität und Verdaulichkeit beseitigt, damit die Narbe hochwertig und produktiv bleibt.
(siehe Thema "Grünlandumbruch")
Maßnahmen auswählen
Welche der Maßnahmen den besten Erfolg für die Narbe versprechen, hängt von der aktuell vorliegenden botanischen Bestandes- Zusammensetzung und dem Lückenanteil ab.
Die angegebenen Lücken- und Arten-Anteile in der Tabelle können als Entscheidungshilfe dienen:
Grünlandpflege im Jahresverlauf
Bereits im Spätherbst beginnt die Grünlandpflege mit einer Nachmahd, um Narbenschäden über Winter durch Fusariumpilze (Schneeschimmel) in (zu) lang gewachsenen Beständen zu vermeiden. Im darauffolgenden Frühjahr ist der Maßnahmenbeginn nach der ersten Güllegabe, wenn die Flächen gut abgetrocknet sind. Im nicht trockenen Zustand würden die Maulwurfshaufen leicht verschmieren und dann das Futter verschmutzen, auch mit Narbenschäden durch tiefe Fahrspuren wäre zu rechnen. Die Pflegemaßnahmen sollten mit dem Einsetzen des Schossens der Bestände abgeschlossen werden, da sonst die Narbenentwicklung nicht mehr gefördert, sondern sogar nachhaltig geschädigt werden kann. Waren die Maßnahmen in dieser Zeit witterungsbedingt nicht möglich, muss ihre Notwendigkeit unbedingt abgewogen werden. Für die Nachsaat sind die nachfolgenden Witterungsbedingungen neben dem Zustand der Altnarbe von großer Bedeutung. Wichtig für den Erfolg ist eine ausreichende Wasserversorgung.
Einfluss der Beweidung
Ist der Bestand in seiner Pflanzenzusammensetzung an den Standort und die Nutzungsart angepasst, verhält sich die Narbe deutlich konkurrenzfähiger gegenüber unerwünschten Arten. Hier kommt der Nutzung über eine intensive Beweidung (siehe Thema "Weide") eine besondere Bedeutung zu.
Die Grasnarbe wird bei der Beweidung über die Vegetationsperiode dauerhaft kurzgehalten - mit positiven Effekten auf das Wuchsverhalten des Grasbestands. Kurze Bestände lassen das Licht in tiefere Schichten eindringen und erhöhen dadurch den Lichtreiz an den Triebknospen am Blattgrund. Dies fördert die Bildung von Seitentrieben mit dem Resultat einer hohen Triebdichte von bis zu 15.000 Trieben je m² (im Gegensatz zu ca. 8.000 Trieben je m² bei reiner Schnittnutzung). Die intensive Seitentriebbildung verhindert weitgehend eine Lückenbildung im Bestand und erhöht die Dichte der Grünlandnarbe.
Schleswig-Holstein gliedert sich in die Hauptnaturräume Marsch (Küstenholozän) an Nordsee und Elbaue, Hohe Geest (Altmoränenlandschaft), Vorgeest (Sanderebene) und Östliches Hügelland (Jungmoränengebiet). Typische Grünlandregionen finden sich in Schleswig-Holstein auf der gesamten Geest und dort besonders in den Moorgebieten der Eider-Treene-Sorge-Niederung. Außerdem sind die Marschflächen Eiderstedts und an der Elbe, insbesondere die Wilstermarsch, Regionen mit einem hohen Anteil Dauergrünland an der landwirtschaftlich genutzten Fläche. In den Marschgebieten sind Dwog- und Knickmarschen typische Bodentypen der Grünlandstandorte. In der Geest handelt es sich um Podsole, Gleye, Pseudogleye und Niedermoore.
Standorte mit Grünlandnutzung sind in der Regel absolute Grünlandstandorte, die sich nicht für den Ackerbau eignen. Dies lässt sich in Schleswig-Holstein zumeist dadurch begründen, dass der Grundwasserstand zu hoch für den Ackerbau ist. Gras besitzt höhere Verdunstungsraten und hat einen weniger tiefen Wurzelraum als die meisten Ackerkulturen.
