Temperaturen bis zu 40 Grad: Hitzestress bei Kühen

Daher ist es jetzt höchste Zeit, den Stall und das Herdenmanagement auf den Sommerbetrieb einzustellen.

Das Temperaturoptimum der modernen Hochleistungskuh um liegt 0 °C . In diesem Bereich muss die Kuh weder zusätzliche Wärme zum Erhalt ihrer Körpertemperatur bilden, noch bereitet die Abgabe der bis zu 2.000 Watt Wärmeleistung Probleme. Bei einer mittleren Sommertemperatur der etwa 18 °C und dem feuchteren Seeklima kann es auch bei uns im Norden für hochleistende Kühe im Sommer schnell zu warm werden und zu "Hitzestress" für die Tiere kommen.

Diese Wärmeabgabe realisiert die Kuh sowohl über Wärmeabstrahlung im Infrarotbereich, Wärmeableitung über den Kontakt zu kühleren oder leitenden Oberflächen oder durch Verdunstung von Schweiß auf der Haut und Wasser aus den Atemwegen. Damit diese Kühlmechanismen optimal arbeiten können, braucht die Kuh die niedrigen Temperaturen sowie mittlere oder geringe Luftfeuchte und ausreichend Luftbewegung.

Anzeichen für Hitzestress bei Kühen

Auf den Wärmestau, der sich im Laufe eines warmen Tages noch weiter steigert, reagieren Kühe mit folgenden Verhaltensänderungen:

  • verlängertes Stehen statt zu Liegen: Dies erleichtert die Wärmeabgabe über die ganze Körperoberfläche
  • Beschleunigte Atmung bis hin zum Hecheln, Schwitzen, Tränenfluss
  • Rückgang der Futteraufnahme
  • Bevorzugt selektives Fressen von stärkereichen Futtermitteln
  • Verminderte Wiederkauaktivität
  • Erhöhte Wasseraufnahme
  • Rückgang der Milchleistung

Belüftung

Sowohl die Wärmebelastung im Stall ist abzusenken als auch der Kuh die Abgabe der Wärmelast zu erleichtern. Ideal ist es, wenn die Kuh dort gekühlt wird, wo sie den größten Wärmestau erlebt: Das sind zum einen die Liegeboxen und zum anderen der Vorwartehof, in dem die Kühe dicht gedrängt stehen. Hohe offene Stallseiten sind seit vielen Jahren der Standard, doch an windarmen Tagen nicht immer ausreichend, die natürliche Querlüftung im Stall zu gewährleisten. Stallungen mit isoliertem oder mit Solarmodulen beschattetem Dach ohne Lichtplatten sind für eine gute Belüftung hilfreich.

Beim Einsatz von Ventilatoren gibt es zwischen den Arbeitsweisen der Geräte als auch zwischen ähnlichen Modellen verschiedener Hersteller erhebliche Unterschiede. So sind viele Lüfter für die Längs- oder Querlüftung im Stall konzipiert, andere hingegen werden als Langsamläufer mit einem hohen Durchmesser oder als Lüftungsmodul unter die Stalldecke gehängt, um von oben herab die Luft in Bewegung zu setzen. Dabei ist zu beachten, dass nicht nur die Luftbewegung allein die Kühlung verursacht, sondern vor allem die Verdunstung von Feuchtigkeit auf der Haut die Kuh kühlt. Dabei ist es die Aufgabe der Lüftung, kühlere und vor allem trockenere Luft an das Tier heranzubringen und warm-feuchte Luft an der Körperoberfläche immer wieder zu verdrängen. Lüfter, welche trockenere Luft von außen in den Stall bringen sind deutlich effektiver als Lüfter, die lediglich die erwärmte und feuchte Luft im Stall herumwirbeln. Es ist wichtig, den Tierbereich und nicht das Futter oder die Laufgänge zu lüften!

Jeder Lüftereinbau sollte deshalb fachmännisch geplant werden. Die Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer beraten Sie gern.

