Die Rapsblüte beginnt! Bis zur Vollblüte dauert es aber noch: Anbaubedeutung geschrumpft - Winterraps nur noch auf Platz 3

17. April 2019 | Von: Daniela Rixen, Landwirtschaftskammer

In Schleswig-Holstein sind die ersten einzelnen blühenden Rapspflanzen gesichtet worden. Durch den milden Winter ist der Raps sehr gut entwickelt. Die Frosttage Mitte April haben ihm nicht geschadet. Derzeit geht die Landwirtschaftskammer von einer recht zeitigen Blüte aus. Mit der Vollblüte dürfte ab der ersten bis zweiten Maiwoche regional unterschiedlich zu rechnen sein, wobei gilt, dass Rapsbestände im Süden gegenüber dem Norden in der Entwicklung weiter sind. Vielerorts fehlte im August 2018 zur Saatzeit der Regen, vereinzelt mussten Neuaussaaten umgebrochen werden. Überwiegend entwickelten sich die Bestände gut und die Pflanzen haben wegen der Trockenheit bis in den Oktober sehr gut ausgebildete Wurzeln vorzuweisen.

Steht ein viertes schweres Rapsjahr bevor?

Der Rapsanbau hat in Schleswig-Holstein drei schwierige Jahre hinter sich (2016-2018), ob es ein viertes geben wird, ist offen. Dass die Landwirte nicht mehr so optimistisch sind, zeigt sich an der niedrigen Aussaatfläche. Sie beträgt 2019 nach vorläufigen Angaben des Statistikamtes Nord nur 72.100 ha. Das sind zwar nur rund 1 Prozent weniger als 2018 (73.100 ha). Die Anbaufläche war aber auch schon 2018 wegen des nassen Herbstes 2017 sehr klein ausgefallen. In früheren Jahren lag die „normale Anbaufläche“ von Winterraps hierzulande bei um die 90.000 bis 100.000 ha, also deutlich höher. Der Rapsanbau scheint in Schleswig-Holstein auf dem Rückzug zu sein. Erstmalig seit über 20 Jahren (1987) ist Raps in Schleswig-Holstein in der Anbaubedeutung auf Platz 3 gefallen, hinter Winterweizen (155.300 ha), Wintergerste (76.500 ha). Auch die Maisanbaufläche dürfte wie in den Vorjahren deutlich über der Rapsfläche liegen (Mais wird jetzt gesät, der Anbauumfang liegt daher noch nicht vor, 2018 lag sie bei 179.400 ha).

Anbauumfang geschrumpft

In der Praxis hat man aus den Erfahrungen des Rapsanbaus der vergangenen Jahre gelernt, dass weitere Fruchtfolgen von Nöten sind, um langfristig stabile Rapserträge sicherstellen zu können, vor allem auch wegen der eingeschränkteren Palette an Pflanzenschutzmitteln. Zudem war es 2016, 2017, 2018 aufgrund der Witterung, aber auch aufgrund von Schädlingen und Krankheiten, zu erheblichen Ertragseinbußen gekommen. Spitzenerträge beim Raps von 50 dt/ha wie sie noch 2014/2015 möglich waren, waren zuletzt unerreichbar. Im Durchschnitt lagen die Erträge 2018 bei 30,8 dt/ha und 2017 bei 35,6 dt/ha. Es ist offen, wie sich die Bestände zur Ernte weiter entwickeln werden und wie sich auch die Wirtschaftlichkeit dieser so wichtigen Marktfrucht für die Ackerbauern Schleswig-Holsteins darstellen wird. Derzeit kostet Raps der alten Ernte rund 350 Euro/t.

Wertvolles Öl

Eine weltweite Bedeutung hat die heimische Ölfrucht als wertvolles Speiseöl, im Bereich Biodiesel und in der Pflanzenölproduktion für technische Öle, Schmierstoffe und vor allem auch Margarine. Der Rapskuchen, der nach dem Auspressen in der Ölmühle übrig bleibt, ist ein wichtiges Eiweißfuttermittel geworden, gentechnikfrei und als Ergänzung zu anderen heimischen Eiweißträgern wie Ackerbohnen, Erbsen. Dennoch kann damit allein Soja – aufgrund seiner günstigen Aminosäurenzusammensetzung – in der Fütterung nicht vollständig substituiert werden.

