Pflanzenschutzmittel in Flächenkulturen

In Schleswig Holstein wird der überwiegende Teil der Pflanzenschutzmittel in Flächenkulturen mit Wasser über die Feldspritze ausgebracht. Hierbei werden zugelassene Pflanzenschutzmittel ihren Gebrauchsanweisungen entsprechend gegen Schadorganismen und zur Kulturführung eingesetzt. Von Schadorganismus, Kultur und Wachstumsstadium hängt es ab, welches PSM zum Einsatz kommen kann.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel im Ackerbau sind vor allem Herbizide, Fungizide und Insektizide. Weiterhin werden die Wachstumsregler zu den Pflanzenschutzmitteln gezählt und müssen als solche zugelassen sein.

 

Abdrift und Verlustminderung

Die optimale biologische Wirkung der Mittel ist oft nur über einen hohen Benetzungsgrad der Zielfläche zu erreichen. Diesem Ziel stehen jedoch Umweltbedingungen bei der Ausbringung wie Wind und hohe Temperaturen und dadurch Mittelverluste und Pflanzenschutzmitteleinträge in andere Flächen entgegen.

Ein hoher Benetzungsgrad ist vor allem für Kontaktmittel wichtig. Bei systemischen wirkenden Mitteln, die sich in der Pflanze verteilen, können auch große Tropfen zum Einsatz kommen. Schadorganismus, Wirkstoff und Tropfengröße müssen zueinander passen.

Bei einer Bodenherbizidmaßnahme im Vorauflauf auf feuchtem Boden können grobe bis ultragrobe Tropfen zum Einsatz kommen, auf die im Optimalfall ein Regenereignis folgen sollte, welches für zusätzliche Verteilung der Mittel sorgt.

Soll eine Behandlung tief in einen dichten Bestand eindringen, so nutzt man die Bewegungsenergie von mittleren bis groben Tropfen.

Kontaktfungizide benötigen mittlere bis (sehr) feine Tropfengrößen für eine optimale Benetzung, da sie nur den mit Mittel bedeckten Pflanzenteil schützen oder bei Kontakt mit dem Schadorganismus wirken. Die Benetzung kann bei allen Tropfengrößen durch Netzmittel verbessert werden. 

Die unterschiedlichen auf dem Markt erhältlichen Düsen liefern bei korrekter Anwendung viele differenzierte Tropfengrößen und Tropfenverteilungen. Je kleiner die Tropfen sind, desto besser kann die Verteilung auf der Zielfläche sein.

Mit steigendem Anteil kleiner Tropfen im Tropfenspektrum steigt aber auch das Risiko der Abdrift und der Verlust durch Verdunstung. Auch kann die Präzision der Querverteilung unter zu kleinen Tropfen leiden. Daher sollte das Tropfenspektrum immer so groß wie möglich sein und nur so fein wie nötig gewählt werden.

Abdriftminderung warum?

Abdrift ist zu vermeiden, da sie einerseits den Verlust von Pflanzenschutzmitteln auf der Zielfläche bedeuten, und andererseits gelangen Pflanzenschutzmittel auf Flächen, wo sie unerwünscht und evtl. schädlich sind. Dies muss zum Schutze von Nachbarkulturen, Mensch und Naturhaushalt vermieden werden.

Abdriftminderung wird in erster Linie durch Erhöhung der Tropfengröße erreicht. Daher ist es in sensiblen Bereichen notwendig, vom gewünschten optimalen Tropfenspektrum abzusehen und verlustmindernde Tropfengrößen zu wählen.

Der Schutz von Oberflächengewässern und Saumstrukturen ist in den Anwendungsbestimmungen der jeweiligen Pflanzenschutzmittel über Mindestabstände geregelt. Die Mindestabstände können über Verwendung von verlustmindernder Technik reduziert oder sogar aufgehoben werden.

Den Anwendungsbestimmungen liegen amtliche Risikobewertungen der Zulassungsbehörden zugrunde. Deren Nichtbeachtung erhöht die Einträge in Nachbarkulturen und in den Naturhaushalt. Verschärfungen der Anwendungsbestimmungen oder auch der Wegfall einzelner Mittel und Wirkstoffe können die Folge sein.

 

Abdriftmindernde Düsen für Feldspritzen

Welche Geräte bzw. welche Düsen für den jeweiligen Anwender in Frage kommen, hängt von den Schadorganismen, den Kulturen, den Wachstumsstadien den Pflanzenschutzmitteln, aber auch von den zu behandelnden Flächen und den hieran angrenzenden Nachbarflächen ab.

Es gibt Spezialdüsen mit sehr geringem Einsatzspektrum, aber auch vielseitig verwendbare „All-Round-Düsen“, die auch bei relativ hohem Spritzdruck noch die 90 % Abdriftminderung erreichen.

Für besonders hohe Flächenleistungen bei mehreren Kulturen bietet sich die Verwendung mehrerer Düsen auf einem Mehrfach-Düsenträger an. Es ist aber auch möglich, mit einer einzigen Düse gute Ergebnisse im gesamten Betriebsablauf zu erzielen. Diese Düse muss dann natürlich über ein entsprechend weites Einsatzspektrum verfügen. Allerdings kann es abhängig von der eingesetzten Düse sein, dass zur Erreichung der 90 % Abdriftminderung nur ein sehr niedriger Druck angesetzt werden kann. Dies hat dann natürlich auch deutliche Verringerungen der Fahrgeschwindigkeit und der Flächenleistung zur Folge.

Auf dem deutschen Markt haben sich aus vielen Anbietern von Düsentechnik vor allem drei Firmen bei der Abdrift mindernden Technik hervorgehoben. Das Sind die Firmen Lechler, Teejet und Agrotop. Aber auch die Hardy GmbH, Hypro EU LTD, John Deere und Danfoil haben Technik mit 90 % Abdriftminderung. Grundsätzlich können natürlich auch Produkte weitere Hersteller verwendet werden. Von essentieller Bedeutung ist jedoch bei allen Düsen die Eintragung in das Verzeichnis „Verlustmindernde Geräte“ des Julius Kühn-Institutes. Unter diesem Link finden Sie auch die „Universaltabelle für verlustmindernde Flachstrahldüsen“, in der Sie ablesen können, bei welcher Fahrgeschwindigkeit und welchem Druck Sie mit welcher Düse die gewünschte Abdriftminderung (50, 75, oder 90%) erreichen.

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    Fachgebiete: Pflanzenschutzgerätekontrolle, Anwendungstechnik und Umweltverhalten von Pflanzenschutzmitteln, Ausnahmegenehmigung gemäß § 12 Abs. 2 PflSchG