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Soziale Landwirtschaft: Neue Angebote auf Höfen schaffen Teilhabe

EIP-Projekt „Green Care“ abgeschlossen: Landwirtschaftskammer stellt Ergebnisse vor und überreicht Zertifikate

 

Gemeinsam für die Soziale Landwirtschaft: Die am EIP-Projekt ,Green Care" beteiligten landwirtschaftlichen Betriebe und Projektpartner sowie Kammerpräsidentin Ute Volquardsen (li.) kamen zum Projektabschluss auf dem Hof Ehlers in Hasenmoor zusammen. Fotos: Dr. Laura Maxi Stange

Erfolgreicher Lehrgangsabschluss: Die Absolventinnen des fünften Lehrgangs ,Soziale Landwirtschaft" freuen sich über ihre Zertifikate. Gemeinsam mit ihnen: Maria Nielsen, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (2 v. li.), und Kammerpräsidentin Ute Volquardsen (li.).

Ein neues Wohnangebot für Menschen mit Assistenzbedarf, vier Höfe mit anerkannten Betreuungsangeboten und praktische Erfahrungen für den Aufbau eines neuen Betriebszweigs: Das dreijährige EIP-Projekt „Green Care“ zeigt, wie Soziale Landwirtschaft auf unterschiedlichen Höfen umgesetzt werden kann. Bei der Abschlussveranstaltung auf Hof Ehlers in Hasenmoor stellte die Projektgruppe vor rund 65 Gästen ihre Ergebnisse vor. Zugleich überreichte Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, den 15 Absolventinnen des fünften Qualifizierungslehrgangs „Green Care – Soziale Angebote auf Bauernhöfen“ ihre Zertifikate.

Green Care verbindet landwirtschaftliche Erzeugung mit sozialer und pädagogischer Arbeit. Dazu gehören beispielsweise Beschäftigungsangebote für Menschen mit Assistenzbedarf, die Betreuung älterer Menschen oder Wohnangebote auf landwirtschaftlichen Betrieben. Für die Höfe kann daraus eine zusätzliche Einkommensquelle entstehen. Zugleich schaffen solche Angebote Möglichkeiten für Teilhabe und Betreuung im ländlichen Raum.

Zehn Höfe erproben Soziale Landwirtschaft
Wie können soziale Angebote auf unterschiedlichen landwirtschaftlichen Betrieben funktionieren? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, und wie lässt sich dar-aus ein tragfähiger Betriebszweig entwickeln? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das EIP-Projekt „Green Care“. Zur Projektgruppe gehörten zehn landwirtschaftliche Betriebe, der Maschinenring Mittelholstein, die wissenschaftliche Begleitung durch PETRARCA e. V. (Europäische Akademie für Landschaftskultur e. V.) am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaft der Universität Kassel und die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein als Projektleitung. Die beteiligten Höfe bilden verschiedene Betriebstypen ab, vom Milchvieh- und Ackerbaubetrieb bis zu Betrieben mit Schweine- oder Rindermast.

Auf einem der Höfe entstand ein Wohnangebot für zwei Menschen mit Assistenzbedarf. Die Planungen für zwei größere Wohnprojekte auf weiteren Höfen wurden vorangebracht. Vier Betriebe erhielten eine Anerkennung nach der Alltagsförderungsverordnung. Drei Betriebe haben Arbeitsangebote für Menschen mit Behinderung geschaffen. Damit können sie stundenweise Betreuung für Hofgäste mit Pflegebedarf über deren Pflegekassen abrechnen. Auch die praktische Arbeit auf den Höfen war Thema: Die Projektgruppe erprobte und bewertete landwirtschaftliche Geräte für die Nutzung durch Menschen mit Behinderungen, darunter eine elektrisch betriebe-ne Schubkarre.

„Soziale Landwirtschaft eröffnet Betrieben neue Möglichkeiten und schafft zugleich Angebote, die Menschen im ländlichen Raum zugutekommen. Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen aber auch: Damit gute Ideen im Betriebsalltag ankommen, brauchen die Höfe fachliche Begleitung und passende Partner“, sagte Kammerpräsidentin Ute Volquardsen. Sie dankte den beteiligten Betrieben und Projektpartnern sowie der Europäischen Union und dem Land Schleswig-Holstein für die Förderung des Projekts.

Erfahrungen weitergeben und Angebote fortführen
Die Umsetzung sozialer Angebote braucht Zeit und Fachwissen. Die Betriebe müssen klären, wie sich neue Aufgaben in den Hofalltag einfügen, welche Bedürfnisse die Menschen mitbringen und welche rechtlichen Anforderungen und Finanzierungswege zu berücksichtigen sind. Die Erfah-rungen der zehn Projekthöfe sollen anderen Betrieben den Einstieg erleichtern. Die beteiligten Höfe sind bereit, ihr Wissen weiterzugeben; für den weiteren Austausch ist ein Arbeitskreis g-plant.

Das entstandene Wohnangebot wird über das Projektende hinaus fortgeführt, die beiden weiteren Wohnprojekte werden weiter geplant. Auch stundenweise Betreuung, inklusiver Bauernhofurlaub und inklusive Bauernhofkindergärten werden auf den beteiligten Höfen verfolgt. Nach Einschätzung der Projektleitung übersteigt die Nachfrage derzeit das vorhandene Angebot. Sie sieht zudem Potenzial in der Zusammenarbeit landwirtschaftlicher Betriebe mit sozialen Trägern.