Insekten und Touristen zieht er an

Raps ist wichtig für die Landwirtschaft, wenn er blüht, ist er aber auch eine wichtige Blühpflanze für die Honigbienen und andere Insekten. Raps ist eine ergiebige Trachtpflanze. Er ist besonders reichhaltig an Nektar und Pollen. Jüngst war von dem einen oder anderen Imker zu hören, dass es fatal wäre für die Honigbienen, wenn künftig in Schleswig-Holstein deutlich weniger Raps angebaut würde. Keine Blütentracht ist wie der Raps in der Lage in so kurzer Zeit solch eine große Honigausbeute zu produzieren.
Auch den vielen Rapstouristen, die jedes Jahr erleben möchten, wenn sich Schleswig-Holstein von seiner schönsten Seite zeigt, würden die blühenden gelben Felder fehlen. Die Rapsblüte lockt Radfahrer, Reiter, Spaziergänger aus nah und fern an. Auch immer mehr „Drohnenpiloten“ erobern den Luftraum über unserem schönen Bundesland, um die gelbe Pracht von oben zu betrachten, dieses Jahr wird sie nun erneut wie 2018 deutlich kleiner ausfallen.

Bienenschutz steht ganz oben Der Schutz der Bienen hat beim Pflanzenschutz im Rapsanbau oberste Priorität. Es dürfen nur bienenverträgliche Pflanzenschutzmittel angewendet werden. Die Landwirtschaftskammer empfiehlt diese möglichst nach dem täglichen Bienenflug, also abends zum Einsatz kommen zu lassen, um jedwede Beeinträchtigung der pollensammelnden Insekten auszuschließen. Wenn Verbraucher Landwirte abends oder nachts sehen, ist das also nicht verboten, sondern im Sinne des Bienenschutzes erwünscht. Außerdem darf nicht vorbeugend gegen Schädlinge, sondern nur bei tatsächlichem Befall gespritzt werden (Schadschwelle). Sinn und Zweck des Pflanzenschutzes ist es, den Ertrag zusichern. Die Landwirtschaftskammer empfiehlt Landwirten mit den Imkern Kontakt aufzunehmen. Viele Konflikte können durch gegenseitiges Verständnis gelöst werden.

Fakten rund um den Raps

Raps ist nach Winterweizen die erstmals seit 1987 nun drittwichtigste Marktfrucht in Schleswig-Holstein. Die Rapspreise sind derzeit über dem Vorjahresniveau. Ein Blick auf die internationalen Märkte sagt für die diesjährige Ernte 360 €/t voraus. Auf nennenswerte Preiserhöhungen können die Erzeuger in Schleswig-Holstein wohl nicht hoffen, da schwache Sojakurse auch Druck auf den Rapsmarkt ausüben. Dabei wird in diesem Jahr ein geringeres Rapsangebot erwartet: Deutschlandweit geht man von einer um ein Viertel reduzierten Rapsfläche aus. Auch in anderen europäischen Ländern wurde der Rapsanbau eingeschränkt.

Bedeutung in der Fruchtfolge

Die für die hiesige Landschaft so wichtige Kulturpflanze hat auch eine große Bedeutung innerhalb der Fruchtfolge. Durch ihre lange Pfahlwurzel lockert sie den Boden. Durch die positive Vorfruchtwirkung, die u. a. durch die gute Bodengare erreicht wird, bringt Weizen, der nach Raps angebaut wird, mehr Ertrag im Gegensatz zu Weizen, der nach Getreide folgt.

Raps ist ein Allroundtalent

Raps wird vielseitig genutzt, als Speiseöl, als Rohstoff für die Schmierstoff- und chemische Industrie. Vor allem ist Rapsöl jedoch der am häufigsten verwendete Rohstoff für die Herstellung von Biodiesel. Zum echten Allrounder wird Raps, weil neben dem Öl das beim Pressen der Rapssaat anfallende Restprodukt, der Rapskuchen genutzt werden kann. Er ist ein hochwertiges Eiweißfuttermittel für das Milchvieh und macht die heimische Landwirtschaft ein Stück weit unabhängig von ausländischen Sojaimporten. Rapsöl ist gesund und nachhaltiger als Palmöl. Raps hat einen Ölgehalt von über 40 % je nach Sorte. Von 1 ha Raps können 1.800 l Öl erzeugt werden, allerdings ist es weniger, bei geringeren Erträgen.

Verantwortlich für den Pressetext: Daniela Rixen, Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Telefon: 0 43 31-94 53-110, E-Mail: drixen@lksh.de

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