Wassersprühsysteme

Im norddeutschen Raum sind Kuhduschen und Wassersprühsysteme zur Beregnung von Kühen sehr wenig verbreitet und das aus gutem Grund: weniger extreme Temperaturen sowie die zumeist höhere Luftfeuchtigkeit im Norden. Bei hoher Luftfeuchte ist die Verdunstung deutlich erschwert, da die Luft kaum noch Wasser aufnehmen kann. Es besteht deshalb die Gefahr, dass durch die Beregnung der Kühe die Luftfeuchte im Stall auf Tropenniveau angehoben wird und dies auch das natürliche Schwitzen erschwert. So kann sich der erhoffte Effekt ins Gegenteil drehen und den Hitzestress noch verstärken. Zudem ist bei gleichzeitiger Beregnung und Ventilatoreneinsatz Vorsicht geboten: Bei nasser Hautoberfläche empfinden die Kühe viel schneller Zugluft und es kann durch ungewollte Unterkühlungen sogar zu Lungenentzündungen im Sommer kommen. Der alleinige Lüftereinsatz erscheint im Seeklima der sicherere Weg zu sein und der Wassereinsatz sollte als Notfallmaßnahme auf Tage mit sehr niedriger Luftfeuchte beschränkt bleiben.

Wie stark die Kombination aus Temperatur und Luftfeuchte Rinder beeinträchtigt, kann in der Übersicht zum Temperatur-Feuchte Index (TFI, englisch THI) eingesehen werden.

Wasserbedarf

Damit der Kreislauf der Kuh optimal funktionieren kann, muss die Wärme aus dem Körperinneren nach außen gebracht werden. Wenn zugleich aber über Schwitzen und beschleunigte Atmung Wasser verloren geht, steigt der Wasserbedarf der Kuh schnell um ein Fünftel an. Deshalb mussen genügend freie, saubere und intakte Tränken vorhanden sein. Für die Tränkenanzahl gilt die Faustformel, dass für 20 Kühe je eine Tränke vorhanden sein muss und zusätzlich eine „für die Gruppe“, sodass auch in kleinen Gruppen bis 20 Kühen immer zwei Tränken nutzbar sein müssen. Die Reinigung mit einer sauberen Bürste und Wasserwechsel sollte im Sommer eine tägliche Routineaufgabe sein.

ACHTUNG:
Schalentränken eignen sich weder für laktierende Rinder noch für trockenstehende Kühe, da der nötige Durchfluss von mehr als 20 l nicht erreicht werden kann und so die Wasseraufnahme gehemmt wird.

Wärmestauvermeidung

Neben der Stoffwechselwärme belastet auch die Energieaufnahme durch Sonneneinstrahlung die Rinder. Insbesondere der Weidegang am Tag oder das Liegen unter Lichtplatten kann zu einer erheblichen Aufheizung des Rinderkörpers führen. Einem Kreislaufkollaps durch Sonnenstich ist hier zu vorzubeugen. Daher sollten auf Weiden neben dem frischen Wind auch immer Schattenspender vorhanden sein oder Kühe sollten an heißen Tagen die Möglichkeit erhalten, den schattigen und gut gelüfteten Stall aufzusuchen. Hier bietet es sich zudem an, den Weidegang in die Nacht zu verlegen. Beim Stallbau sollten dämmende Dacheindeckungen den günstigen Baustoffen Blech oder Faserzement vorgezogen werden, da sich dies langfristig positiv auf das Stallwetter auswirkt.

Pansenstabilisierung

Durch das vermehrte Stehen und die verminderte Grobfutteraufnahme sinkt die Wiederkautätigkeit ab. Dies kann die Entwicklung von Pansenazidosen und Verdauungsstörungen fördern. Zugleich verliert die Kuh durch die beschleunigte Atmung große Mengen Bicarbonat-Puffer aus dem Blut, der zur Stabilisierung des Pansenmilieus nötig ist. Dem kann durch folgende Maßnahmen entgegengewirkt werden:

  • Zweimal täglich frisch gemischtes Futter vorlegen und so oft wie möglich Futter ranschieben (tagsüber alle 2 Stunden automatisch).
  • Verlegung der Fütterungen in den späteren Abend und den frühen Morgen
  • Futtertisch täglich säubern (Futtertischversiegelung prüfen).
  • Sicherung optimaler Futterqualität (keine erwärmten/verschimmelten Silagen, buttersäurefrei).
  • Nacherwärmung vermeiden durch Vorschub von deutlich mehr als 2 m pro Woche, saubere Anschnitte, falls nötig Einsatz von Propionsäure zur Stabilisierung.