Ein weiteres Projektziel war es, Qualitätskriterien für eine mögliche Zertifizierung von Green-Care-Angeboten zu erarbeiten. Dabei zeigte sich, wie stark sich die Höfe, ihre Angebote und die Bedürfnisse der Menschen unterscheiden, die sie nutzen. Eine einheitliche Zertifizierung der Hofangebote erwies sich vor diesem Hintergrund als schwierig und wurde von den befragten Höfen nicht gewünscht. Die wissenschaftliche Begleitung stellte diese Erkenntnisse bei der Abschlussveranstaltung vor.

15 Absolventinnen schließen Qualifizierungslehrgang ab
Neben dem Projektabschluss stand die Qualifizierung neuer Anbieterinnen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die 15 Absolventinnen des fünften Lehrgangs „Green Care – Soziale Angebote auf Bauernhöfen“ erhielten ihre Zertifikate von Kammerpräsidentin Ute Volquardsen.
 

Mit dem Lehrgang erwerben die Absolventinnen das Fachwissen, um Betreuungs- und Unterstützungsangebote für Menschen mit Pflegebedarf auf ihren Höfen aufzubauen. Die Qualifizierung bildet eine Voraussetzung für die Anerkennung dieser Angebote nach der Alltagsförderungsverordnung und damit für die Abrechnung entsprechender Leistungen über die Pflegekassen. Die Weiterbildung umfasst 14 Lehrgangstage; ein großer Teil findet auf sechs Höfen statt, die bereits in der Sozialen Landwirtschaft tätig sind.
 

Die Teilnehmerinnen beschäftigen sich unter anderem mit Angeboten für Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Demenz. Weitere Inhalte sind betriebliche und rechtliche Grundlagen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Marketing sowie Wissen über Betreuung und die Bedürfnisse der künftigen Hofgäste. Auf ihren eigenen Betrieben konnten die Teilnehmerinnen Angebote praktisch erproben. Die Erkenntnisse aus dem EIP-Projekt sind in die Weiterentwicklung des Lehrgangs eingeflossen.

Im Jahr 2027 wird die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein den Lehrgang erstmals auch in Kooperation mit den Landwirtschaftskammern in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen an-bieten. In Schleswig-Holstein findet er ebenfalls wieder statt.

Hof Ehlers zeigt Green Care im Betriebsalltag
Wie Landwirtschaft und soziale Angebote zusammenwirken, konnten die Gäste bei einer barrierearmen Hofführung auf dem gastgebenden Demeter-Hof Ehlers erleben. Der Betrieb praktiziert Soziale Landwirtschaft seit mehr als 60 Jahren und brachte diese Erfahrung als Projektpartner ein. Geschäftsführer Philipp Steenbock stellte vor, wie Wohnen, Arbeitsplätze und Sozialtherapie mit der landwirtschaftlichen Arbeit verbunden sind.
 

Auf rund 130 Hektar Wirtschaftsfläche betreibt Hof Ehlers unter anderem Mutterkuhhaltung, Gänse- und Schweinemast, Legehennenhaltung sowie Getreide- und Gemüsebau. Zum Betrieb gehören zudem eine Bäckerei, ein Hofladen, ein Hofcafé und Marktstände in Hamburg. Insgesamt sind auf dem Hof rund 100 Menschen mit und ohne Assistenzbedarf beschäftigt.

Hintergrund: Die Europäische Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-Agri) bringt landwirtschaftliche Praxis und Forschung zusammen, um neue Lösungen für die Landwirtschaft zu entwickeln und zu erproben. Das Projekt „Green Care“ wurde von der Europäischen Union und dem Land Schleswig-Holstein gefördert.

Beratung und weitere Informationen
Landwirtschaftliche Betriebe, die soziale Angebote entwickeln möchten oder sich für den Qualifizierungslehrgang interessieren, können sich an Maria Nielsen bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wenden.
Maria Nielsen
Telefonnummer:  04331-9453-225
mnielsen@lksh.de

Die Pressemitteilung als PDF-Datei

www.lksh.de/beratung/beratung-in-einkommenskombinationen/beratung-green-care-soziale-angebote-auf-dem-bauernhof
https://www.lksh.de/landleben/land-erleben-geniessen/greencare-soziale-angebote-auf-dem-bauernhof

 

Die beteiligten Projekthöfe

Name des Hofes

Ansprechpartner

Anschrift

Straße

Kreis

Gut Hohenhain

Burkhard von Langendorff

24229 Schwedeneck

Eckernförder Str. 61

Rendsburg-Eckernförde

Hof Ehlers

Sabine Steenbock

24640 Hasenmoor

Dorfstr. 28

Segeberg

Hof Gawrisch

Bernd Gawrisch

25704 Bargenstedt

Dellbrück 12

Dithmarschen

Hof Koxbüll

Anne Wiencke

24852 Süderhackstedt

Koxbüll 7

Schleswig-Flensburg

Hof Mahrt-Thomsen

Jürgen Mahrt-Thomsen

24361 Damendorf

Redderbek 4

Rendsburg-Eckernförde

Hof Schorr

Sina Schorr

23858 Feldhorst

Havighorst 25

Stormarn

Hof Frowähr

Anke Zimmermann

25876 Wisch

Frowähr 9

Nordfriesland

Hof Thun

Nils Thun

24594 Tappendorf

Dorfstr. 7

Rendsburg-Eckernförde

Meves Hof

Urte Meves

25715 Eddelak

Diekshörn 7

Dithmarschen

Vorwiesenhof Schlichting

Charlotte Schlichting

23560 Lübeck

Vorwiesenhof 8

Lübeck

Maschinenring Mittelholstein

Uwe Reimers

24819 Nienborstel

Dorfstraße 14 a

Rendsburg-Eckernförde

Verantwortlich für den Pressetext: 
Dr. Laura Maxi Stange Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein 
Telefon: 0 43 31-94 53-109, E-Mail: lmstange@lksh.de