FAQs Finanzierung und Liquidität

Wichtige Fragen zur Abfederung der finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise im Agrarbereich:

  1. Welche Corona-Soforthilfen gibt es für landwirtschaftliche Betriebe, (Gast-)Gewerbebetriebe und freiberufliche Unternehmen?
  2. Welche Liquiditätshilfedarlehen gibt es?
  3. Was leistet die Finanzierungsinitiative für Stabilität des Landes Schleswig-Holstein?
  4. Mittelstandssicherungsfonds: Welche spezielle Unterstützung können Betriebe aus dem Beherbergungs-, Hotel- und Gastronomiebereich bekommen?
  5. Welche Beiträge können gestundet werden?
  6. Welche weiteren finanziellen Hilfsmaßnahmen gibt es?
  7. Wo finde ich Beratung?

1. Welche Corona-Soforthilfen gibt es für landwirtschaftliche Betriebe, (Gast-)Gewerbebetriebe und freiberufliche Unternehmen?

Kleine und mittelständische Unternehmen, die coronabedingt ihren Betrieb ganz oder teilweise einstellen mussten bzw. müssen, können Überbrückungshilfen vom Bund beantragen. Bis Ende Mai konnten Solo-Selbständige und Unternehmen in Schleswig-Holstein Corona-Soforthilfen beantragen. Die Corona-Überbrückungshilfe ist die Folgeregelung der Corona-Soforthilfen.

Antragsberechtigt sind kleine und mittelständische Betriebe, die im April und Mai 2020 zusammengenommen einen Umsatzeinbruch um mindestens 60 Prozent gegenüber den entsprechenden Vorjahresmonaten erlitten haben und auch in der Zeit von Juni bis August 2020 mehr als 40 Prozent Umsatzminus gegenüber 2019 zu verzeichnen haben.

Die Zahlungen erfolgen in Abhängigkeit vom Umsatzrückgang. Bei einem Umsatzrückgang von mindestens 40 Prozent werden bis zu 40 Prozent der monatlichen Fixkosten gezahlt. Bei Umsatzeinbußen von mehr als 50 Prozent und bis zu 70 Prozent gibt es 50 Prozent der fixen Betriebskosten. Bei Umsatzeinbußen von mehr als 70 Prozent werden 80 Prozent der fixen Betriebskosten erstattet.

Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten können höchstens 9.000 Euro, Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten können höchstens 15.000 Euro erhalten.

Im Gegensatz zu den bisherigen Soforthilfen können die Überbrückungshilfen nur über Steuerberater beantragt werden.

Anträge auf Überbrückungshilfe sind spätestens bis zum 30. September 2020 zu stellen.

2. Welche Liquiditätshilfedarlehen gibt es?

Die Landwirtschaftliche Rentenbank gewährt Unternehmen der Landwirtschaft und des Gartenbaus Liquiditätssicherungsdarlehen, wenn der Finanzierungsbedarf durch die Ausbreitung des Coronavirus entstanden ist:

  • zinsgünstige Ratendarlehen mit einer Laufzeit von 4, 6 oder 10 Jahren (Nr. 246)
  • einmaliger Förderzuschuss
  • Darlehen können bei kleinen und mittleren Unternehmen zu 90 Prozent, bei Großunternehmen zu 90 Prozent verbürgt werden (Nr. 302/303)

Mehr Informationen siehe www.rentenbank.de

Antragsweg: Hausbank.

Für gewerbliche Unternehmen hat die KfW Bankengruppe das Sonderprogramm 2020 aufgelegt. Die Programme KfW-Unternehmerkredit, ERP-Gründerkredit und Direktbeteiligung für Konsortialfinanzierung wurden hierfür erweitert. Voraussetzung für das Sonderprogramm 2020 ist u.a., dass das Unternehmen bis zum 31.12.2019 nicht in finanziellen Schwierigkeiten war. Kernpunkt des Sonderprogramms ist eine erhöhte Risikoübernahme durch die KfW. Den durchleitenden Finanzierungspartnern (Banken, Sparkassen) wird auf Wunsch eine Haftungsfreistellung von 80% bzw. für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von 90% gewährt.

KfW-Unternehmerkredit und ERP Gründerkredit Universell beinhalten zinsgünstige Darlehen für Betriebsmittel und Investitionen mit einer Laufzeit von 2 oder 5 Jahren.

Mehr Informationen siehe: www.kfw.de

Antragsweg: Hausbank/Finanzierungspartner

3. Was leistet die Finanzierungsinitiative für Stabilität des Landes Schleswig-Holstein?

Die Förderinstitute des Landes Schleswig-Holstein (Investitionsbank, Bürgschaftsbank, Mittelständische Beteiligungsgesellschaft) bieten klein- und mittelständischen Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen den Zugang zu Krediten und Eigenkapital. Es muss ein etabliertes Geschäftsmodell mit ausreichenden Perspektiven vorliegen und die nachhaltige Kapitaldienstfähigkeit gewährleistet sein. 

Die Bürgschaftsbank Schleswig-Holstein gewährt bis zum 31.12.2020 Erleichterungen bei der Vergabe von Bürgschaften.

Mehr Informationen siehe: www.ib-sh.de

Antragsweg: Hausbank.

4. Mittelstandssicherungsfonds: Welche spezielle Unterstützung können Betriebe aus dem Beherbergungs-, Hotel- und Gastronomiebereich bekommen?

