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Eine Stickstoffdüngung auf schneebedecktem Boden ist nicht zugelassen. Hier ist die Schneedecke aber so gering, dass eine Düngung zugelassen ist. Die Bodenoberfläche ist ausreichend erkennbar.
Foto: Peter Lausen

 

Ausbringen von Wirtschaftsdünger:
Dürfen N- und P-haltige Mineraldüngemittel jetzt ausgebracht werden oder nicht?

 

Derzeit stellt sich die Situation in Schleswig-Holstein sehr unterschiedlich dar. Generell darf auf unbewachsenem Boden bei Frost nicht gedüngt werden. Verboten ist das Ausbringen von N- und P-Mineraldüngemitteln und Gülle/Gärrest auf gefrorenem Boden und auf schneebedeckten und wassergesättigten und überschwämmten Flächen.

Auf Felder mit eingesäten Kulturpflanzen oder Grünland darf, wenn der Boden aufnahmefähig ist, gemäß den Vorschriften der Düngeverordnung gedüngt werden. Das bedeutet eine erste vorsichtige Entspannung für die Güllelager.

Ob der bewachsene Boden aufnahmefähig ist, können Landwirte anhand der Prognose des deutschen Wetterdienstes feststellen. Hier der Link (https://www.dwd.de/DE/leistungen/bodenfrost_bl/bodenfrostbl.html?nn=380288)

Wie sind die Zahlen der Prognose beim Deutschenwetterdienst zu lesen?

Entscheidend ist, dass bei bewachsenem Boden eine rote Zahl steht (z. B. 3/6), dann ist die Aufnahmefähigkeit gegeben. Nur in diesem Fall dürfen Gülle/Gärreste ausgebracht werden.

Ein roter Strich und eine blaue Zahl (z. B. -/5) bedeuten, dass der Boden gefroren ist und tagsüber nicht auftaut. Gülle/Gärreste dürfen nicht ausgebracht werden.

Ein roter Strich und ein blauer Strich (-/-) bedeuten, dass der Boden nicht gefroren ist. Gülle/Gärreste dürfen ausgebracht werden.

Das gilt allerdings mit der Einschränkung, dass alle anderen Bedingungen für den Boden erfüllt sind:

nicht wassergesättigt oder schneebedeckt,
ein Abschwemmen ist nicht zu erwarten,
der Boden trägt eine Pflanzendecke,
eine anderenfalls bestehende Gefahr der Bodenverdichtung.

Es ist somit nicht möglich, eine pauschale Aussage für ganz Schleswig-Holstein zu treffen, ob die Gülleausbringung derzeit zulässig ist oder nicht, sondern regional zu differenzieren.

Für die Kontrollen ist das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume LLUR in Flintbek zuständig.

 

Hintergrund:

Viele Betriebe warten und hoffen aktuell darauf, dass die Bedingungen auf den Flächen so sein werden, dass Düngemittel bodenschonend und bedarfsgerecht ausgebracht werden können. Möglicherweise ergibt sich jetzt ein Zeitfenster.

Dabei müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit ein Ausbringen nach Düngeverordnung erlaubt ist. So sehen die neuen Bestimmungen vor, dass der Boden nicht überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt sein darf.

Dabei gilt ein Boden als wassergesättigt, wenn der gesamte Porenraum wassergefüllt ist. Dies ist insbesondere daran erkennbar, dass auf ebener Fläche Wasserlachen sichtbar sind.

Als schneebedeckt gilt ein Boden, dessen Oberfläche durch Schneeauflage nicht mehr zu erkennen ist. Auf diesen Flächen und Teilflächen eines Schlages darf kein Dünger ausgebracht werden. Die Höhe der Schneedecke – nach alter Düngeverordnung noch entscheidend für ein eventuelles Aufbringen – ist Geschichte.

Grundsätzlich ist das Ausbringen von stickstoff- und phosphathaltigen Düngemitteln wie Gülle, Gärrückständen oder Mineraldüngern auf gefrorenem Boden verboten. Allerdings ist unter Einhaltung nachfolgender Bedingungen eine Aufbringung möglich. Dies ist dann der Fall, wenn

● der Boden durch Auftauen am Tag des Aufbringens aufnahmefähig wird (Nachweis durch DWD-Prognose).

● ein Abschwemmen in oberirdische Gewässer oder auf benachbarte Flächen nicht zu besorgen ist.

● der Boden durch Einsaat einer Winterkultur oder von Zwischenfrüchten im Herbst eine Pflanzendecke trägt oder es sich um Grünland oder Dauergrünland handelt. (Nicht gedüngt werden dürfen selbstbegrünte Flächen und abgefrorene Haupt- und Zwischenfruchtbestände).

● anderenfalls die Gefahr von Bodenverdichtungen und von Strukturschäden durch das Befahren der Flächen bestehen würde.

Neu ist, dass maximal 60 kg Gesamtstickstoff über Düngemittel wie Gülle, Gärrückstände oder Mineraldüngern je Hektar auf gefrorenen Boden aufgebracht werden dürfen. Verstöße in diesem Zusammenhang sind Cross Compliance-relevant. Um die Frage, ob man düngen darf, mit Ja beantworten zu können, ist entscheidend, ob der Boden am Tag der Ausbringung aufnahmefähig wird. Für die Information, ob der Boden nach der Ausbringung antauen, das heißt aufnahmefähig wird, kann eine Prognose des Deutschen Wetterdienstes herangezogen werden.

Die Auswahl der Wetterstation sollte einen räumlichen Bezug zur Lage der betroffenen Fläche aufweisen, um eine Prognose für den individuellen Standort zu erhalten. Wenn in einer Bodenfrostsituation für den nächsten Tag ein Auftauen prognostiziert wird, darf eine Ausbringung von organischen oder mineralischen Düngern erfolgen. Um bei der Kontrolle auf der sicheren Seite zu sein, sollte die Auftauprognose des DWD unbedingt für den Tag der Ausbringung ausgedruckt und aufbewahrt werden.

Text: Dr. Lars Biernat


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