Grünland- und Weidetag der Landwirtschaftskammer: Technik, Wetter und sonstige Herausforderungen

12. Juni 2018 | Von: Daniela Rixen, Landwirtschaftskammer

Grünland hat eine große ökologische Bedeutung für Schleswig-Holstein, insbesondere für den Erhalt der Artenvielfalt, die Futterproduktion und den Naturschutz. Es stellt mit ca. 330.000 ha die größte landwirtschaftlich genutzte Kultur dar und ist damit gleichzeitig wichtige Futtergrundlage für Rinder, Schafe und Pferde, die im Land gehalten werden. Je nach Standort werden die Wiesen und Weiden unterschiedlich intensiv genutzt. Wie so oft geht es um den Spagat zwischen einer hochqualitativen Futtererzeugung und gleichzeitig dem Erhalt natürlicher Ressourcen.

Heute haben sich zahlreiche Landwirte, Agrarfachschüler und Berater anlässlich des Grünland- und Weidetages der Landwirtschaftskammer in Gribbohm auf dem Betrieb von Thies Harder im Kreis Steinburg über die neuesten Entwicklungen bezüglich eines nachhaltigen Grünlandmanagements informiert. Dazu haben 30 Firmen ihre Technik präsentiert und die Fachleute der Landwirtschaftskammer über ihre Arbeit für die landwirtschaftliche Praxis informiert. Unter anderem ging es um:
  • umweltschonende, verlustarme Ausbringung von Wirtschaftsdüngern. Diese Technik wird ab 2025 Pflicht, wird aber schon heute von der Landwirtschaftskammer, zur Einhaltung der neuen Düngeverordnung empfohlen.
  • Außerdem wurden spezielle Schwaderverfahren gezeigt, die sicherstellen, dass einwandfreies, sauberes Futter mit möglichst wenig Blattmasseverlusten geborgen wird.
  • Eine im Rahmen der europäischen Innovationspartnerschaften (EIP) neu entwickelte WEB-App mit dem Namen „Wann wächst das Gras?“ wurde präsentiert. Sie hilft dem Landwirt, den optimalen Düngezeitpunkt auf seinem jeweiligen Grünlandstandort zu finden und so zu frühes beziehungsweise zu spätes Düngen zu vermeiden. Nährstoffverluste, die sich in Gewässer und der Luft wiederfinden könnten, werden so reduziert.
  • Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Weidehaltung. Hier wurden neben Grasmischungen für Weiden die Themen geeignete Weidetriebwege für die Tiere und Methoden zur Messung des Aufwuchses (Grasertrages) auf der Weide vorgestellt sowie die Themen Zauntechnik und Hygiene angesprochen. Heute haben sich zahlreiche Landwirte, Agrarfachschüler und Berater anlässlich des Grünland- und Weidetages der Landwirtschafts

Wetter

Die Wetterextreme stellen für die Landwirtschaft insgesamt und auch für den Futterbau derzeit die zentrale Herausforderung dar. Im zeitigen Frühjahr war es zunächst zu kalt und sehr nass und jetzt im Juni herrscht eine Frühsommertrockenheit vor, die voraussichtlich beachtliche Auswirkungen auf die Erträge haben wird. Wir haben einen sehr trockenen Mai gehabt. Laut DWD sind in Schleswig-Holstein im Mittel nur 21,4 mm Niederschlag gefallen, das sind rund 40 % weniger als im langjährigen Mittel, betont der Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Peter Levsen Johannsen. Künftig werde es daher mehr denn je darum gehen, Strategien zu finden, die Wetterextreme abpuffern. Stichworte seien hier angepasste Sorten, Mischungen und Arten. Neben dem Anbau frühreifer Sorten, die der Frühsommertrockenheit quasi entwachsen, gibt es mit Rohrschwingel eine möglicherweise zukunftsfähige Art, wassersparend zu wirtschaften. Denn Rohrschwingel ist sehr genügsam und dabei ein gutes Futter. Auch Themen wie Erosionsschutz und Humusbildung wurden thematisiert. Zur aktuellen Gras-Ernte-Situation teilte die Landwirtschaftskammer mit:
Der erste Schnitt ist unter besten Erntebedingungen teilweise schon Anfang Mai mit guten Erträgen und voraussichtlich guten Qualitäten eingebracht worden. Derzeit findet örtlich der zweite Schnitt statt. Aufgrund der Trockenheit wächst jedoch kaum Gras nach. Wie in anderen Bereichen der Landwirtschaft auch, wird Regen benötigt. Bei den Sommerungen sieht es regional je nach Bodenart (leichte Sand-Standorte) und Niederschlagsverteilung dramatisch aus. Winterrapsbestände haben weniger Schoten angesetzt und auch beim Wintergetreide zeichnen sich Trockenschäden ab. Bei weiterhin ausbleibenden Niederschlägen könnte es in diesem Jahr zu einer sehr frühen Getreideernte kommen. Gute Bedingungen herrschen derzeit für die Heubereitung. Heu wird an Pferde, Schafe, Mutterkühe und Jungvieh verfüttert, im Norden aber weniger an Rinder/Milchkühe. Vor allem Naturschutzflächen, die vertraglich vereinbart später geerntet werden, dienen häufig zur Heuproduktion, da es die Witterung im Sommer zulässt.