Für Betriebe aus dem Beherbergungs-, Hotel- und Gastronomiebereich, die im Zuge der Corona-Krise in einen Liquiditätsengpass geraten sind,  bietet der Mittelstandssicherungsfonds der IB.SH spezielle Darlehen an (Darlehen ab 15 T€ bis 750 T€, erste 5 Jahre zinslos, Laufzeit 5 Jahre mit Option zur Anschlussfinanzierung für weitere 7 Jahre).

Der Mittelstandssicherungsfonds für das Gastgewerbe unterscheidet sich von der Soforthilfe in fünf Punkten:

  1. ist speziell für die Hotellerie, Beherbergung und Gastronomie
  2. er ist zunächst ein zinsfreier Kredit
  3. sein maximales Budget beträgt für ganz Schleswig-Holstein derzeit 300 Mio. €
  4. er kann (nur) bis zum 31.05.2020 beantragt werden.

Bauernhofcafés oder Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Höfen können auf Grundlage der Umsatzerwartungen aus der Vergangenheit schon heute den Mittelstandssicherungsfonds für die kommenden Monate beantragen. Die Beantragung läuft über die Hausbank. 

Achtung: Hier gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Das heißt, die Mittel werden nach Eingangzeitpunkt des Antrags bewilligt solange Geld im Topf ist. 

Sollte man die beantragten Mittel aus dem Mittelstandssicherungsfonds nicht oder nicht vollständig brauchen, kann eine Rückzahlung des Kredits ohne finanziellen Zusatzaufwand an die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) gemacht werden. Wenn man aber einen zu niedrigen Kredit beantragt, ist es nicht möglich einen „Nachschlag“ nachträglich zu beantragen.

Seit dem 21.04.2020 kann dieser Fonds auch von privaten Vermieter/-innen beantragt werden unter folgender Bedingung:

  • mehr als die Hälfte der Einnahmen (ohne Abzug von Werbungskosten und Betriebsausgaben) aus der Vermietung von Ferienwohnungen und -häusern für touristische Zwecke erzielt werden (Haupterwerb).
    Dabei werden die Einnahmen aus Vermietung mit den übrigen Einnahmen (z. B. Einnahmen aus nicht selbständiger Arbeit oder Kapitalvermögen) ins Verhältnis gesetzt. Maßgeblich ist hier das Kalenderjahr 2019 oder – bei Neueröffnungen in 2019/2020 – die plausibilisierten Planeinnahmen für 2019/2020. Private Vermieter benötigen keinen Gewerbeschein. 

Mehr Informationen siehe www.ib-sh.de

Antragsweg: Hausbank.

5. Welche Beiträge können gestundet werden?

Die Finanzbehörden der Länder gewähren auf Antrag bei nachweislicher Betroffenheit eine zinslose Stundung fälliger Steuern und eine Herabsetzung von Steuervorauszahlungen. 

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) gewährt auf Antrag mit kurzer Begründung eine zinslose Stundung der Sozialversicherungsbeiträge zur Alters-, Kranken- und Pflegekasse sowie zur Berufsgenossenschaft. Mahnungen und Vollstreckungen werden zunächst bis Ende 2020 ausgesetzt.
Arbeitgeber können bei der zuständigen Krankenkasse einen Antrag auf Stundung der Sozialversicherungsbeiträge für die Beschäftigten stellen. Es sind allerdings vorrangig andere Hilfen wie Kurzarbeitergeld, Förderprogramme und Kredite zu nutzen.

Können Mieter und Pächter im Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 aufgrund der Corona Pandemie  ihre Miete bzw. Pacht nicht zahlen, kann ihnen der Vermieter/Verpächter deswegen nicht kündigen.

6. Welche weiteren finanziellen Hilfsmaßnahmen gibt es?

Bei erheblichem Arbeitsausfall kann ein Unternehmen Kurzarbeitergeld für die Beschäftigtenbeantragen. Anspruch besteht, wenn mindestens 10% der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10% haben. Das Kurzarbeitergeld umfasst 60% des ausgefallenen Nettolohns, bei Arbeitnehmer/innen mit mindestens einem Kind 67%. 

Mehr Informationen siehe
www.arbeitsagentur.de/news/corona-virus-informationen-fuer-unternehmen-zum-kurzarbeitergeld

Antragsweg: Agentur für Arbeit.

7. Wo finde ich Beratung?

Die Beratungskräfte der Landwirtschaftskammer unterstützen bei Antragstellungen sowie bei der Aufstellung von Konsolidierungskonzepten und Liquiditätsplänen.

Unternehmensberatung:  www.lksh.de/beratung/unternehmensberatung/

Sozio-ökonomische Beratung: www.lksh.de/beratung/soziooekonomische-beratung/

Beraterinnen Einkommenskombinationen: www.lksh.de/beratung/beratung-in-einkommensalternativen/

Information und Beratung zu Förderprogrammen bieten darüber hinaus Steuerberater und weitere betriebliche Beratungsdienste.

Verschiedene Institutionen haben sich in Schleswig-Holstein zu einem Netzwerk Landwirte in Not zusammengeschlossen. Unter der Telefonnummer  + 49 431 55779450 ist das Sorgentelefon für landwirtschaftliche Familien zu erreichen. 

www.lksh.de/beratung/soziooekonomische-beratung/beratung-landwirte-in-not/

Darüber hinaus bietet die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau unter der Telefonnummer 0561-785-10101 eine Krisenhotline für schwierige Situationen an: 

www.svlfg.de/krisenhotline