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Landwirtschaftskammer zeichnet beispielhafte Tierhalter aus

Hightech im Kuhstall und namhafte Sportpferde: Kammerpräsidentin Uter Volquardsen überreichte die Preise in einem feierlichen Rahmen.

Inken, Friederike, Andreas und Melf Hansen nehmen den Kammerehrenpreis für beispielhafte Innovationen in der Tierhaltung von Präsidentin Ute Volquardsen entgegen (v.l.).

Familie Dölling mit Ute Volquardsen (3.v.r.) und dem geschäftsführenden Vorstand des Trakehnerverbandes Lars Derlin (m). Fotos: Isa-Maria Kuhn, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat zwei ganz besondere Tierhalter ausgezeichnet. Die diesjährigen Preishalter vereint, dass sie Wirtschaftlichkeit mit einem hohen Maß an Tierwohl kombinieren. Ute Volquardsen, Kammerpräsidentin, hat die Preise vergeben an:

Hansen Freiheit GbR
(Inken und Andreas sowie die Kinder Melf und
Friederike Hansen)
Grenzstraße 5
24994 Jardelund (Schleswig-Flensburg)

und

Antonia Döllner
Moholz 3
24809 Nübbel (Rendsburg-Eckernförde)

Bei den Feierlichkeiten auf den Betrieben sagte sie: „Es ist mir eine große Freude, auch in diesem Jahr zwei Betriebe auszeichnen zu dürfen, die auf ganz unterschiedliche Weise zeigen, was erfolgreiche Tierhaltung ausmacht: Fachwissen, Offenheit für Neues, Verantwortungsbewusstsein und vor allem sehr viel Leidenschaft für die eigenen Tiere. Wenn wir in den vergangenen Jahren über die Zukunft der Tierhaltung gesprochen haben, standen häufig Begriffe wie Tierwohl, Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Akzeptanz oder der Umbau der Tierhaltung im Mittelpunkt.

All diese Themen haben nichts von ihrer Bedeutung verloren.“ Heute setzte sie jedoch einen anderen Schwerpunkt, und zwar eine veränderte Arbeitswelt mit Digitalisierung, Sensorik, Automatisierung und zunehmend auch künstliche Intelligenz. Im Milchviehstall können mittlerweile zahlreiche Daten zu Milchleistung, Wiederkauaktivität, Bewegung oder Tiergesundheit erfasst und ausgewertet werden. Automatische Melksysteme und moderne Herdenmanagementprogramme sind auf vielen Betrieben längst Alltag. Auch in der Pferdehaltung und Pferdezucht spielen insbesondere moderne Diagnostik, aktuelle Biotechnologien sowie die digitale Erfassung von Leistungsdaten eine immer größere Rolle.

Aber bei aller Technik dürfe man eines nicht vergessen, so die Präsidentin, am Ende stehe immer das einzelne Tier. Kein Computer und keine App ersetzten das geschulte Auge eines guten Tierhalters. Technik könne zwar Hinweise geben, Veränderungen früher sichtbar machen, Arbeitsabläufe erleichtern und Entscheidungen unterstützen. Aber erkennen, einordnen und richtig handeln müsse am Ende immer noch der Mensch. Vielleicht liegt genau darin eine der großen Aufgaben für die Tierhaltung der Zukunft: das Beste aus zwei Welten miteinander zu verbinden.

Volquardsen weiter: „Manchmal sind es gerade die vermeintlich kleinen Veränderungen, die einen großen Unterschied machen: ein besserer Stallbereich, ein veränderter Arbeitsablauf, eine konsequentere Tierbeobachtung, eine neue Lösung bei Fütterung oder Haltung oder einfach die Bereitschaft, etwas auszuprobieren und anschließend ehrlich zu bewerten, ob es funktioniert.“ Genau deshalb ist uns dieser Ehrenpreis als Landwirtschaftskammer wichtig.

Wir wollen nicht den größten oder den modernsten Betrieb auszeichnen. Wir wollen Betriebe in den Mittelpunkt stellen, die beispielhafte Lösungen für ihre Tiere und für ihren eigenen Betrieb entwickeln - Lösungen, die auch anderen Tierhalterinnen und Tierhaltern Anregungen geben können.