Oftmals handelt es sich bei Grünlandstandorten auch um umweltrelevante Standorte. So sind Moore für den Klimaschutz entscheidend, Hanglagen für den Erosionsschutz und sandige Böden spielen für den Gewässerschutz eine entscheidende Rolle. Generell sind Grünlandböden große Kohlenstoffspeicher und eine wichtige CO2-Senke.
Bestimmte Zeigerpflanzen können bereits Rückschlüsse auf die Standortgegebenheiten zulassen. So sind Rotes Straußgras, Kammgras, Borstgras oder Ruchgras Zeiger für nährstoffarme Standorte und finden sich nicht auf intensiv bewirtschafteten Flächen. Aufrechte Trespe, Wund- oder Gelbklee weisen auf hohe pH-Werte hin; Wolliges Honiggras, Borstgras, Kleiner Sauerampfer oder Schafschwingel wiederum auf saure Böden. Der Schafschwingel ist darüber hinaus eine Zeigerpflanze für trockene Standorte, so auch die Aufrechte Trespe, Thymian, Echtes Labkraut, Wund- oder Bergklee. Auf nasse Standorte können Pflanzen wie Binsen, Seggen, Rasenschmiele, Sumpfschachtelhalm oder Hahnenfußarten hinweisen.
Je nach Standortbedingungen und Bewirtschaftung entwickeln sich auf dem Grünland unterschiedliche Gräsergesellschaften. Frühestens fünf Jahre nach der Ansaat hat sich eine Pflanzengemeinschaft entwickelt, die im Gleichgewicht mit den Standort- und Bewirtschaftungsbedingungen steht. Vorher determiniert die Ansaatmischung den Bestand. Für die Beschreibung der Gräsergesellschaften wird typischerweise die Methode nach Braun-Blanquet verwendet, die bestimmte Charakter-, Kenn- und Trennarten zur Einteilung nutzt.
Weiterführende Literatur und Links:
KLAPP, E. (1965): Grünlandvegetation und Standort nach Beispielen aus West-, Mittel- und Süddeutschland. Verlag Paul Parey. Hamburg und Berlin.
BRAUN-BLANQUET, J. (1951): Pflanzensoziologie, Grundzüge der Vegetationskunde. Springer Verlag. Vienna.
Umweltportal Schleswig-Holstein
Ein Grünlandumbruch mit anschließender Neuanlage ist immer mit Kosten verbunden und sollte daher nach Möglichkeit vermieden werden. Doch nicht nur angesichts ökonomischer Aspekte sollte ein Umbruch vermieden und die Produktivität des Dauergrünlands durch Pflegemaßnahmen langfristig auf hohem Niveau gehalten werden: Ein Umbruch führt zur Störung des natürlichen Bodengefüges und zu erheblichen klimawirksamen Emissionen (CO2, N2O) sowie Stickstoffverlusten (z.B. NO3- und NH4+).
Vor diesem Hintergrund dürfen Flächen, die einem besonderen ökologischen Schutzstatus unterliegen (Wassererosionsgefährdung, Winderosionsgefährdung, Überschwemmungsgebiete, Wasserschutzgebiete, Gewässerrandstreifen, Moorböden, Anmoorböden), nach dem Dauergrünlanderhaltungsgesetz (DGLG) nicht umgebrochen werden. Landesweit betrifft dies eine Gesamtfläche von knapp 150.000 Hektar, also etwas weniger als die Hälfte des gesamten Dauergrünlandes.
Wer dennoch beabsichtigt eine Dauergrünlandfläche innerhalb dieser Schutzkulisse umzubrechen und neu einzusäen, muss rechtzeitig einen Antrag auf Genehmigung stellen, dem eine Stellungnahme einer anerkannten landwirtschaftlichen Beratungsinstitution (Landwirtschaftskammer oder Gewässerschutzberatung) beiliegen muss. Die Bodenbearbeitung darf dabei nicht wendend und maximal 10 cm tief erfolgen, wobei hiervon nur im Einzelfall eine Befreiung beantragt werden kann, für die wiederum eine Stellungnahme einer anerkannten landwirtschaftlichen Beratungsstelle erforderlich ist. Wer sich einen Überblick verschaffen will, welche Dauergrünlandflächen in der DGLG-Kulisse liegen, kann dies im Umweltportal SH nachschauen (Umweltportal Schleswig-Holstein). Außerdem steht eine Entscheidungshilfe für den Dauergrünlandumbruch auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer zur Verfügung.
