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Wolf in Schleswig-Holstein - Pferdezucht formuliert Sorgen

Die Infoveranstaltung des Holsteiner Verbandes war gut besucht. Foto: Janne Bugtrup

03. Mai 2019 | Von: Verband der Züchter des Holsteinischen Pferdes e.V.
Ein zweistündiges Programm sollte es werden, aber es dauerte deutlich länger: Rund 450 Pferdezüchter und -halter, Schaf- und Rinderhalter formulierten in der Fritz Thiedemann-Halle in Elmshorn ihre Sorgen und Nöte, verursacht durch die Rückkehr des Raubtiers Wolf. Der Einladung des Holsteiner Verbandes waren nicht nur die Referenten und Nutztierhalter gefolgt, auch aus der Landespolitik waren mit Oliver Kumbartsky (FDP), Marlies Fritzen (Bündnis 90/Die Grünen), Hauke Göttsch (CDU) und Heiner Rickers (CDU) vier Abgeordnete des schleswig-holsteinischen Landtages in Elmshorn dabei.

„Uns ist wichtig, dass wir einen Anstoß gegeben haben und dass wir die Politik immer wieder dazu animieren, zu handeln, denn wir sehen den heutigen Stand. Der Ist-Zustand ist nicht der in drei Jahren. Die Probleme werden ja nur größer“, begründete Thies Beuck, Vorsitzender des Verbandes der Züchter des Holsteiner Pferdes e.V. die Initiative zur Veranstaltung vor dem Hintergrund von Rissvorfällen in den Landkreisen Dithmarschen und Pinneberg. Die Pferdezucht sorgt sich um die Weidelandschaft in Schleswig-Holstein, um die Sicherheit von Stuten, Fohlen, Reitpferden und -ponys und misstraut der lange vertretenen Einschätzung, Wölfe würden sich nicht an Pferde oder Rinder herantrauen. Inzwischen gäbe es Belege dafür, dass Wölfe bereits Fohlen und Kälber gerissen haben.

Dass die Tierzuchtverbände mit ihren Sorgen keineswegs allein sind, unterstrich die Teilnahme von etlichen Landwirten und Schafhaltern, die das Informations- und Diskussionsangebot in der Fritz Thiedemann-Halle nutzten, um ihre Probleme deutlich zu formulieren. Das reichte von der Sorge um die eigene Schafherde und um Versicherungsthemen bis zur Frage nach komplett mit Zäunen befriedeter Landschaft, in der sich Wildtiere verfangen.

Die nicht gerade einfache Rolle, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Bundes- und Landesgesetze unter der europäischen FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) zu erläutern, fiel Thomas Gall, Artenschutzreferent im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELLUND) in Schleswig-Holstein zu. Gall plädierte nicht, der Artenschutzreferent stellte klar, was möglich ist und was nicht. Veränderungen bedürften politischer Willensbildung.

Realistischer Umgang notwendig


Gregor Beyer vom Forum Natur in Brandenburg forderte dazu auf, keine „Märchen“ zu erzählen. „Wölfe sind allein von der Zahl her nicht vom Aussterben bedroht und sie verhalten sich auch nicht so, wie wir es uns wünschen“, unterstrich Beyer und forderte die Politik auf, ihre Spielräume angesichts drohender Probleme zu nutzen: „Die Schutzjagd nach skandinavischem Vorbild ist durchaus auch unter den strengen Regeln der europäischen FFH-Richtlinie denkbar. In Brandenburg wird das Thema Entnahme, so diese denn erforderlich ist, nicht auf einzelne, kleine Bereiche eingegrenzt. Ein Wolf hält sich nicht an Grenzen, warum auch.“

Für geradezu absurd hält der Experte aus Brandenburg die in Schleswig-Holstein praktizierte Idee, den im Kreis Pinneberg durch mehrere Schafsrisse aufgefallenen Wolf GW 924m mittels staatlich beauftragter Jäger zu “erwischen” - das könne nicht funktionieren. Beyer plädierte wie auch der Präsident des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein, Wolfgang Heins, für einen realistischen Umgang mit dem streng geschützten Raubtier.

Intelligentes Raubtier - unvorbereiteter Mensch

Heins bekundete offen, er habe sich eine so schnelle Entwicklung und so rasch auftretende Probleme mit der Rückkehr des Wolfes vor wenigen Jahren nicht vorstellen können. Er begrüßte die Initiative des Holsteiner Verbandes ausdrücklich: „Wir halten das für absolut sinnvoll und glauben, dass nur auf diese Art dem öffentlichen Druck, der aufgrund eines deutlichen Stadt-Land-Gefälles nicht zu unseren Gunsten läuft, etwas entgegengesetzt wird“, betonte der Präsident des Landesjagdverbandes. „Wir haben es verlernt, mit dem Wolf umzugehen“, so Heins, „das ist nicht ein harmloser Fuchs, sondern ein Großraubtier, das in unserer Landschaft ohne irgendeine Form von Widerstand aufgenommen wird.“ Genau deswegen erlebe man es auch, dass der Wolf die Scheu verliere und auch durch Ortschaften laufe. Wölfe seien intelligente Jäger, die sich nicht mit der Jagd auf Wildtiere plagen, wenn in eingezäunten Arealen Schafe viel leichter zu erreichen seien.

„Auch eine Bundesregierung kann handeln, auch Europapolitiker und Agrar- und Umweltminister können ihre Position klar zum Ausdruck bringen, wenn sie es denn wollen“, so Klaus-Peter Lucht, Vizepräsident des Landesbauernverbandes S-H. Lucht: „Ich glaube, wir brauchen nicht noch mehr Information und Diskussion, sondern es muss gehandelt werden. Für mich geht es prinzipiell auch um den ländlichen Raum, um gleichberechtigte Lebensumstände in Stadt und Land. Wir werden hier so ein bisschen benutzt, um das Wohlfühlgefühl der Stadt zu sein und Politik schaut da schon sehr genau nach Wählerstimmen, das fällt mir sehr dabei auf.“ Sowohl organisatorisch, als auch finanziell lade die Gesellschaft die Folgen von Artenschutzinteressen und damit bei Tierhaltern und Landbevölkerung ab.

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