Düngung von Freilandgemüse

Freilandgemüse

Die heutzutage erzielbaren hohen Erträge mit besonderen Qualitäten werden nur mit einer optimierten, angepassten Düngung erreicht, die auch die tatsächlichen Nährstoffentzügen einbezieht. Die Höhe der erforderlichen Düngergaben und deren Aufteilung in Grund- und Kopfdüngungen sowie der pH-Wert (Kalkung) richten sich in erster Linie der Kultur, dem Ertragsniveau, der N-Mineralisierung durch Ernterückstände sowie Gründüngung und Humusgehalt, der Jahreszeit (Witterungsverlauf), dem Standort (Bodenart, Humusanteil, Tongehalt) und der Bodenbeschaffenheit sowie den Ergebnissen der Bodenuntersuchung.

 


Hier finden sich Werte zur

Nährstoffabfuhr nach Kultur und Ertrag
Düngungsempfehlungen für Gemüsekulturen
Anzurechnende Nährstoffe aus Ernteresten (in kg/ha)
Stickstoffentzug verschiedener Gemüsearten


Düngerbedarfsermittlung Stickstoff

Grundlage der Bemessung der Stickstoffgaben sind die sogenannten Nmin-Sollwerte. In den nachfolgenden Tabellen sind für die wichtigsten Gemüsearten die Nmin-Sollwerte aufgeführt. Sie wurden aufgrund vieler Praxisversuche ermittelt und gelten für ein normales Ertragspotential. Bei der Bedarfsermittlung müssen der Gehalt an Nmin im Boden und die zu erwartende Mineralisierung aus Ernterückständen vom Nmin-Sollwert abgezogen werden.
Grundsätzlich sollten Stickstoffgaben von mehr als 100 kg/ha wegen der Auswaschungsgefahr gesplittet werden. Bewährt haben sich Reihendüngerstreuer in Kombination mit Hackmaschinen. Nmin-Bodenproben sind direkt vor der Bestellung zu ziehen.


Berechnung

   Nmin-Sollwert der einzelnen Kulturen
-  Nmin-Vorrat des Bodens
+ Nmin-Wert aus Ernterückständen (Vorkultur, Gründüngung)
= zu düngende Stickstoffmenge


Gemüseanbau Nmin-Nitrachekverfahren

Berücksichtigung der im Boden verfügbaren Stickstoffmenge (Nmin)
Die nachfolgenden Ausführungen gelten zunächst für das laufende Düngejahr 2018 in Schleswig-Holstein. Bei der N-Bedarfsermittlung ist nach Düngeverordnung auch im Gemüsebereich der im Boden verfügbare Bodenstickstoff (Nmin) zu berücksichtigen und vom N-Bedarfswert (siehe Anlage 4, Tabelle 4 der Düngeverordnung) der jeweiligen Gemüsekultur abzuziehen. Die Berücksichtigung des verfügbaren Bodenstickstoffs erfolgt in Abhängigkeit der Fruchtart und der kulturspezifisch durchwurzelbaren Bodenschicht in drei Tiefen (0 bis 30, 30 bis 60 bzw. 60 bis 90 cm). Die bei den einzelnen Kulturen zu berücksichtigenden Probenahmetiefen und -schichten sind der Anlage 4, Tabelle 4 zu entnehmen. In der Regel ist die Ermittlung des verfügbaren Bodenstickstoffgehaltes zu Beginn des Anbaus der jeweiligen Gemüsekultur durchzuführen. Der verfügbare Stickstoffgehalt (Nmin) als Summe von Nitrat- und Ammoniumstickstoff kann durch betriebseigene Ergebnisse autorisierter Labore oder aus dem Nitratmessdienst der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein übernommen werden.

Im Gemüseanbau ist zu beachten, dass beim Anbau von Gemüse nach einer Gemüsevorkultur im selben Jahr die Ermittlung des verfügbaren Bodenstickstoffgehaltes nur durch Untersuchung eigener repräsentativer Bodenproben erfolgen kann. Die nach Landesrecht zuständige Stelle hält für solche Fälle keine Nmin-Richtwerte vor. In Schleswig-Holstein kann für die Ermittlung des verfügbaren Bodenstickstoffs (Nmin) in einer Gemüsefruchtfolge nach der Ernte der ersten Gemüsekultur bzw. beim satzweisen Anbau nach der Ernte des ersten Satzes die halbquantitative Schnellmethode unter Verwendung des „Nitracheks“ genutzt werden.

Da mit dem Nitrachek jedoch nur der Nitratstickstoffgehalt des Bodens ermittelt wird, im Nmin-Wert nach Düngeverordnung (VDLUFA-Methode) auch der Ammoniumgehalt des Bodens zu berücksichtigen ist, muss eine Korrektur des mit dem Nitracheck gewonnenen Messwertes erfolgen. Dem gemessenen bzw. berechneten Bodenstickstoffwert der Nitrachekmessung sind deshalb mindestens 5 kg NH4-N hinzuzurechnen.

Die Berechnung kann anhand des angefügten Excel-Rechners erfolgen. Abweichend von den benannten Regelungen zur Ermittlung der verfügbaren Stickstoffmenge im Boden, sind für einzelne Gemüsekulturen, die in der Anlage 4, Tabelle 4 nach Düngeverordnung der vorliegenden Fachinformation Spalte 3 „N-Bedarfswerte mit „*“ bzw. mit „**“ gekennzeichnet sind, Nmin-Werte in der vierten bzw. sechsten Kulturwoche nachzuweisen. Der Nachweis des verfügbaren Stickstoffgehaltes (Nmin) im Boden kann durch betriebseigene Ergebnisse autorisierter Labore oder durch betriebseigene Ergebnisse gemäß des beschriebenen Nitrachekverfahrens erfolgen.


Bei der Anwendung des Nitracheks sind die Vorgaben zur Nmin-Probenahme zu beachten und die Analysevorschrift des Nitrachekverfahrens einzuhalten (siehe Schnellbestimmung des Nitratgehaltes im Boden). Das beschriebene Nitrachekverfahren kann nur im beschriebenen Gemüsebereich angewendet werden.


Ansprechpartner

Robert Bode

Waldschlößchenstraße 47
25746 Heide
Tel. 0481/85094-53
Fax 0481/85094-49
rbode@lksh.de
Fachgebiete: Beratung Gemüsebau (Pflanzenschutz/Pflanzenbau), Ökologischer Gemüsebau, Qualitätskontrolle bei Obst und Gemüse

Dr. Lars Biernat

Grüner Kamp 15-17
24768 Rendsburg
Tel. 04331/9453-340
Fax 04331/9453-349
lbiernat@lksh.de
Fachgebiete: Düngeverordnung (DÜV), Mikronährstoffdüngung, Biogassubstrat, Düngungsversuche


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