Bei einer Neuansaat sollte die Gräserauswahl (siehe Thema "Gräser") unbedingt im Einklang mit dem zukünftigen Nutzungsziel stehen, um die Produktivität des Dauergrünlands langfristig auf hohem Niveau zu halten und einen Umbruch zu vermeiden.
Die Moore Schleswig-Holsteins entstanden nach der letzten Eiszeit vor etwa 11.500 Jahren. In wassergesättigten Böden ohne Sauerstoff zersetzen sich Pflanzenreste unvollständig, wodurch Torf entsteht. Erreicht die Torfschicht eine Dicke von mindestens 30 Zentimetern, spricht man von Moorböden. Es werden im Wesentlichen zwei Typen von Mooren unterschieden: die durch oberflächennahes Grund-, Hang- oder Quellwasser entstandenen Niedermoore sowie die ausschließlich durch Regenwasser gespeisten Hochmoore. Aufgrund der extremen Standortbedingungen der Moore finden sich dort besonders angepasste Spezialisten der Tier- und Pflanzenwelt, die auf den Schutz dieser Lebensräume angewiesen sind. Zudem speichern Moore seit Jahrtausenden große Mengen CO2 in ihren Torfen.
Mit ursprünglich 160.000 Hektar Moorböden, etwa 10 Prozent der Landesfläche, zählt Schleswig-Holstein zu den moorreichsten Bundesländern. Doch viele Moore wurden früh vom Menschen genutzt. Hochmoore dienten seit Jahrhunderten als Torflieferanten – zunächst als Brennstoff, später als Kultursubstrat im Gartenbau. Niedermoore hingegen wurden vor allem landwirtschaftlich genutzt. Heute bewirtschaftet man über 80 Prozent der schleswig-holsteinischen Moore, meist als Dauergrünland zur Futtergewinnung. Daher spielt die Eignung der Moore eine zentrale Rolle bei der Züchtung von Futtergräsern. Trotz zunehmender Ackernutzung bleiben Moore wegen ihres hohen Wasserstands typische absolute Grünlandstandorte.
Die landwirtschaftliche Nutzung erfordert jedoch eine deutliche Absenkung des Wasserstands. Je häufiger die Moorflächen gemäht werden sollen bzw. je höher die Ansprüche an die Grundfutterqualität sind, desto länger müssen die Wasserstände auf einem Niveau gehalten werden, welches eine Befahrbarkeit mit landwirtschaftlichen Maschinen sowie gute Wachstumsbedingungen für hochwertige Futtergräser gewährleistet (mindestens 30 bis 50 cm unter Flur). Diese Entwässerung der Moorböden führt unweigerlich zu starken Bodensackungen durch Schrumpfung der zuvor wassergesättigten Torfe sowie zu hohen Freisetzungen von Treibhausgasen (THG), insbesondere von CO2, durch mikrobiellen Torfabbau. Deshalb tragen landwirtschaftlich genutzte Moorböden erheblich zu den THG-Emissionen der Landnutzung bei und stehen im Fokus der Klimaschutzpolitik.
Eine Wiedervernässung, also die Anhebung der Wasserstände auf ein natürliches Niveau, könnte die THG-Emissionen fast vollständig stoppen. Gleichzeitig würde sie den Artenschutz fördern und Nährstoffeinträge in Gewässer verringern. Doch die entwässerungsbasierte Landwirtschaft wäre dann nicht mehr möglich. Deshalb müssen alternative Nutzungsformen und Verwertungskonzepte, inklusive der Vergütung der Landnutzer für gesellschaftliche Leistungen (Klimaschutz), für die Nutzung nasser Moore (Paludikultur) entwickelt werden. Solche Ansätze sind Gegenstand zahlreicher aktueller und geplanter Forschungs- und Modellprojekte.
Weiterführende Literatur und Links:
Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt, Naturschutz Deutschland, Michael Succow Stiftung, Greifswald Moor Centrum (2023): Mooratlas.