Wird das Futter knapp aufgrund der Trockenheit?

Mit einer Futterknappheit ist zum jetzigen Zeitpunkt in der Rinderhaltung nicht zu rechnen. Betriebe mit Weidehaltung stehen allerdings vor der Herausforderung, mit dem geringeren Aufwuchs ihre Tiere versorgen zu müssen. Deshalb müssen Tiere teilweise wieder aufgestallt und mit Futterreserven gefüttert werden. Eine Option stellt diesbezüglich die Beregnung dar. Die meisten Betriebe verfügen jedoch nicht über diese Technik. Dies könnte und müsste sich für Weidesysteme in der Zukunft möglicherweise als interessante Option ändern.

Zahlen und Fakten

In Schleswig-Holstein beträgt die Grünlandfläche zirka 330.000 ha. Zusätzlich werden etwa 30.000 ha mit Ackergras bestellt. Es werden 1.048.426 Rinder gehalten, davon 393.800 Milchkühe. Außerdem 202.000 Schafe und 37.364 Pferde (inklusive Ponys und Eseln). Die Stiftung Naturschutz hält in Schleswig-Holstein eine Fläche von rund 36.000 ha, wovon der Großteil auf Grünland entfällt. In Abhängigkeit der Leistung benötigt eine Milchkuh bei 650 kg Lebendgewicht pro Tag etwa 37 MJ NEL für die Erhaltung sowie 3 MJ NEL/kg Milch. Bei einer Milchleistung von 35 kg Milch/Tag entspricht dies 142 MJ NEL/Kuh/Tag. Bei einer Trockenmasseaufnahme von 20 kg/Kuh/Tag sollte das Futter demnach 7,1 MJ NEL/kg TM enthalten. Man spricht von guter Grassilage bei Werten ab 6,5 MJ NEL/kg TM. Wobei Topbetriebe 7 MJ NEL/kg TM sogar überschreiten. Die Differenz wird entsprechend mit Maissilage ersetzt oder durch Kraftfutter ergänzt. Hier bestehen unterschiedliche Möglichkeiten in der Futterrationsgestaltung.

Fazit

Der Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer, Peter Levsen Johannsen, war erfreut, über die rege Teilnahme der Fachleute am Grünland- und Weidetag 2018: Es zeige sich, dass die Futterbaubetriebe erkannt hätten, dass ausgefeiltes Know-how nötig sei, um Grünland entsprechend ökonomisch und ökologisch im Einklang bewirtschaften zu können. Die Landwirtschaftskammer habe mit einer Verstärkung des Grünlandteams auf diesen Bedarf an Beratung reagiert und die Versuchsergebnisse für die Praxis seien beachtlich.
Die aktuelle Wetterlage mache jedoch deutlich, dass Fachwissen und Beratung nur eine Komponente des Erfolges seien, die richtige Technik eine zweite und schließlich auch das Wetter das Übrige dazu tun müsse. „Die Landwirtschaft wird sich in Zukunft verstärkt auf Wetterextreme im Zuge des Klimawandels einstellen müssen“, so die Prognose von Johannsen.
Auch die Versuchsarbeit der Landwirtschaftskammer werde sich entsprechend aufstellen müssen, um der Praxis in der Beratung passende Antworten liefern zu können. Besonders seien hier die EIP-Projekte im Land gefordert, Zukunftsszenarien entsprechend vorzudenken.

Verantwortlich für den Pressetext: Daniela Rixen, Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Telefon: 0 43 31-94 53-110, E-Mail: drixen@lksh.de

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