Der Milchviehbetrieb Hansen Freiheit GbR
Vorausschauendes Denken prägt die Entwicklung des Betriebes, hieß es bei der Begründung für den Ehrenpreis. So wurde die Güllelagune rund 130 Meter vom „neuen“ Kuhstall entfernt gebaut. Das galt als weite Entfernung. Doch zwei Stallanbauten innerhalb einer Generation, ist der Betrieb an der Lagune angekommen. „Manchmal braucht es eben Vorstellungskraft“, so Ute Volquardsen. Diese Haltung ziehe sich durch die gesamte Betriebsentwicklung. Bereits 2011 hat sich der Betrieb am Aufbau einer Gesellschaft zur Verlegung von Glasfaser beteiligt. Heute wissen wir: Moderne Ställe mit Melkrobotern, Sensorik und vernetzter Technik funktionieren ohne eine leistungsfähige Internetverbindung kaum noch. Auch bei der Vermarktung wollte der Hof das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Gemeinsam mit anderen Be-trieben wurde die Milcherzeugergemeinschaft Ladelund gegründet, deren Geschäftsführer Andreas Hansen bis heute ist. Ziel war und ist es, gemeinsam flexibler am Markt agieren zu können. Heute werden große Teile der Milch mit besonderen Qualitäts- und Tierwohlstandards vermarktet.
 

Stillstand ist Rückschritt - diese Haltung merkt man dem Betrieb an. Nahezu jeder größere technische Entwicklungsschritt hat auch die Leistung des Betriebes weiter vorangebracht - vom Einstieg in das automatische Melken über die Weiterentwicklung der Stalltechnik bis hin zum neuen Futtermischwagen. Heute liegt die Milchleistung bei über 12.700 Kilogramm je Kuh (9.763 im Schnitt in SH).

Dabei ist Technik nie Selbstzweck. Sie muss zu den Tieren und zum Betrieb passen und einen konkreten Nutzen bringen. Genau darin liegt eine der Stärken: Neues ausprobieren, die Ergebnisse beobachten und dann konsequent weiterentwickeln.

Besonders bemerkenswert sei laut Ute Volquardsen, wie der Übergang in die nächste Generation gestaltet wird: „Mit der Gründung der Hansen Freiheit GbR und dem Einstieg Ihrer Kinder haben Sie frühzeitig die Weichen gestellt. Dabei geht es Ihnen nicht darum, den nächsten Entwicklungsschritt allein vorzugeben. Ihre Kinder sollen und dürfen die Zukunft des Betriebes selbst mitgestalten.

Dass dabei unterschiedliche Vorstellungen aufeinandertreffen, ist völlig normal. Sie haben da-für eine ganz einfache, aber wirkungsvolle Routine gefunden: Sie setzen sich als Familie regel-mäßig zum Frühstück zusammen und besprechen in Ruhe die nächsten strategischen Ent-scheidungen. Gerade bei Hofübergaben erleben wir als Landwirtschaftskammer immer wieder, wie herausfordernd der Übergang zwischen den Generationen sein kann. Umso mehr gefällt mir Ihre Haltung: Einen Hof bekommt man anvertraut. Man besitzt ihn eine Zeit lang, um ihn schließlich an die nächste Generation weiterzugeben.“

Der Pferdezuchtbetrieb Antonia Döllner
Diese Leidenschaft für Pferde und insbesondere für den Trakehner hat bei Antonia Döllner schon früh begonnen. Als ungefähr 16-Jährige hat die Bayerin während eines Ostseeurlaubs mit einer Freundin das Gestüt Panker im Kreis Plön besucht und sich ein Trakehner Pferd ge-kauft. Sie absolvierte dort später ihre Ausbildung zur Pferdewirtin. Eine zweite Ausbildung mit dem Schwerpunkt Reiten schloss sie mit der Stensbeck-Auszeichnung ab. (Die Stensbeck-Plakette ist eine Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) für herausragende Leistungen in der klassischen Reitausbildung von Pferdewirten und Pferdewirtschaftsmeistern.) Heute ist Döllner Pferdewirtschaftsmeisterin und bildet selbst Pferdewirte aus.

Seit 2007 bewirtschaftet sie Hof Moholz und von Anfang an hatte sie eine klare Vorstellung: Pferde in Einzelboxen zu halten und ihnen gleichzeitig möglichst viel Bewegung, Auslauf und Weidegang zu ermöglichen. Heute finden hier bis zu 45 Pferde Platz. Die Philosophie: Nicht jedes Pferd muss sich dem System anpassen – das System muss sich an das jeweilige Pferd anpassen. Die Tiere kommen täglich mehrere Stunden auf die Weide oder in den Auslauf. Ein-streu und Betreuung werden individuell angepasst, Heu steht möglichst zur freien Verfügung. Das ist pferdegerecht, aber auch zeitintensiv. Zwei Galoppbahnen schaffen zusätzliche Bewegungs- und Trainingsmöglichkeiten. Darüber hinaus ist Antonia Döllner Mitglied im Trakehner Verband, Zuchtrichterin und seit 2017 Vorsitzende des Zuchtbezirks Schleswig-Holstein/Hamburg und sie engagiert sich im Gesamtvorstand und im Zuchtausschuss.

Züchterisch geht sie bewusst eigene Wege. In diesem Jahr wurden zwei Fohlen aus Anpaarungen mit Anglo-Araber-Hengsten geboren. Das Ziel ist es, Vielseitigkeitspferde zu züchten. Das ist mutig, denn solche Pferde sind als Fohlen nicht immer einfach zu vermarkten. Im Zweifel zieht der Betrieb diese selber auf, und übernimmt die Grundausbildung und sucht später einen passenden Reiter.