BMU (2021): Nationale Moorschutzstrategie
Projekt MoKli: Moor- und Klimaschutz – Praxistaugliche Lösungen mit Landnutzern realisieren
Ökosysteme können für den Menschen auf unterschiedlichste Weise von Nutzen sein. Die Bereitstellung von Leistungen durch natürliche Ökosysteme wird mit dem Konzept der Ökosystemdienstleistungen (ÖSDL) umschrieben. Dieses Konzept stellt den Menschen bzw. den menschlichen Nutzen in den Mittelpunkt und beruht auf der Annahme, dass Ökosysteme, die besonders relevante Leistungen bereitstellen, vom Menschen auch besonders geschützt werden. Hierbei erfolgt keine Priorisierung einzelner ÖSDL gegenüber anderen. Häufig wird versucht einzelne ÖSDL zu monetarisieren, um ihnen einen Wert zuzuschreiben und den potentiellen volkswirtschaftlichen Schaden bei einem Verlust der entsprechenden Ökosysteme und ihrer Leistungen zu quantifizieren.
Unterschieden wird grundsätzlich zwischen bereitstellenden und regulatorischen ÖSDL. Bezogen auf Agrarökosysteme ist als bereitstellende ÖSDL insbesondere die Bereitstellung von Nahrungs- und Futtermitteln zu nennen. Im Landschaftskontext betrachtet können Agrarökosysteme jedoch auch einen kulturhistorischen und Erholungswert bereitstellen. (Agrar-)Böden speichern Wasser, Nährstoffe und Kohlenstoff, weshalb sie regulatorisch für die entsprechenden Stoffkreisläufe fungieren. Auch der Erhalt der Biodiversität durch den Schutz von Ökosystemen als Lebensraum ist von direktem Nutzen für den Menschen, was häufig am Beispiel der Bestäubung von Kulturpflanzen durch Insekten veranschaulicht wird.
Grünlandökosysteme bieten, je nach Nutzungsart und -intensität, viele verschiedene ÖSDL. Die Bereitstellung von Biomasse, z.B. als Grundfutter in der Tierernährung, nimmt mit steigender Nutzungsintensität zu. Gleichzeitig nimmt jedoch die Pflanzenvielfalt von Grünlandstandorten mit steigender Nährstoffzufuhr und früheren Nutzungszeitpunkten ab, wodurch auch blütenbesuchende Insekten dann kaum noch vorkommen. Dauergrünland bildet durch sein dichtes Wurzelgeflecht große Mengen an Humus im Boden. Der darin gespeicherte Kohlenstoff wurde der Atmosphäre zuvor in Form von CO2 entzogen, weshalb Grünlandökosysteme regulatorisch auf das Klima wirken. Auf absoluten Grünlandstandorten (z.B. in Mooren, an der Küste oder bei starker Hangneigung) hat diese Nutzungsform zumeist eine kulturhistorische Bedeutung, häufig in Kombination mit regionaltypischen Tierhaltungsformen und Haustierrassen. Mit extensiver Grünlandnutzung und Tierhaltung wurden große Landschaftsbereiche offengehalten, wodurch sich artenreiche Pflanzengesellschaften und Biotoptypen entwickeln konnten, die heute einen hohen Schutzstatus besitzen. Dadurch stellt Grünland außerdem ein wichtiges landschaftsprägendes Element dar.
Weiterführende Literatur und Links:
https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/ipz/dateien/aggf_2014_jedicke.pdf
Die Einstellung des optimalen Boden-pH-Wertes durch regelmäßiges Kalken sowie eine an den Bedarf angepasste Grundnährstoffversorgung sind altbekannte, aber häufig dennoch vernachlässigte pflanzenbauliche Maßnahmen, die eine nachhaltige Ausschöpfung des Ertragspotentials eines Grünlandbestands gewährleisten.
