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Betreuung für Landwirte in Not ist ein erfolgreiches Hilfsprogramm

Die Beratung von Landwirten in Not hat sich bewährt. Foto: Adobe.Stock

03. Januar 2019 | Von: MELUND
Ein breites Bündnis von Landwirtschaftsministerium, Landwirtschaftskammer, Bauernverband, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, Nordkirche, Landfrauen und der Sozialversicherung setzt sich seit 2015 verstärkt für Landwirte in Notlagen ein. Gemeinsam arbeitet das Bündnis an einer Verbesserung der psycho-sozialen Betreuung für Landwirtinnen und Landwirte und sensibilisiert das Thema psychischer Belastung in der Landwirtschaft auf unterschiedlichen Wegen. Beim heutigen Treffen des Bündnisses im MELUND wurde eine positive Resonanz gezogen und in die Zukunft geblickt.

Ein breites Bündnis von Landwirtschaftsministerium, Landwirtschaftskammer, Bauernverband, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, Nordkirche, Landfrauen und der Sozialversicherung setzt sich seit 2015 verstärkt für Landwirte in Notlagen ein. Gemeinsam arbeitet das Bündnis an einer Verbesserung der psycho-sozialen Betreuung für Landwirtinnen und Landwirte und sensibilisiert das Thema psychischer Belastung in der Landwirtschaft auf unterschiedlichen Wegen. Beim heutigen Treffen des Bündnisses im MELUND wurde eine positive Resonanz gezogen und in die Zukunft geblickt.

„Landwirt oder Landwirtin zu sein, das ist ein Knochenjob. Die Anforderungen sind deutlich gestiegen und oft hängt, noch mehr als in anderen Berufsfeldern, die Familie ganz unmittelbar am Betrieb, der Wohn- und Arbeitsort zugleich ist. Auf viehhaltenden Betriebe kommt die tägliche Verantwortung für die Tiere dazu. Wir wollen Landwirtinnen und Landwirten in schweren Lebensphasen Unterstützung anbieten“, erklärt die Staatssekretärin für Landwirtschaft Anke Erdmann zum Programm „Landwirte in Not“.

Anstoß des Projektes war unter anderem die Erkenntnis von Professor Dr. Edgar Schallenberger, dem Vertrauensmann Tierschutz in der Nutztierhaltung, dass Probleme in Tierhaltungen nicht zuletzt dann entstehen, wenn Tierhalter selbst in Notlagen geraten. Mittlerweile läuft das Projekt seit mehr als zwei Jahren und findet immer mehr Anklang. „Unsere vielfältigen Appelle haben die komplexen Erkrankungen mit mannigfaltigen Ursachen und Konsequenzen, die nicht nur in der Landwirtschaft kaum offen angesprochen werden, mit aus einer Tabuzone geführt. Wir können menschliche Tragödien nicht mit einfachen Mitteln kurzfristig vor Ort lösen. Wir helfen Ängste abzubauen, Probleme zu erkennen und diese dann Schritt für Schritt zu lösen“, so Prof. Schallenberger.

Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, sagt dazu: „Wenige Berufe sind so herausfordernd, wie die Landwirtschaft. Wir können damit umgehen. Aber manchmal wird der Druck zu groß und der Blickwinkel zu eng. Wir wollen helfen, dann Wege aus der Sackgasse heraus zu finden.“ Der Bauernverband ist mit seinen Kreisgeschäftsstellen im ganzen Land vielfach die erste Anlaufstelle für betroffene Landwirte.

Informationen sind jedoch auch im Internet und einem Flyer zu finden. In dem Flyer werden die Unterstützungsangebote zusammengefasst. Dort finden alle Betroffenen die passenden  Ansprechpartner, die, auch anonym, weiterhelfen oder weitergehende Beratungen vermitteln. Das Beratungsangebot reicht vom Sorgentelefon der Nordkirche über die sozioökonomische Beratung der Landwirtschaftskammer bis hin zur Beratung der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) beim Umgang mit Stress und stressbedingten Belastungssituationen sowie zur einzelbetrieblichen Beratung für Milchviehbetriebe auf Initiative des Ministeriums. Die Hilfsangebote stehen auch Familienangehörigen, Mitarbeitern oder Nachbarn zur Verfügung.

„Es ist entscheidend, für die bestehenden Angebote zu werben, das Tabu zu brechen und Vertrauen gegenüber den Landwirten aufzubauen, die Hilfe suchen.“, so Erdmann.

Bernd Irps, Abteilungsleiter Bildung, Betriebswirtschaft, Beratung von der Landwirtschaftskammer sagte: „Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die sozialökonomische Beratung von der Landwirtschaftskammer in Anspruch nehmen, ist aufgrund der Milchkrise 2016 und der Wetterextreme regional unterschiedlich, um 10 bis 20 % angestiegen. Von der Landwirtschaftskammer werden jährlich rund 500 Betriebe sozioökonomisch beraten. Neben der sozioökonomischen Beratung werden außerdem Vorträge und Fortbildungen zu diesem Thema stark nachgefragt.“

Dr. Jan Menkhaus von der Nordkirche ergänzt: „So vielseitig, wie die Landwirtschaft ist, so vielseitig können auch die Probleme auf den Betrieben sein. Das Sorgentelefon für landwirtschaftliche Familien ist Zuhörer und Gesprächspartner bei Sorgen und Nöten auf dem Hof.“

Anneli Wehling, Milchbäuerin im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter sieht für die nächsten Jahre weitere Herausforderungen für das Bündnis: „Hinter manch schönen Fassaden an Gebäuden oder Gesichtern verbirgt sich großes Leid. Die seelische Not, die psychische Belastung und der Konflikt in der Familie  sind aber oft groß und nicht mehr auszuhalten. Das Gefühl wirtschaftlich und persönlich gescheitert zu sein und versagt zu haben, ist groß. Wir sind in Bereichen angekommen die uns deutlich zeigen, wo die Grenzen dieses Systems liegen und wir sind trotz besseren Wissens dabei, diese Grenzen zu überschreiten. Das müssen wir ändern.“

Auch die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) gehört zu den Ansprechpartnern. Das Angebot der SVLFG zur Prävention von Burn-out und Depressionen umfasst viele flexibel nutzbare Maßnahmen, die den Versicherten im Rahmen der neuen Präventionskampagne „Mit uns im Gleichgewicht“ angeboten werden können. Für dieses Programm diente Schleswig-Holstein als Modellregion. Unter anderem gibt es Stressmanagement-Seminare, ein Online-Selbsthilfetool zur Burn-out-Prävention, ein intensives Einzelcoaching unter psychologischer Begleitung oder eine Krisenhotline, die 24 Stunden – an sieben Tagen in der Woche – kostenlos und anonym unter der Telefonnummer 0561 785-10101 von Versicherten genutzt werden kann.

Die Folgen von unbehandelten psychischen Belastungen sind hart: Psychische Störungen bedingen bei der SVLFG einen hohen Anteil an den Frühverrentungen, krankheitsbedingten Fehlzeiten sowie Reha-/Betriebs- und Haushaltshilfeleistungen.

Die Gründe dagegen liegen vielfach begründet in einer empfundenen mangelnden Wertschätzung, einer nicht kostendeckenden Produktion und schlechten Arbeitsplatzbedingungen.

Bewährt hat sich für alle Beteiligten eine proaktive Ansprache der Menschen vor Ort. „Wir haben Neuland betreten, wir wollen damit weitermachen“, resümiert Staatssekretärin Erdmann.

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