Während insbesondere in Teilen Süddeutschlands erhebliche Ertragsausfälle zu verzeichnen sind, liegen die Erträge in Schleswig-Holstein insgesamt noch halbwegs im Bereich des langjährigen Mittels. Je nach Region und Bodengüte fallen die Ergebnisse allerdings sehr unterschiedlich aus. Eine erste Bilanz zur Ernte 2026 haben Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg, das Statistikamt Nord, die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und der Bauernverband Schleswig-Holstein heute (24. August) auf dem Betrieb Isarnho Farms in Gettorf vorgestellt.
Auch in Schleswig-Holstein waren die Bedingungen für die Landwirtschaft alles andere als einfach: Eine durch Nässe erschwerte Herbstbestellung und eine verzögerte Entwicklung der Pflanzen trafen im weiteren Jahresverlauf auf zu geringe Niederschläge und hohe Temperaturen. Die gut gefüllten Bodenwasservorräte aus dem nassen Herbst sowie der Regen im Juni halfen jedoch, die Folgen von Trockenheit und Hitze abzumildern. Entscheidend für die Erträge waren vor allem Standort und Bodengüte: Während auf guten Standorten teilweise gute Erträge erzielt wurden, litten insbesondere leichtere Böden unter Trockenheit und hohen Temperaturen. Hinzu kamen regional schwere Unwetter im Juli.
Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg: „Dieses Erntejahr hat unseren Landwirtinnen und Landwirten viel abverlangt. Dass unter diesen schwierigen Bedingungen auf vielen Standorten dennoch ordentliche Erträge erzielt werden konnten, ist keine Selbstverständlichkeit und verdient Anerkennung. Gleichzeitig zeigt die Ernte erneut, wie stark sich Wetterextreme auf die Landwirtschaft auswirken können. In Zeiten zunehmender Witterungsrisiken geht es deshalb vor allem darum, Erträge langfristig zu sichern. Ein entscheidender Schlüssel dafür sind gesunde und widerstandsfähige Böden, die Wasser besser aufnehmen und speichern können. Mit unserem Kompetenzzentrum für klimaeffiziente Landwirtschaft fördern wir deshalb unter anderem das Projekt ‚Klimafitte Böden‘. Gleichzeitig wird die betriebliche Risikoabsicherung immer wichtiger. Deshalb setzen wir uns beim Bund weiterhin für die Einführung einer steuerlichen Risikoausgleichsrücklage ein.“
Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein: „Wir ziehen für die Ernte 2026 eine sehr unterschiedliche Bilanz: Während die Wintergerste vielerorts mit überdurchschnittlichen Erträgen und guten Qualitäten überzeugt, bleiben die Erträge beim Raps häufig unter 40 Dezitonnen je Hektar. Auch beim Weizen zeichnet sich insgesamt ein eher unterdurchschnittliches Ertragsniveau ab. Die Proteingehalte sind überwiegend gut, die Hitze im Juni hat jedoch teilweise zu schwächeren Hektolitergewichten geführt. Gleichzeitig belasten schwache Erzeugerpreise und weiterhin hohe Produktionskosten die wirtschaftliche Lage der Betriebe. Aktuell werden bei Lieferung frei Handel rund 205 Euro je Tonne für B-Weizen, 187 Euro für Futterweizen, 185 Euro für Gerste und etwa 510 Euro für Raps gezahlt. Damit gibt es in diesem Jahr nicht die eine Erntebilanz für Schleswig-Holstein: Erträge, Qualitäten und wirtschaftliche Ergebnisse unterscheiden sich deutlich nach Kultur und Region. Mit unserem unabhängigen Versuchswesen, der Sortenprüfung, praxisnaher Beratung und regelmäßigen Marktinformationen unterstützen wir als Landwirtschaftskammer die Betriebe dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen.“
Klaus-Peter Lucht, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein: „Die Ernte 2026 zeigt erneut, wie stark die Landwirtschaft von Wetter, regionalen Gegebenheiten und politischen Rahmenbedingungen abhängig ist. Schleswig-Holstein ist vergleichsweise gut durch die Trockenheit gekommen, dennoch haben Hitze und fehlende Niederschläge deutliche Spuren hinterlassen. Besonders bei Raps und auf leichteren Standorten beim Winterweizen sind Ertragseinbußen zu verzeichnen. Für die Betriebe ist die wirtschaftliche Situation angespannt. Erneute niedrige Erträge im Winterraps und teilweise unbefriedigende Erzeugerpreise für Wintergerste und Winterweizen treffen auf weiterhin hohe Betriebskosten – insbesondere für Diesel und Dünger. Die gestiegenen Kosten können die Landwirte nicht einfach an die Verbraucher weitergeben. Somit schmälern diese spürbar das Betriebsergebnis. Zudem führen geringere Erträge im Grünland und im Mais bei den Milchviehhaltern und Bullenmästern zu zusätzlichem Futterbedarf und damit zu weiteren Kosten. Für viele Betriebe bedeutet das: Mehr Aufwand und höhere Kosten bei gleichzeitig sinkenden Erlösen. Unsere Betriebe brauchen mehr Handlungsspielraum, um auf veränderte Wetterbedingungen reagieren zu können, und vor allem langfristig verlässliche politische Rahmenbedingungen. Wer Ernährungssicherheit und regionale Lebensmittelproduktion sichern will, muss den landwirtschaftlichen Betrieben auch eine wirtschaftliche Perspektive geben.“
Zahlen und Fakten zur Getreideernte 2026 in Schleswig-Holstein:
Nach den vorläufigen Angaben des Statistikamts Nord wurde in diesem Jahr auf rund 278.600 Hektar Getreide (ohne Körnermais und Corn-Cob-Mix) angebaut – rund 7.000 Hektar weniger als im Vorjahr (286.000 Hektar). Die Gesamterntemenge wird bei knapp 2,2 Millionen Tonnen liegen, rund 224.000 Tonnen weniger als 2025.
