Diskussion Düngeverordnung 2020

Was wird diskutiert?

Hintergrund:

Mit Urteil vom 21. Juni 2018 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) festgestellt, dass Deutschland die Nitrat-Richtlinie verletzt hat. Der Verstoß liege darin, dass die Bundesrepublik im September 2014 keine weiteren „zusätzlichen Maßnahmen oder verstärkte Aktionen“ zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus der Landwirtschaft ergriffen habe, obwohl deutlich gewesen sei, dass die bis dahin ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichten. Die am 2. Juni 2017 in Kraft getretene novellierte Düngeverordnung war nicht Gegenstand des Verfahrens, sondern die alte Düngeverordnung von 2006. Auf Grund des Urteils des Europäischen Gerichtshofes sieht die Europäische Kommission allerdings auch Anpassungsbedarf an der Düngeverordnung aus 2017. Mit dem Mahnschreiben leitet die Kommission das Zweitverfahren ein, da Deutschland nach Auffassung der Kommission noch nicht die notwendigen Maßnahmen zur Umsetzung des genannten Urteils getroffen hat. (Pressemitteilung BMEL Nr. 170 vom 21.08.19)

Zeitplan:

Die Novellierung der Düngeverordnung ist für das Frühjahr 2020 zu erwarten.

Entwurf Düngeverordnung:

Seit geraumer Zeit wird seitens der Bundesregierung an einer Neufassung der Düngeverordnung gearbeitet. Meldungen deuten nun auf eine zeitnahe Umsetzung hin. In diesem Zusammenhang wurde zum 20.12.2019 ein Referentenentwurf zurDüngeverordnung durch die Bundesregierung erstellt und übersendet, welcher sich derzeit in der Verbandsanhörung befindet. Nachfolgend werden die wesentlichen Inhalte aufgeführt.

Anpassungen für alle Betriebe

  • Wegfall des Nährstoffvergleiches für N und P. Als Ersatz für den bekannten verpflichtend zu erstellenden Nährstoffvergleich soll die schlaggenaue und zeitnahe Aufzeichnung der tatsächlich aufgebrachten  Düngemengen (mineralische, organische) eingeführt werden.
     
  • Begrenzung der Ausbringmenge für flüssige organische Düngemittel auf Grünland und auf Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau bei einer Aussaat bis zum 15. Mai auf 80 kg Gesamt-N/ha in der Zeit vom 01.09. bis zum Einsetzen der Sperrfrist.
     
  • Verlängerung der Sperrfrist für Festmist von Huf-oder Klauentieren sowie Komposte um zwei Wochen (01.12. bis zum 15.01.).
     
  • Einführung einer Sperrfrist für P-haltige Düngemittel (01.12. bis 15.01.).
     
  • Verbindliche Anrechnung der N-Düngung im Herbst zu Winterraps und Wintergerste in Höhe der pflanzenverfügbaren Menge auf den N-Düngebedarfswert dieser Kulturen im Frühjahr.
     
  • Überschreitung des ursprünglich ermittelten N-Düngebedarfs infolge nachträglich eintretender Umstände um maximal 10 Prozent .
     
  • Berücksichtigung von Flächen mit Düngebeschränkung nur bis zur Höhe der tatsächlich zulässigen N-Düngung bei der Berechnung der 170 kg N- Obergrenze für organische Düngemittel.
     
  • Erhöhung der Mindestwirksamkeit von Rinder- und Schweinegülle sowie flüssigen Gärresten um 10 Prozentpunkte
    a) auf Ackerland ab 01.02.2020 und
    b) auf Grünland ab 01.02.2025.
     
  • Verkürzung der Einarbeitungszeit für flüssige Wirtschaftsdünger bei der Aufbringung auf unbestelltem Ackerland auf eine Stunde ab 01.02.2025.
     
  • Begrenzung der Gesamtstickstoffmenge bei der Aufbringung von Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost auf gefrorenem Boden auf maximal 120 kg Gesamtstickstoff.
     
  • Erhöhung des Gewässerabstandes bei Flächen ab 5 Prozent Hangneigung ohne Düngung von einem Meter auf drei Meter.
     
  • Sofortige Einarbeitungspflicht ab 5 Prozent Hangneigung für Düngemittel auf unbestelltem Ackerland; auf bestellten Ackerflächen ist die Düngung bei Reihenkultur ≥ 45 cm Reihenabstand nur mit Untersaat oder sofortiger Einarbeitung, ohne Reihenkultur nur bei hinreichendem Pflanzenbestand bzw. Mulch-/ Direktsaat zulässig.
     
  • Erhöhung des Gewässerabstandes bei Flächen ab 10 Prozent Hangneigung ohne Düngung auf fünf  Meter .
     