Antonia Döllner hat ein gutes Auge für die Zucht. Besonders hervorzuheben ist das Pferd „Höhenflug TSF“, das mit Vielseitigkeitsreiter Andreas Ostholt (zweimaliger Gewinner des Deutschen Meistertitels, 2011 und 2015, sowie ein neunter Platz bei den Weltreiterspielen in Caen 2014) bis in internationale Vier-Sterne-Prüfungen erfolgreich war. 2021 erhielt sie als seine Züchterin die Dr.-Fritz-Schilke-Gedächtnisplakette für das erfolgreichste Trakehner Vielseitigkeitspferd des Jahres.

Fakten zu Milchvieh und Pferden
Die Wertschöpfung der Milchviehhaltung in Schleswig-Holstein ist ein zentrales Element der Landwirtschaftsstruktur. Die Milcherzeugung ist das wichtigste Standbein für die schleswig-holsteinische Landwirtschaft, mit rund 3 Milliarden Kilogramm Milch jährlich. Die Betriebsstruktur und der hohe Ausbildungsstand der Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter schaffen beste Voraussetzungen für die Milchproduktion. Die Meiereiwirtschaft muss sich weiterentwickeln, um die Wertschöpfung der Produkte zu steigern und die Exportfähigkeit zu erhalten. Die Anzahl der Milchkühe ist laut Statistikamt Nord von 2025 auf 2026 um 0,5 % gestiegen. Die Anzahl der Kühe pro Betrieb nahm sogar um fünf Tiere zu. So werden im Schnitt 126 Kühe pro Betrieb gehalten, 322.127 Milchkühe sind es insgesamt, verteilt auf 2.564 landwirtschaftliche Betriebe. Die Rassen Holstein-Schwarzbunt und Holstein-Rotbunt belegen bei den Rassen die Plätze 1 und 2, gefolgt von Kreuzung Milchrind mit Milchrind, der Regionalrasse Angler und Platz 5 Jersey. Nordfriesland ist der Kreis mit der höchsten Milchviehdichte, es folgen Schleswig-Flensburg, Rendsburg-Eckernförde und Dithmarschen. In der Milchkuhhaltung ist die vornehmliche Haltungsform der Liegeboxenlaufstall mit und ohne Laufhof, zudem haben rund die Hälfte aller schleswig-holsteinischen Milchkühe Zugang zur Weide.

Rund 100.000 Pferde leben im Bundesland Schleswig-Holstein, davon sind zirka 60.000 Pferde in den 350 Mitgliedsvereinen und -betrieben (PSH) untergebracht.

Schleswig-Holstein gilt bei der Zucht als absolutes Pferdeland aber die gestiegenen Kosten (Energie und Futter) und zunehmende Bürokratie haben auch Auswirkungen auf die Pferdehaltung, den Reitsport und die Zucht. Diese spürt den wirtschaftlichen Druck. So nahmen die re-gistrierten Fohlen beim Holsteiner Verband zuletzt um gut 9 % ab, das Pferdestammbuch meldete mit rund 800 erwarteten Fohlen ebenfalls zeitweise Tiefstände bei den Geburten. Der Trakehner Hengstmarkt in Neumünster spiegelt ähnliche Tendenzen: Die Zahl der Junghengste in den vergangenen Jahren ist um mehr als ein Drittel zurückgegangen.

Der Pferdesportverband Schleswig-Holstein steht für den Freizeitbereich. Er zählt rund 36.000 Vereinsmitglieder. Eine Studie im Auftrag der Reiterlichen Vereinigung zeigt, dass in Vereinen der überwiegende Teil (etwa 70- 80 %) den Sport als Freizeitbeschäftigung ausübt und keine Turniere reitet, das betrifft somit rund 25.000 Menschen in SH. Im Pferdesport Schleswig-Hol-stein sind vor allem die klassischen Disziplinen Dressur, Springen, Geländereiten vertreten. Hinzu kommen Kutsche fahren, Voltigieren und Bodenarbeit.
Die Pferde sind ein Wirtschaftsfaktor. Zu nennen sind die Grünlandnutzung, Stroh- und Heuerzeugung sowie Kraft- und Mineralfuttererzeugung, Einnahmen aus Reit- und Pensionsbetrieben und Tourismus.

Die Pferdehaltung sichert Arbeitsplätze: Jedes dritte bis vierte Pferd sichert einen Arbeitsplatz, sodass wir rund 25.000 bis 33.000 Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein der Pferdehaltung verdanken.

Verantwortlich für diesen Pressetext: Isa-Maria Kuhn, Pressesprecherin Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Tel.: 04331 9453 111, E-Mail: ikuhn@lksh.de