Norla-Forum Schweinehaltung 2020 in Futterkamp: Schweinehalter wollen nach vorne

Ein Rekordbesuch, wie er in besten Norla-Zeiten nicht erreicht wurde, zeichnete das diesjährige Forum Schweinehaltung aus, das coronabedingt vom Bauernverband Schleswig-Holstein und der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp vor Kurzem ausgerichtet wurde. 170 Teilnehmer, davon viele Schweinemäster, aber überwiegend Sauenhalter, sandten die Botschaft, dass die Schweinehaltung den Weg in die Zukunft sucht.

Hier ein Auszug des Artikels, der am Ende in voller Länge verlinkt ist. Dort können Sie auch der PDFs von Vorträgen der Referenten downloaden!

Der emmissionsarme Maststall

Der Themenblock Mastschweinhaltung, zu dem sich 65 interessierte Schweinemäster angemeldet hatten, wurde durch drei firmenindividuelle Haltungskonzepte der Zukunft eröffnet. Gerhard Lengauer stellte den von der Firma Schauer Agrotronic zum Patent angemeldeten emissionsarmen Tierwohlmaststall vor. Dieser gliedert sich in einen wärmegedämmten Innenbereich und einen voll überdachten Auslauf. Innen befindet sich der Liegebereich mit Minimaleinstreu. Die Buchtentrennwände sind verstellbar, um das Platzangebot anpassen zu können. Der Auslauf ist in einen planbefestigten Fress- und einen perforierten Mistbereich unterteilt. Damit der Kotbereich angenommen wird, ist er unter anderem mit Trenngittern zu den Nachbarbuchten und Befeuchtungsmöglichkeiten ausgestattet. Verschiedene emissionsmindernde Maßnahmen werden im Stall eingesetzt beziehungsweise sind dort verbaut. Dazu gehören unter anderem eine spezielle Schieberentmistungstechnik und bauliche Veränderungen zur Reduktion der emittierenden Fläche. 

Der spaltenfreie Tierwohlstall mit Schweinetoilette von der Firma Big Dutchman wurde von Dr. Birgit Hinrichs erläutert. Auch hier wird sehr viel Wert auf die Strukturierung der Bucht gelegt. Im Aktivitätsbereich kann neben dem Fressen auch das Wühlen der Tiere ausgelebt werden. Der Kotbereich ist als Schweinetoilette mit Kot- und Harntrennung konzipiert, zu den Nachbarbuchten befinden sich auch in diesem System Trenngitter. Durch ein Kunststoffband wird der Kot aus der Bucht in einen Kotsammelkanal mit Schieberentmistung befördert. Der Harn gelangt direkt über kleine Öffnungen in den Kunststoffelementen in eine Auffangwanne. Durch diese Trennung von Kot und Harn sollen die Ammoniakemissionen um bis zu 80 % reduziert werden können. Die Haltung von Ringelschwanzschweinen werde durch dieses System ebenfalls erleichtert.

Forschnung in Futterkamp 

Im Anschluss an Vorträge und Diskussion ging es für die Teilnehmer des Themenblocks Mastschweinehaltung zum Futterkamper Maststall. Hier wurden zwei aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt, die sich mit den vorher schon genannten Zukunftsthemen Emissionsminderung und Kupierverzicht beschäftigen.

Der Themenbereich Sauenhaltung wurde von 112 Teilnehmern besucht. Das große Interesse wurde allgemein positiv gedeutet: Die Sauenhalter wollten nach Verabschiedung der TierSchNutztV nun wissen, wie sie die Zukunft gestalten können. Eckard Meyer vom Lehr- und Versuchsgut Köllitsch in Sachsen ging auf die Perspektiven des Kastenstandes ein: Dieser sei das „Glyphosat der Tierhaltung“, umriss Meyer die gesellschaftliche Wahrnehmung. Er sagte zudem voraus, dass in der Diskussion zwischen den beiden Politikzielen Klima- und Tierschutz der Klimaschutz gewinnen werde. Derzeit überhole die Zunahme gesetzlicher Verbote die Entwicklung von neuen Verfahren, skizzierte er ein Problem der Forschung. Der Stall der Zukunft werde teurer werden, prognostizierte der Sauenhaltungsexperte aus Sachsen.

Verbraucher am Tierschutz beteiligen

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht nutzte das Forum, um den Schweinehaltern Mut für die Zukunft zu machen. Dinge brauchten Zeit und müssten umsetzbar sein, erklärte er. Vor allem aber müsse die Finanzierung von mehr Tierschutz geregelt sein. Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) angekündigten zusätzlichen Mittel in Höhe von 300 Mio. € lobte er, forderte aber auch, dass der Preis an der Ladentheke die Tierschutzanstrengungen der Landwirte widerspiegeln müsse.