Untersuchungen auf Dauergrünland zeigen, wie hoch der Ertrags-Effekt einer bedarfsgerechten Frühjahrsdüngung mit Grundnährstoffen sein kann. Eine einmalige Gabe von 300 kg K2O/ha, 53 kg P2O5/ha und 30 kg S/ha bei begrenzter Stickstoffdüngung (140 kg N/ha/Jahr) kann den Jahresertrag im Vergleich zu einer ungedüngten Fläche um bis zu 40 % erhöhen. Dies belegen Ergebnisse eines Demo-Versuchs im Projekt „EIP smart grazing“. Die Ertragseffekte unterstreichen die zentrale Rolle einer ausgewogenen Grundnährstoffversorgung für die Leistungsfähigkeit von Hochleistungsgrünland.
Bei der Düngeplanung sollte neben dem Stickstoff auch die Grundnährstoffnachlieferung aus der organischen Düngung berücksichtigt werden. Mit 170 kg N/ha/Jahr aus Rindergülle (7 % TS, 3,5 kg N/m³) lässt sich ein Großteil des Pflanzenentzugs decken, sodass hier ein großes Potenzial zur Einsparung mineralischer Dünger vorhanden ist. So können unter 4-Schnittnutzung (Ertrag von 90 dt TM/ha) im Durchschnitt etwa 70 % des P2O5-, 50 % des K2O-, 90 % des MgO- und 54 % des S-Entzuges bereits aus der Rindergülle gedeckt werden.
Weitere und umfassende Informationen zur Düngung finden Sie unter:
https://www.lksh.de/landwirtschaft/duengung/
Grünland kann große Mengen Stickstoff (N) aufnehmen und als Protein in der Biomasse speichern. Eine dichte, produktive Grasnarbe entzieht dem Boden durch ihr verzweigtes Wurzelnetzwerk Stickstoff. Aufgrund der ganzjährigen Vegetationsdecke bilden sich auch im Winter Wurzeln, die geringe Mengen N aus dem Boden aufnehmen. Ein gut bewirtschaftetes Grünland mit vier bis fünf Schnitten pro Jahr kann so über 300 Kilogramm N pro Hektar und Jahr durch die Ernte entziehen.
Sind jedoch mehr mineralische Stickstoffverbindungen wie Ammonium oder Nitrat im Boden vorhanden, als das Grünland aufnehmen kann, oder gelangt ausgebrachter Stickstoff nicht in die Wurzelzone, drohen auch im Grünland hohe Stickstoffverluste. Dabei geht nicht nur ein wertvoller Pflanzennährstoff verloren, sondern diese N-Freisetzungen wirken sich auf die Umwelt aus.
Grundsätzlich kann N über zwei Wege in die Umwelt freigesetzt werden: im Wasser gelöst über die Auswaschung mit dem Sickerwasser, oder als gasförmige Verbindung in die Atmosphäre. Nitrat (NO3) ist im Boden im Wasser gelöst ist und liegt kaum in gebundener Form vor. So es sehr mobil und daher bei auftretendem Sickerwasser aus der Wurzelzone heraus stark auswaschungsgefährdet. Ammonium (NH4) hingegen ist an organische Bodensubstanz gebunden und wird somit kaum mit dem Sickerwasser verlagert. Ausgewaschenes Nitrat gefährdet durch Eutrophierung verschiedene Ökosysteme und bildet zudem eine Vorstufe von Nitrit, welches auf bestimmte aquatische Organismen, aber auch auf Säuglinge, toxisch wirkt.
Hohe Nitratkonzentrationen im Boden, kombiniert mit wassergefüllten Poren, führen zur Denitrifikation. Dabei wandeln Mikroorganismen Nitrat schrittweise in elementaren Stickstoff (N2) um. In einem Zwischenschritt entsteht Lachgas (N2O), ein Treibhausgas, das 298-mal klimaschädlicher ist als CO2. Bei starkem Nitratüberschuss wird Lachgas nicht vollständig zu N2 reduziert und entweicht in die Atmosphäre.
Gasförmige Stickstoffverluste treten auch als Ammoniak (NH3) auf, vor allem bei der Breitverteilung von flüssigen Wirtschaftsdüngern wie Gülle oder Gärresten. Seit 2025 ist die bodennahe Ausbringung von Gülle auf Grünland vorgeschrieben, der Einsatz von Breitverteilern ist nicht mehr zulässig. Kommt das in der Gülle enthaltene Ammonium mit Luft in Kontakt, entsteht Ammoniak. Sonnige, warme und windige Bedingungen verstärken diesen Prozess. Ammoniak fördert die Eutrophierung, Feinstaubbildung und den Abbau der Ozonschicht.