Winterweizen bleibt die bedeutendste Getreideart. Auf einer zum Vorjahr um 7 Prozent verringerten Fläche von 126.300 Hektar wurden rund 1,06 Millionen Tonnen geerntet – rund 14 Prozent weniger als im Vorjahr und 15 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Beim Winterweizen zeigten sich deutliche Standortunterschiede. Auf besseren Böden wurden gute Erträge erzielt, die nur leicht unter den Durchschnittswerten der Vorjahre lagen. Leichtere Standorte litten dagegen stärker unter Trockenheit und Hitze während der Kornfüllungsphase. Der durchschnittliche Ertrag wird bei voraussichtlich 83,5 dt/ha liegen und damit um 8 Prozent niedriger als 2025.
Wintergerste wurde auf 72.800 Hektar angebaut. Damit stieg die Wintergerstenfläche um 3.000 Hektar, das sind 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einem Hektarertrag von voraussichtlich rund 85,7 dt/ha (minus 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr) brachte die Wintergerste landesweit noch vergleichsweise gute Ergebnisse und liegt mit rund zwei Dezitonnen pro Hektar über dem Ertrag des Winterweizens. Die Gesamternte von knapp 624.000 Tonnen liegt etwas über dem Niveau des Vorjahres und leicht über dem langjährigen Durchschnitt (plus 3 Prozent).
Für Roggen (einschließlich Wintermenggetreide) konnte eine Erntemenge mit 211.000 Tonnen ermittelt werden, ein Minus von 17 Prozent gegenüber 2025.
Sommergetreide wie Hafer, Sommerweizen und Sommergerste bringt zusammen voraussichtlich 244.200 Tonnen (minus 6 Prozent), bedingt durch die etwas geringere Anbaufläche (minus 2 Prozent) sowie einen insgesamt niedrigeren Ertrag von 61,6 dt/ha (minus 4 Prozent gegenüber 2025).
Deutlich schwieriger fiel die Ernte beim Winterraps aus. Insbesondere auf leichteren Standorten und im Süden des Landes liegen die Erträge teilweise bis zu 25 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Auch die Ölgehalte liegen unter den langjährigen Durchschnittswerten. Neben Trockenheit und hohen Temperaturen wirkten sich Schaderreger wie Rapserdfloh und Kohlschotenmücke ertragsmindernd aus. Als drittwichtigste Marktfrucht konnten bei weiter sinkender Rapsanbaufläche von rund 61.000 Hektar nach vorläufigen Zahlen 208.400 Tonnen Raps geerntet werden, ein deutliches Minus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 23 Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt. Winterraps erreichte mit 34,2 dt/ha einen gegenüber 2025 um 10 Prozent niedrigeren Ertrag.
Abschließend betonte Schmachtenberg: „Trotz der zuletzt wiederholt schwierigen Anbaujahre ist unsere Landwirtschaft leistungsstark und zukunftsfähig. Damit das so bleibt, müssen wir gemeinsam daran arbeiten, Erträge und Qualitäten auch unter veränderten klimatischen Bedingungen langfristig zu sichern.“
Verantwortlich für den Pressetext:
Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz (MLLEV), Jana Ohlhoff, Tel.: +49 431-988 7158, E-Mail: pressestelle@mllev.landsh.de
Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Dr. Laura Maxi Stange, Tel.: 04331 – 9453 109, E-Mail:lmstange@lksh.de
Bauernverband Schleswig-Holstein, Maike Schwerdtfeger, Tel.: +49 4331 - 12 7729, E-Mail: m.schwerdtfeger@bvsh.net