Zusätzlich kann die Gabe von stabilisierenden Futterzusätzen wie bestimmten (Lebend-) Hefeprodukten, Kalium- oder Natriumbicarbonat helfen, Pansen und Stoffwechsel zu stabilisieren. Der Einsatz von geschützten Futterfetten zur Erhöhung der Energiedichte ist nicht ohne Risiko. Dies kann zwar den Milchfettgehalt steigern, entlastet aber nicht zwingend den Energiestoffwechsel der Kuh. Zusätze wie Propylenglykol, Glycerin oder Propionat hingegen können die Ketosegefahr reduzieren und so zur Stoffwechselentlastung beitragen. Generell kann es ratsam sein, in Hitzeperioden die Mineralfuttergabe anzuheben, um Elektrolytverluste durch das Schwitzen auszugleichen und der Kuh mehr Antioxidantien wie Vitamin E und Selen zur Verfügung zu stellen. Viehsalz sollte ohnehin immer zur freien Aufnahme als Leckstein angeboten werden.

Dr. Ole Lamp, Landwirtschaftskammer SH

 

Jakobskreuzkraut: Gelbe Pracht mit bitterem Beigeschmack

Heimische Giftpflanze ist eine ernste Bedrohung für Weidetiere

Für die Artenvielfalt mag das Jakobskreuzkraut (JKK) ein Gewinn sein, für die Weidetierehaltung und Futterkonservierung kann es ein ernstes Problem darstellen, die man nicht unterschätzen sollte. Durch ein kluges Risikomanagement sind Vergiftungen mit Leberschäden bei den Weidetieren eindämmbar.

Hintergrund: Die gefährlichen Giftstoffe im JKK sind die Pyrrolizidinalkaloide (PA). Diese Stoffgruppe gehört allgemein im Pflanzenreich zu den am weitesten verbreiteten Giften. Die PA entfalten erst in der Leber infolge der  Verstoffwechselung ihre giftige Wirkung. Akutes Leberversagen nach hohen Aufnahmemengen kann die Folge sein. Selbst bei häufiger Aufnahme von geringen Mengen droht eine schleichende Leberschädigung mit Zelluntergang (Nekrose) bis hin zur Leberzirrhose und Lebertumoren sowie entsprechenden Langzeitfolgen (Leistungsrückgang, Kümmern, plötzliches Versterben durch Organversagen oder Krebs).
Problematisch ist, dass JKK-Pflanzenteile nach dem Mähen oder in Futterkonservaten schlechter von Haustieren erkannt und aussortiert werden können, da beispielsweise in Silagen der Geschmack überdeckt sein könnte. Normalerweise werden frische Pflanzenanteile im Futter, die bitter schmecken, von den Weidetieren nach einigen Probebissen gemieden. Ob der bittere Geschmack des JKK jedoch beim Trocknen oder Silieren abnimmt, da einige der Bitterstoffe chemisch sehr stabil sind, ist nicht ausreichend gesichert. Es existieren hierzu keine belastbaren Empfehlungen.

Risikomanagement

Neben den naturschutzrechtlich besonders geschützten oder ökologisch bewirtschafteten Flächen kommt es auch auf konventionell geführtem Grünland immer wieder zum Auftreten von JKK, wenn dessen Samen über Straßenränder, Bahndämme oder von Nachbarflächen mit hohem Befall eingetragen werden oder ein erstes Auftreten nicht konsequent unterbunden wurde. Dabei ist zu beachten, dass eine blühende JKK-Pflanze bis zu einige zehntausend Samen bilden kann, die vom Wind bis zu 40 m verbreitet werden können. Zudem bleiben diese Samen im Boden viele Jahre keimfähig, sodass es nach Umbruchmaßnahmen oder Narbenerneuerung zu einem erneuten Auflaufen der Altlasten kommen kann. Daher ist bei allen Maßnahmen immer ein langer Atem und eine gute Zusammenarbeit aller Nachbarn sowie von Pächtern und Verpächtern in einer betroffenen Region gefordert.

Sinnvolle Bekämpfungsmaßnahmen

  • regelmäßige Beobachtung der Flächen (nicht alle Pflanzen keimen gleichzeitig)
  • mechanische Bekämpfung wie Ausreißen/Ausstechen von Einzelpflanzen mit Wurzel oder Nestern
  • chemischen Bekämpfung im Rosettenstadium bei Wuchshöhe von 10 bis 20 cm, sofern möglich und zulässig
    Grundsätzlich sollte immer eine Einzelpflanzenbehandlung der Flächenbehandlung vorgezogen werden. Einzelpflanzen können mit einer 1%igen Simplexlösung mit der Rückenspritze bekämpft werden. Bei flächenmäßigem Auftreten stellt der Einsatz von 2 l/ha Simplex eine sichere Maßnahme dar. Zu berücksichtigen bleiben die Anwendungsbestimmungen und Auflagen der angewendeten Mittel. Auch die Wartezeiten sind zu beachten.
  • Spezielle Mähkonzepte (z. B. vor der Blüte)
  • Ein Abfahren oder vollständiges Verrotten der Pflanzen muss vor einer Beweidung erfolgen
  • die Ansiedlung des natürlichen Fraßfeindes des JKK, dem Blutbären, einem auch als Jakobskrautbär oder Karminbär bekannten Schmetterling

