Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Projekt NaBaum der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Zur Halbzeit des vierjährigen Projekts wurden jetzt erste Ergebnisse und die Vorhaben für die kommenden zwei Jahre vorgestellt.
Die Baumschulen im Pinneberger Baumschulland produzieren eine große Vielfalt an Gehölzen für unterschiedliche Einsatzbereiche: von Bäumen für Städte und Gemeinden über Forstgehölze für den Waldumbau bis zu Sträuchern für Gärten, Terrassen und Balkone. Angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen gewinnen geeignete Gehölze weiter an Bedeutung.
Gleichzeitig stehen die Betriebe vor der Herausforderung, ihre Produktion ressourcenschonend, wirtschaftlich und arbeitsorganisatorisch zukunftsfähig auszurichten. Denn nachhaltige Baumschulproduktion umfasst nicht nur den Schutz von Umwelt und Ressourcen. Die eingesetzten Verfahren müssen auch wirtschaftlich tragfähig und unter betrieblichen Bedingungen umsetzbar sein.
Hier setzt das angewandte Versuchswesen an. Im Projekt NaBaum (kurz für „Nachhaltige Baumschulproduktion“) untersucht die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein verschiedene innovative Verfahren unter Praxisbedingungen.
Mulchverfahren zeigen Wirkung
Ein Schwerpunkt liegt auf unterschiedlichen Mulchmaterialien und Mulchverfahren, mit denen der Einsatz von Herbiziden und der Aufwand für manuelle Arbeiten in Containerkulturen sowie auf Freilandflächen verringert werden sollen. Erste Ergebnisse zeigen: Alle 13 untersuchten Mulchvarianten entfalteten in den Containerkulturen eine unkrautunterdrückende Wirkung.
Außerdem werden RTK-gesteuerte Mähroboter erprobt. Sie ermöglichen es, zwischen den Baumreihen bodenschützende Untersaaten anzulegen und zu pflegen. In einem Weihnachtsbaumquartier konnten Weißklee sowie eine Mischung aus Weiß- und Steinklee erfolgreich etabliert werden. Begleitende Untersuchungen zeigten im Jahresverlauf allerdings einen deutlichen Rückgang des verfügbaren Stickstoffs im Boden. Zum Jahresende war eine Erholung der Werte erkennbar.
Weitere Versuche befassen sich mit Robotik und künstlicher Intelligenz. Perspektivisch sollen damit Bestandsdaten während der Fahrt durch die Kulturen erfasst und einzelne Kulturarbeiten automatisiert werden. Die gewonnenen Daten können unter anderem die Kultursteuerung und die Vermarktungsplanung unterstützen. Gleichzeitig können automatisierte Verfahren die Betriebe bei arbeitsintensiven Tätigkeiten entlasten.
Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, erklärt: „Eine Besonderheit des Gartenbaus und der Baumschulwirtschaft ist, dass technische Innovationen häufig zunächst für die Landwirtschaft entwickelt werden. Dort sind die Produktionseinheiten und die potenzielle Marktnachfrage größer. Gartenbau- und Baumschulbetriebe sind daher in besonderem Maße auf Experimentierfreude, die Anpassung bestehender Technik und individuelle Lösungen angewiesen. Das angewandte Versuchswesen im Gartenbauzentrum Ellerhoop schafft dafür eine wichtige Grundlage und erprobt neue Verfahren unter praxisnahen Bedingungen.“
850.000 Euro Förderung durch das Land
Mit einer Förderung von 850.000 Euro ermöglicht das Land Schleswig-Holstein eine deutliche Intensivierung des angewandten Versuchswesens im Projekt NaBaum. Das Projekt ist bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein angesiedelt und läuft zunächst vier Jahre bis Mitte 2028. Mit den Fördermitteln konnte eine Stelle für einen Projektingenieur sowie eine Stelle für eine gärtnerische Fachkraft eingerichtet werden.
Anlässlich der Halbzeitbilanz stellte das Projektteam Birte Glißmann MdL, parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Landtagsfraktion, Dirk Kock-Rohwer MdL, Mitglied des Umwelt- und Agrarausschusses für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie Dr. Frank Schoppa vom Bund deutscher Baumschulen, Landesverband Schleswig-Holstein, die bisherigen Arbeiten und Ergebnisse vor. Frau Glißmann, Herr Kock-Rohwer und Herr Dr. Schoppa hatten sich im Vorfeld für die Förderung des Projekts eingesetzt.
Zu den vor Ort vorgestellten Versuchen gehörten unter anderem Blühstreifen in einem Alleebaumquartier sowie die Unkrautbekämpfung mit Lasertechnik in Saatbeeten der Nordmanntanne. Beim Blühstreifenversuch wird untersucht, welchen Einfluss die zusätzliche Vegetation auf die Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit sowie auf die biologische Vielfalt und das Vorkommen von Nützlingen hat. Darüber hinaus präsentierte das Projektteam die Arbeitsschwerpunkte für die zweite Hälfte der Projektlaufzeit.
Verantwortlich für den Pressetext:
Dr. Laura Maxi Stange
Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
Telefon: 0 43 31-94 53-109, E-Mail: lmstange@lksh.de