Um Verluste zu minimieren, sollten Wirtschaftsdünger bodennah und bei kühler, windstiller Witterung ausgebracht werden, idealerweise bei leichtem Regen.
Weiterführende Literatur und Links:
Umweltbundesamt: Stickstoffeintrag aus der Landwirtschaft und Stickstoffüberschuss. https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/stickstoffeintrag-aus-der-landwirtschaft#stickstoffuberschuss-der-landwirtschaft
Projekt GülleBest: Minderung von Ammoniak- und Treibhausgasemissionen und Optimierung der Stickstoffproduktivität durch innovative Techniken der Gülle- und Gärresteausbringung in wachsende Bestände. https://www.guellebest.de/
Forschungsergebnisse aus Norddeutschland bestätigen das große Potential einer grünlandbasierten Milchproduktion in optimierten Weidesystemen. Es wurde gezeigt, dass die Futtererträge und -qualitäten in Norddeutschland vergleichbar sind mit denen aus anderen intensiven Weideregionen wie Irland. Am Beispiel der Weidenutzung in einem Ackerfutterbausystem können bei optimalem Management Futterkosten unter 15 ct/10 MJ NEL realisiert werden (Loges et al., 2019), während diese in Schnittnutzungssystemen bei durchschnittlich ca. 40 ct/10 MJ NEL liegen (Rinderreport 2025). Zusätzlich treten in schnittgenutzten Systemen über die Ernte-, Silier- und Fütterungsverfahren unvermeidbare TM-Verluste bis zu 8 % auf, die bedingt durch Fehlgärungen und aeroben Verderb drastisch steigen können (Köhler et al., 2014), während diese Verluste in optimierten Weidesystemen nicht vorhanden sind, da das Futter in höchster Qualität direkt vom Tier aufgenommen wird.
Beim professionellen Weidemanagement ist es das Ziel, eine möglichst hohe Futteraufnahme pro Tier und somit eine hohe Futternutzungseffizienz zu erreichen. Dabei sollte im Optimalfall die Weidefläche im 3-Blatt-Stadium des Weidelgrases bestoßen werden, da mit der Bildung des vierten Blattes das älteste Blatt in unteren Bestandsschichten abzusterben beginnt. Bei diesen jungen Aufwüchsen weidelgrasbetonter Weiden sind sehr hohe Qualitäten (~ 7 MJ NEL/kg TM) mit hoher Verdaulichkeit der organischen Masse (83 - 85 %) zu erwarten. Weiterhin wird in kurzen Beständen die Triebdichte erhöht und die potentielle Lückenbildung minimiert, wodurch langfristig die Ertragsleistung positiv beeinflusst wird.
Futterangebot und -qualität sind jedoch über den Jahresverlauf starken witterungsbedingten Schwankungen unterworfen. Da diese das Management enorm erschweren, stehen verschiedene Hilfsmittel zur Messung des Grasbestandes zur Verfügung. Sie werden in intensiven Weideregionen bereits standardmäßig eingesetzt: so kann beispielsweise durch wöchentliche Messung der Bestandshöhe mittels Platemeter (Bestandshöhen und –dichtemessgerät) auf den Ertrag der jeweiligen Weidefläche geschlossen werden. Das aktuelle Futterangebot der Betriebsflächen lässt sich anschließend mittels eines Futterkeils (oder ‘Grass-Wedge‘) auswerten.
Wie unter Schnittnutzung ist auch bei der Weidenutzung eine systemische Betrachtungsweise gefordert. Mit dem Ziel möglichst viel Milch aus dem Grundfutter zu erzeugen, ist eine stärkere Fokussierung auf die Grundfutter- oder Flächenleistung (kg ECM/ha) nötig, anstatt der alleinigen Betrachtung der Einzeltierleistung (kg ECM/Tier). Neben dem optimierten Management spielt die betriebliche Situation, wie die Tier- oder Flächenausstattung (Rasse, Arrondierung, Bodenart) eine entscheidende Rolle für eine effiziente Milchproduktion von der Weide.
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