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Frauen vernetzen und Perspektiven stärken

Bustour der Landwirtschaftskammer rückt Frauen als Gestalterinnen der Landwirtschaft in den Mittelpunkt ...

Erste Station der Bustour „Frauen in der Landwirtschaft“: Auf dem Hof Hadenfeldt bei Wrohm erhielten die Teilnehmerinnen Einblicke in den landwirtschaftlichen Betrieb. Foto: Dr. Laura Maxi Stange, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Knapp jede dritte Familienarbeitskraft in der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft ist weiblich, doch nur rund zwölf Prozent der Betriebsleitungen und Geschäftsführungen sind weiblich besetzt. Anlässlich des von der UN ausgerufenen Internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft 2026 bringt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein deshalb am heutigen Montag Frauen aus landwirtschaftlicher Praxis, Politik, Verbänden und Beratung zu einer gemeinsamen Bustour zusammen.

Unter dem Motto „Frauen in der Landwirtschaft – gemeinsam unterwegs, gemeinsam Zukunft gestalten“ führt die Tour zu drei Betrieben im Westen Schleswig-Holsteins. Deren Betriebsleiterinnen berichten von Hofnachfolge, Verantwortung im Familienbetrieb, Vereinbarkeit und der Entwicklung neuer Betriebszweige. Die Stationen liefern damit den praktischen Ausgangspunkt für Gespräche während der Fahrt und auf den Höfen. Ziel ist es, Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und unterschiedliche Wege in der Landwirtschaft sichtbar zu machen. Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg hat die Schirmherrschaft übernommen und begleitet die Tour zeitweise.

„Frauen leisten auf den Höfen jeden Tag einen wesentlichen Beitrag. Sie führen Betriebe, entwickeln neue Betriebszweige und halten Familien, Teams und Unternehmen zusammen. Dennoch sind ihre Leistungen und ihre Verantwortung häufig weniger sichtbar, als sie es verdienen. Mit dieser Bustour schaffen wir Raum für Begegnung, Austausch und neue Verbindungen“, sagt Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

Drei Frauen und drei unterschiedliche Wege

Die besuchten Betriebe stehen beispielhaft für unterschiedliche Wege in die Landwirtschaft. Hella Hadenfeldt hat den elterlichen Milchviehbetrieb in Wrohm 2020 übernommen und führt ihn gemeinsam mit ihrem Mann. Auf dem Betrieb mit 240 Milchkühen und rund 200 Hektar verantwortet sie unter anderem Büro und Herdenmanagement. Ihre Ausbildung zur Bankkauffrau und ihre spätere Tätigkeit in der landwirtschaftlichen Beratung helfen ihr heute bei der Betriebsführung. Statt weiter zu wachsen, setzt der Betrieb auf Qualität und die bestehende Größe. Ein kleiner Verkaufsstand mit eigenem Käse, Eis und Snacks schafft einen Anlaufpunkt für die Umgebung. Familie, Beschäftigte und die ältere Generation arbeiten eng als Team zusammen. Das gibt Rückhalt, und unterstützt bei der täglichen Herausforderung Betriebsleitung und Familienleben zu verbinden. Hella Hadenfeldts Rat an andere Frauen: „Erst einmal anfangen – dann ergeben sich immer weitere Möglichkeiten.“

Alina Hansen-Bock hatte ursprünglich geplant, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Als darüber keine Einigung erzielt werden konnte, musste sie diese Perspektive loslassen und ihren Weg neu ausrichten. 2022 zog sie auf den Hof ihres Mannes Folke Hansen in Neuenkirchen. In einem Familienbetrieb, der nicht ihr eigener ist, einen Platz und eine eigenständige Rolle zu finden, war ein wichtiger Entwicklungsschritt. Heute ist sie dort gut angekommen, wird von der Familie unterstützt und hat sich im Herdenmanagement einen eigenen Verantwortungsbereich aufgebaut. Gleichzeitig arbeitet sie in der Ausbildungsberatung für die Grünen Berufe bei der Landwirtschaftskammer. Auf dem Milchviehbetrieb mit rund 200 Kühen und 250 Hektar engagiert sie sich zudem für das Schulklassenprojekt, das jährlich etwa zehn bis 15 Klassen erreicht. Anderen Frauen möchte sie mitgeben: „Einfach machen, sich durchsetzen und den eigenen Weg gehen. Wir dürfen uns selbst ruhig mehr zutrauen – auch wenn es sich anfangs noch nicht so anfühlt.“

Urte Meves wiederum hat den Meves-Hof in Eddelak zu einem Ort der Sozialen Landwirtschaft mit vielfältigen Angeboten entwickelt. Sie übernahm den elterlichen Betrieb 2004 in fünfter Generation und betrieb ihn vorerst im Nebenerwerb. Bereits während ihrer Tätigkeit in einer psychosozialen Einrichtung begann sie, Landwirtschaft und soziale Arbeit miteinander zu verbinden. Seit ihrer Ausbildung zur Bauernhofpädagogin 2013 baute sie ihre Angebote auf dem Hof aus.Heute besuchen fast täglich Menschen aller Altersgruppen den Hof – ob Kinder und Jugendliche, Kitas und Schulklassen oder Menschen mit Beeinträchtigungen oder Demenz. Ein neues Angebot ist „Fit auf dem Bauernhof“. Besonders erfüllt es Urte Meves, praktisch auf dem Hof arbeiten zu können und dabei die Dinge zu verbinden, die sie liebt: Die Arbeit mit Mensch und Tier. Sie engagiert sich in Arbeitskreisen und hat am Green-Care-Lehrgang der Landwirtschaftskammer teilgenommen. Unterstützt wird Meves unter anderem von einer FÖJ-Kraft, einer Mitarbeitenden und fünf Ehrenamtlichen. Ihr Rat an andere Frauen lautet: „Fang einfach an. Mach, was du liebst – dann wird es gut werden.“

Vernetzung als Grundlage für neue Schritte

So verschieden die Wege der drei Betriebsleiterinnen sind, ihre Botschaften ähneln sich: anfangen, den eigenen Fähigkeiten vertrauen und den persönlichen Weg konsequent weitergehen. Genau hier setzt die Bustour an. Sie bietet Frauen einen geschützten Rahmen, um offen über Hofnachfolge, Rollen in Familienbetrieben, Vereinbarkeit, unternehmerische Entscheidungen und neue Einkommensmöglichkeiten zu sprechen. So kommen Frauen miteinander ins Gespräch, die vor ähnlichen Fragen stehen oder bereits eigene Lösungswege entwickelt haben.

Die Landwirtschaftskammer begleitet diese Themen mit Beratung, Weiterbildung und Vernetzungsangeboten. Dazu zählen unter anderem das Coaching für Unternehmerinnen und die Beratung zu Einkommenskombinationen. Diese reichen von Direktvermarktung über Bauernhofcafés, Hofgastronomie und Urlaub auf dem Bauernhof bis zu Bauernhofpädagogik, Angeboten für Schulklassen und Green Care. Im Mittelpunkt steht jeweils die Frage, welche Konzepte zum Betrieb, zu den beteiligten Menschen und zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen.

„Eine zukunftsfähige Landwirtschaft braucht die Erfahrungen, Ideen und Entscheidungen von Frauen. Vernetzung hilft dabei, voneinander zu lernen, Mut für neue Schritte zu gewinnen und die eigene unternehmerische Rolle zu stärken“, betont Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

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