  • Verpflichtung zur Aufteilung der Düngegabe ab einer Hangneigung von 10 Prozent, wenn der Düngebedarf mehr als 80 kg N/ha beträgt.

Erhöhung des Gewässerabstandes in hängigem Gelände ab 15 Prozent Hangneigung ohne Düngung von jetzt 5 Meter auf 10 Meter.

Zusätzliche Anpassungen für Betriebe in der N-Kulisse:

  • Verringerung des Düngebedarfs um 20 Prozent im Betriebsdurchschnitt der Flächen des Betriebes, die in der N-Kulisse bewirtschaftet werden. (Länder können unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen für Dauergrünland  bezüglich dieser Regelung definieren).
     
  • Schlagbezogene N-Obergrenze für die Ausbringung von organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln in Höhe von 170 kg N je Hektar. (Bisher wird die 170 kg N-Obergrenze nicht flächenscharf bewertet sondern auf den Durchschnitt der Betriebsfläche bezogen).

    Betriebe, die weniger als 160 kg Gesamtstickstoff je Hektar und davon nicht mehr als 80 kg in Form von mineralischen Düngemitteln aufbringen sind von den beiden vorherig dargestellten Maßnahmen ausgenommen (Extensiv wirtschaftende Betriebe).
     
  • Einführung eines N-Herbstdüngungsverbotes zu Winterraps, Wintergerste und zu Zwischenfrüchten ohne Futternutzung. Eine Ausnahme vom Herbstdüngungsverbot soll es für Winterraps geben, wenn über eine Bodenprobe nachgewiesen werden kann, dass der Nmin-Gehalt im Boden unter 45 kg N/ha liegt).
     
  • Eine N-Düngung bei Sommerkulturen mit einer Aussaat nach Ende Sperrfrist ist nur gestattet, wenn auf der jeweiligen Fläche im Herbst des Vorjahres eine Zwischenfrucht angebaut wurde, die nicht vor dem 15. Januar umgebrochen wurde. Eine Ausnahme von dem Begrünungsgebot ist gegeben, wenn auf den jeweiligen Flächen im Vorjahr Kulturen standen, die nach dem 1. Oktober geerntet wurden und für Flächen in Gebieten, in denen der jährliche Niederschlag im langjährigen Mittel weniger als 650 Millimeter beträgt.  Verlängerung der Sperrfrist für Festmist von Huf-oder Klauentieren sowie Kompost auf  drei Monate (1.11. bis 31.01.; derzeit 15.12. bis 15.01.).
     
  • Verlängerung der Sperrfrist für Grünland und für Flächen des mehrschnittigen Feldfutterbaus bei einer Aussaat bis zum 15. Mai in der N-Gebietskulisse um zwei weitere Wochen (01.10. bis 31.01.; derzeit in Schleswig-Holstein 15.10. bis 31.01.).
     
  • Begrenzung der Ausbringmenge für flüssige organische Düngemittel auf Grünland und auf Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau bei einer Aussaat bis zum 15. Mai auf 60 kg Gesamt-N/ha in der Zeit vom 01.09. bis zum Einsetzen der Sperrfrist.

Hinweis:

Wir weisen darauf hin, dass im Rahmen des abschließenden Prüfverfahrens, auch im Bundesratsverfahren, mögliche Anpassungen des Verordnungsentwurfes nicht auszuschließen sind. Aufgrund der Vielzahl von Änderungen der Verordnung sieht sich die Landwirtschaftskammer in der Pflicht, die Betriebe weiterhin für die geforderten Neuerungen zu sensibilisieren und als Offizialberatung wird sie den Weg der landwirtschaftlichen Praxis auch künftig intensiv begleiten

Auf fachlich kritisch einzuordnende Maßnahmen, die unter anderem nicht dem Grundsatz einer bedarfs- und fachgerechten Düngung entsprechen (z.B. pauschale Absenkung des Düngebedarfs um 20 Prozent, Berücksichtigung der N-Herbstdüngung bei der Frühjahrsbedarfsermittlung, pauschales Herbstdüngungsverbot usw.) hat die Landwirtschaftskammer durch ihre Stellungnahmen gegenüber politischen Entscheidungsträgern deutlich gemacht.

Stand 15.01.2020

  • Henning Schuch

    Grüner Kamp 15-17
    24768 Rendsburg

    Tel. +49 4331 9453-353
    Fax +49 4331 9453-349
    hschuch@lksh.de

    Düngeverordnung (DÜV), Mikronährstoffdüngung, Biogassubstrat, Düngungsversuche

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    Dr. Lars Biernat

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    24768 Rendsburg

    Tel. +49 4331 9453-340
    Fax +49 4331 9453-349
    lbiernat@lksh.de

    Fachbereichsleitung Umwelt: Grundwasserschutzberatung und Bodenschutz, Umwelt- und Naturschutz, Knickpflege