Tierwohl: Mehr Platz für Sauen in der Bewegungsbucht: Einmalige Sonderschau für Landwirte in Futterkamp

04. April 2019 | Von: Isa-Maria Kuhn, Landwirtschaftskammer

Schweinehalter stecken in einer Zwickmühle: Einerseits wird das „Einsperren der Sau“ im Ferkelschutzkorb kritisch gesehen, andererseits sollen möglichst wenig Ferkel durch die Sau erdrückt werden. Die Bewegungsbuchten sind eine Alternative, um Mutter- und Jungtieren gerecht zu werden: Wie diese gestaltet werden sollen, hat der Gesetzgeber noch nicht definiert. Die Landwirtschaftskammer unterstützt Schweinehalter mit einer in Deutschland einmaligen Sonderschau über Bewegungsbuchten auf dem Weg für mehr Tierwohl. Diese wurde am Vormittag von Kammer-präsidentin Ute Volquardsen eröffnet.

Gesellschaftlich und politisch wird immer wieder der Ruf nach mehr Bewegung für Sauen in der Abferkelbucht laut. Das Standardverfahren in der Haltung von säugenden Sauen ist die Aufstallung in einer Abferkelbucht, die mit einem Ferkelschutzkorb ausgestattet ist. Hintergrund ist, dass die Sau beim Hinlegen ihre Ferkel erdrücken kann und nicht wenige dabei sterben.

In einer aktuellen Umfrage der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein gaben 88,6 % der teilnehmenden Ferkelerzeuger an, die Sauen in der Abferkelbucht in einem Ferkelschutzkorb zu halten. In dem großen Verbundprojekt „Innopig“ wurde von 2016 bis 2018 am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp werden verschiedene Abferkelbuchtentypen getestet. Ziel des Innopig-Projekts war der Vergleich unterschiedlicher Abferkelsysteme mit Hinblick auf die Produktionskennzahlen, Daten zum Tierverhalten, zur Gesundheit der Tiere sowie der Ökonomie und der Arbeitssicherheit. Als Kontrollbucht diente eine Abferkelbucht mit Ferkelschutzkorb. In der freien Abferkelung kamen zwei unterschiedliche Buchtentypen zum Einsatz. Diese besaßen zwar einen Ferkelschutzkorb, welcher aber im ersten Teil des Projektes nicht genutzt wurde. Die dritte Variante war die freie Abferkelung mit anschließender Gruppenhaltung der Sauen. Im Anschluss an die erste Projektphase wurde die Bewegungsbucht, in der der Ferkelschutzkorb über die kritischen Tage der Abferkelung geschlossen bleibt, getestet. Die Ergebnisse des Verbundprojektes wurden im Rahmen der zweitägigen Abschlussveranstaltung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (gestern) und am Vormittag im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp vorgestellt.

Es zeigte sich, dass insbesondere die Bewegungsbuchten geeignet sind, um die Interessen von Sau (mehr Bewegung in der Abferkelbucht) und der Ferkel (weniger erdrückte Ferkel) zu vereinen. In den Bewegungsbuchten lagen die Anteile der erdrückten Ferkel mit 1,2 erdrückten Ferkeln pro Wurf auf einem vergleichbaren Niveau wie im Ferkelschutzkorb (0,9 Ferkel pro Wurf). Im Gegensatz dazu wurden in den Varianten mit komplettem Verzicht der Fixierung der Sau zwischen 2,5 und 3,2 Ferkel pro Wurf erdrückt. Gleichzeitig wurde die Fixationsdauer der Sau in der Bewegungsbucht von ca. 28 bis 35 Tagen im Ferkelschutzkorb auf fünf Tage in der Bewegungsbucht reduziert.

Einmalige Sonderschau

Vor diesem Hintergrund wurde in Futterkamp am Vormittag eine Sonderschau „Bewegungsbuchten“ eröffnet auf der, bisher einmalig im Bundesgebiet, die Bandbreite unterschiedlicher Bewegungsabferkelbuchten nebeneinander ab sofort zu besichtigen sind. Viele Hersteller präsentierten heute ihre Konzepte und standen für Fragen zur Verfügung. Diese Sonderausstellung soll auch über die Abschlussveranstaltung hinaus eine wichtige Grundlage in der Beratung von Sauenhaltern darstellen. Sie ermöglicht einen direkten Vergleich der Konzepte, die die Hersteller bereits umgesetzt haben, bevor eine gesetzliche Verpflichtung dafür besteht. Dies verdeutlicht die Bereitschaft von Landwirten, die Schweinehaltung weiterzuentwickeln. Die Sonderausstellung kann an allen Bau- und Energielehrschautagen jeden ersten Donnerstag im Monat im Rahmen des Tages der offenen Tür von 9:00 bis 15:00 Uhr besichtigt werden.

Partner von „Innopig“

An dem Verbundprojekt Innopig sind Partner aus der Wissenschaft, aus der Beratung und aus der Industrie beteiligt. Im Einzelnen sind die offiziellen Projektpartner:

  • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, 
  • Georg-August-Universität Göttingen,
  • Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover,
  • Landwirtschaftskammer Niedersachsen,
  • Firma Big Dutchman Pig Equipment GmbH,
  • Firma Alfons Greten Betonwerke GmbH,
  • ISN-Projekt GmbH
  • Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland e. V. und
  • Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Die für das Projekt notwendigen Umbauten im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp wurden durch weitere Firmen unterstützt. Die Förderung erfolgte aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank und aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des Deut-schen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung.

Schweinehaltung in Schleswig-Holstein

Insgesamt halten knapp 900 Betriebe in Schleswig-Holstein Schweine. Allerdings geht aktuell der Anteil an Sauenhaltern stark zurück. Insbesondere die Planungssicherheit sehen die Betriebe derzeit nicht gegeben wie am Beispiel der Haltungsanforderungen in der Abferkelbucht dargestellt. Hier sind Entscheidungen vonseiten der Politik notwendig, um Rechtssicherheit zu schaffen.

Im Mittel halten die Sauenhalter in Schleswig-Holstein ca. 350 Sauen und verkaufen 30 Ferkel pro Sau und Jahr. Mastschweinehalter halten im Mittel auf ca. 1.600 Schweine im Jahr und verkaufen ca. 4.800 Schweine.

Verantwortlich für diesen Pressetext: Isa-Maria Kuhn, Pressesprecherin Landwirtschafts-kammer Schleswig Holstein, Tel.: 04331-9453-111, ikuhn@lksh.de

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