Extensiv genutztes Grünland darf jedoch teilweise nicht vor dem 1. Juli gemäht werden, eine Pflegemaßnahme muss daher zeitnah erfolgen, da sich Pflanzen bereits in der Blüte befinden können.
Eine Nutzungsänderung und intensivere Pflege haben positive Effekte auf die Zurückdrängung von Jakobskreuzkraut.

Fachgerechte Entsorgung

Entfernte Pflanzen sollten fachgerecht entsorgt werden. Einzelpflanzen können in die Restmülltonne geworfen werden. Eine Entsorgung auf dem Kompost ist nicht empfehlenswert, da die Pflanzen nachreifen können. Bei größeren Mengen sollte bei den zuständigen Ämtern nach Bioabfallbehandlungsanlagen gefragt werden.

Arbeitsschutzbeim Umgang mit der Pflanze

Es ist immer zu bedenken, dass die Pflanzenstoffe nicht nur beim Verzehr, sondern auch in geringem Umfang über die Haut aufgenommen werden können. Es sollten daher immer geeignete Handschuhe getragen werden, um die eigene Gesundheit zu schützen. Langfristig wird die Ausbreitung auf intensiv geführtem Grünland vor allem durch einen guten Narbenschluss vermieden, da der Samen des JKK nur auf offenem Boden erfolgreich keimen kann. Daher kommt der Grünlandpflege nach guter fachlicher Praxis mit regelmäßiger Grasnachsaat eine hohe Bedeutung zu.

Tierschutz beachten

Ein fahrlässiger Umgang mit dieser Problematik kann einen Verstoß gegen das Tierschutzrecht bedeuten. So besagt das Tierschutzgesetz, dass Tierhalter ihr Tier „seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren“ müssen (§ 2) und verbietet, „einem Tier Futter darzureichen, das dem Tier erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden bereitet“ (§ 3).

Hinweis zum Bienenschutz: Für die Honigbiene ist das Jakobskreuzkraut keine attraktive Trachtpflanze. Sie wird nur bei mangelnden Alternativen befolgen. Pyrrolizidinalkaloid belasteter Honig wird in Deutschland nur sehr selten festgestellt. Honig, welcher aus Regionen mit massiven Vorkommen von Jakobskreuzkraut stammt, kann aber belastet sein. Die von Bienen beflogene Fläche kann nicht klar abgegrenzt werden. Daher sollte ein massives Vorkommen der Jakobskreuzkrautpflanzen auch bei der Nutzung zur Honiggewinnung vermieden werden.

Futtermittelrecht einhalten

Für konserviertes Grobfutter in Form von Heu oder Silage gilt in den meisten Fällen das EU-Futtermittelrecht. Insbesondere Artikel 15 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 verbietet, dass „nicht sichere Futtermittel“ an Lebensmittel liefernde Tiere verfüttert werden oder anderweitig in Verkehr gebracht, also gehandelt oder weitergegeben werden. „Nicht sicher“ sind dabei vor allem Futtermittel, die die Gesundheit von Mensch oder Tier beeinträchtigen können. Somit sollten von wissentlich mit JKK belasteten Flächen keine Futterkonserven hergestellt oder eingesetzt werden, da dies sonst neben dem Schaden an den Tieren zu CC-Rechtsverstößen mit Prämienabzug oder anderen Strafen führen könnte. Verkäufer von belastetem Grobfutter sollten dieses bei Reklamation anstandslos zurücknehmen und derartige Chargen sachgerecht beseitigen.

Zu Fragen der Grünlandpflege und Pflanzenschutzmaßnahmen können Sie sich zudem an die Berater der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein wenden.

Nils Klein (Pflanzenschutz), Dr. Ole Lamp (Tierhaltung), Tammo Peters (Grünland), Landwirtschaftskammer

Broschüre zum Jakobskreuzkraut