Ein leuchtendes Gelb zieht wieder über die Felder Schleswig-Holsteins: Mit Beginn der Rapsblüte startet eines der prägendsten Naturschauspiele des Frühjahrs. In den kommenden Wochen werden weite Teile der Agrarlandschaft von blühenden Rapsfeldern geprägt sein. Ein vertrautes Bild, das vielerorts den Wechsel in die warme Jahreszeit markiert. Für Spaziergänger und Ausflügler sind die blühenden Felder ein echter Blickfang, für Bienen und andere Insekten zugleich eine wichtige Nahrungsquelle. Je nach Region und Sorte reicht das Entwicklungsstadium aktuell von geschwollenen Knospen bis zu ersten geöffneten Blüten.
Anbaufläche leicht rückläufig im Land
Die Rapsanbaufläche in Schleswig-Holstein ist zur Ernte 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent zurückgegangen und liegt aktuell bei rund 60.100 Hektar.
Besonders in Ostholstein wird die Anbaufläche teilweise reduziert oder Raps in eine weitere Fruchtfolge integriert. Hintergrund ist vor allem der anhaltend hohe Befalls-druck durch den Rapserdfloh sowie die zunehmend schwieriger werdende Bekämpfung.
Bundesweit zeigt sich hingegen ein gegenteiliger Trend: Hier wurde die Rapsfläche um knapp fünf Prozent auf rund 1,14 Millionen Hektar ausgeweitet. Aus ackerbaulicher Sicht ist diese Entwicklung grundsätzlich zu begrüßen, da Raps eine wichtige Funktion in vielfältigen Fruchtfolgen erfüllt.
Deutliche regionale Unterschiede im Bestand
Mit Beginn der Blüte treten die Unterschiede zwischen Sorten und Standorten besonders deutlich hervor. An der Westküste hat der Raps in Lagen mit geringer Schneedecke stärkere Rückfriererscheinungen gezeigt und liegt in der Entwicklung etwa eine Woche hinter begünstigten Standorten zurück.
Auch an den Versuchsstandorten der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Schuby und Loit zeigt sich ein differenziertes Bild: Je nach Sorte befinden sich die Bestände derzeit im Entwicklungsstadium zwischen geschwollenen, gelblich gefärbten Knospen und den ersten geöffneten Blüten (BBCH 59 bis 61).
Im Östlichen Hügelland stellt sich die Situation teilweise kritischer dar. Dort waren die Bestände im Herbst örtlich stärker vom Rapserdfloh befallen und zeigen sich entsprechend uneinheitlicher in ihrer Entwicklung. Eine wesentliche Ursache dafür ist der Befall durch den Rapserdfloh.
Was der Rapserdfloh verursacht
Der Rapserdfloh ist ein wenige Millimeter großer Käfer, der vor allem junge Rapsbestände befällt. Bereits im Herbst verursachen die Käfer typische Lochfraßschäden an den Blättern. Entscheidend für die weitere Entwicklung der Pflanzen ist jedoch die Tätigkeit der Larven: Diese dringen über die Blattstiele in die Pflanzen ein und fressen im Inneren bis in den Haupttrieb.
Durch diesen sogenannten Minierfraß wird das Wachstum der Pflanzen gestört. Der Haupt-trieb kann geschädigt werden, sodass sich die Pflanzen ungleichmäßig entwickeln und Seitentriebe die weitere Entwicklung übernehmen. In der Folge entstehen unruhige Bestände, und die Pflanzen sind insgesamt geschwächt.
Schädlingsdruck beeinflusst Anbauentscheidungen
Der Rapserdfloh bleibt ein prägender Faktor im Rapsanbau. Der Befallsdruck hat in den vergangenen Jahren zugenommen und beeinflusst zunehmend die Anbauentscheidungen in den Betrieben.
Rapsmarkt: Bedeutung für Energie und Futter
Raps ist eng mit dem Energie- und Agrarmarkt verknüpft. Bei einem durchschnittlichen Ertrag von 40 dt/ha und einem Ölgehalt von etwa 40 % entstehen rund 1,7 Tonnen Rapsöl je Hektar.
Etwa 85 % dieses Öls werden für Biodiesel und technische Anwendungen genutzt, nur rund 15 % für Lebensmittel. Der bei der Verarbeitung entstehende Pressrückstand dient nahezu vollständig als eiweißreiches Futtermittel.
Deutschland verarbeitet jährlich rund 9,8 Mio. Tonnen Rapssaat. Davon stammen etwa 44 % aus heimischer Ernte, während rund 56 %, etwa 5,5 Mio. Tonnen, importiert werden, vor allem aus der Ukraine, Australien und Kanada.
Auch an der Tankstelle ist Raps präsent: Diesel enthält in Deutschland bis zu 7 % Biodiesel (B7). Biokraftstoffe leisten damit einen Beitrag zur Erfüllung gesetzlicher Klimaziele und wirken dämpfend auf CO₂-Kosten und Kraftstoffpreise.
Preise unter Einfluss von Energie- und Weltmärkten
Die Preisentwicklung für Raps ist stark vom Rohölmarkt sowie von globalen Pflanzenölmärkten abhängig.
Nach der Ernte 2025 lagen die Preise zunächst bei etwa 460 - 470 €/t. Große Ernten in Kanada, Australien und den Amerikas sowie Handelskonflikte, insbesondere Zölle Chinas auf kanadischen Raps, setzten die Märkte unter Druck.
Seit Anfang 2026 hat sich die Situation gedreht: Steigende Rohölpreise und geopolitische Spannungen im Nahen Osten haben die Nachfrage nach Biodiesel gestärkt. Gleichzeitig sorgte eine Entspannung im Handel zwischen Kanada und China für zusätzliche Marktimpulse.
Mitte April 2026 lag der Erzeugerpreis in Deutschland wieder bei über 480 €/t. Für die kommende Ernte werden derzeit rund 470 €/t geboten.
Hohe Kosten für Dünger, Energie und Betriebsmittel beeinflussen weiterhin die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe.
Raps: wichtig für Landwirtschaft und Verbraucher
Mit Beginn der Blüte gewinnt Raps auch ökologisch an Bedeutung: Die Pflanzen bieten reichlich Nektar und Pollen und sind damit eine wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen und andere Insekten. Der Schutz von Bestäubern hat im Rapsanbau daher einen hohen Stellenwert.
Auch ackerbaulich ist Raps ein wichtiger Bestandteil der Fruchtfolge. Mit seiner tiefreichen-den Pfahlwurzel trägt er zur Bodenlockerung bei und verbessert die Bodenstruktur. Nachfolgende Kulturen profitieren häufig von dieser positiven Vorfruchtwirkung.
Darüber hinaus ist Raps eine vielseitig genutzte Kulturpflanze: Das gewonnene Rapsöl wird als hochwertiges Speiseöl sowie zur Herstellung von Biodiesel und in der Industrie eingesetzt. Das bei der Ölgewinnung entstehende Nebenprodukt dient als eiweißreiches Futtermittel und unterstützt eine stärkere regionale Eiweißversorgung.
Verantwortlich für den Pressetext:
Dr. Laura Maxi Stange
Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
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