Möhren

Freilandgemüse Möhren

Auf knapp 20 % der Gemüseanbaufläche in Schleswig-Holstein werden Möhren kultiviert. Hier erfahren Sie mehr über Möhrensorten, Pflanzenschutz und die entsprechende Düngung. Möhren sind ein beliebtes Wintergemüse, das sich nach der Ernte im Herbst bis ins Frühjahr lagern lässt. Erfahren Sie mehr über die Versuche der Landwirtschaftskammer zu Möhren.

 

Sorten

Landwirtschaftskammer prüft in ihren Versuchen Möhrensorten auf ihre Qualitäts- und Ertragseigenschaften, daraus lassen sich für die landwirtschaftlichen Erzeuger dann Sortenempfehlungen ableiten. 
Weitere Informationen dazu finden Sie hier:

Industriemöhren
Möhrenbonitur
Waschmöhren

Pflanzenschutz

Eine Herbizidstrategie ist aufgrund der langen Jugendentwicklung der Möhre unbedingt notwendig. In dieser Zeit besitzen die Pflanzen kaum eine Konkurrenzkraft gegenüber den Unkräutern. Nach der Aussaat ist daher eine Vorauflaufbehandlung sowie eine oder zwei Nachauflaufbehandlungen erforderlich. Die Krautgesundheit spielt eine wichtige Rolle, da die Ernte überwiegend mit Klemmbandrodern erfolgt. Als bedeutende pilzliche Krankheiten sind hier Alternaria und Cercospora zu nennen. Je nach Standort können aber auch Sclerotinia, Echter Mehltau und Rhizoctonia zu Problemen führen. Hauptschädlinge sind die Möhrenfliege und die Möhrenminierfliege, die nur schwer zu bekämpfen sind. Dagegen können Blattläuse, Wurzelläuse und Wanzen mit den zugelassenen Mitteln gut bekämpft werden.

Zulassungslisten

Erläuterungen zu den Zulassungsübersichten

Möhren

Ansprechpartner Pflanzenschutz

Robert Bode

Waldschlößchenstraße 47
25746 Heide
Tel. 0481/85094-53
Fax 0481/85094-49
rbode@lksh.de
Fachgebiete: Beratung Gemüsebau (Pflanzenschutz/Pflanzenbau), Ökologischer Gemüsebau, Qualitätskontrolle bei Obst und Gemüse

Bestandsführung und Anbautechnik

Dammfräse

Möhre (daucus carota)

Fruchtfolge

Da die Selbstverträglichkeit der Möhre stark eingeschränkt ist, sollte eine Anbaupause von 5 Jahren eingehalten werden, da spezifische Krankheiten zu erheblichen Qualitätsverlusten führen, das gilt auch für andere Doldenblütler (Sellerie, Petersilie, Fenchel). Raps ist als Vorfrucht ungeeignet, da Sklerotiniabefall wahrscheinlich ist, Getreide ist nicht günstig, da Cavity-Spot übertragen wird. Leguminosen fördern den Nitratgehalt und übertragen Nematoden. Gute Vorfrüchte sind Kartoffeln (ohne Wurzelgallenälchen, Achtung: Durchwuchs nicht zu bekämpfen), Porree, Zwiebeln und Kohlarten.

Standort

Empfehlenswert sind leichte  Böden mit gutem Humusgehalt, lehmiger Sand, sandiger Lehm mit guter Wasserversorgung aber keiner Vernässung. Steinarmut, Durchlässigkeit, Tiefgründigkeit und hohe Wasserhaltefähigkeit sind Voraussetzung für erfolgreichen Möhrenanbau. Unvollständig zersetztes organisches Material mindert die Möhrenqualität.
Gleichmäßige Wasserversorgung ist erforderlich, Trockenheit fördert zwar den Carotingehalt, schränkt aber die Erträge stark ein, Vernässung senkt den Zuckergehalt und erhöht die Anfälligkeit für bodenbürtige Pilze.
Windoffene Lagen senken die Möhrenfliegengefahr.

Bodenvorbereitung

Tiefes Arbeiten mit dem Pflug (30 cm) und nachfolgender Fräsgang verhindert beinige Rüben. Der Boden muss sehr feinkrümelig und gut abgesetzt sein.

Anbauformen

Beetanbau ist in der Praxis rückläufig. Je nach Schlepperspurweite werden je Beet 3 Reihen einzeln oder als Doppelreihe gesät (25 bis 40 cm). Der Vorteil des Beets besteht in größerer Sicherheit vor Austrocknung, sichererem Feldaufgang und geringerem technischen Aufwand.
Beim Dammanbau werden Dämme (Kartoffeldämme) im Abstand von 50 bis 75 cm aufgeworfen. Das kann mit einem normalen Häufler geschehen, auf schwereren Böden empfiehlt sich der Einsatz der Dammfräse, die im Gegensatz zur Kartoffelfräse als Vollfräse ausgestattet sein muss, damit der Damm gleichmäßig vorbereitet wird. Heute werden überwiegend Dammfräsen eingesetzt, die mit Druckwalzen ausgestattet sind um insbesondere die Dammflanken zu verfestigen.
Auf dem Damm werden mit dem Einzelkornsägerät einreihig oder in Bandsaat (speziell ausgeformte Säschaare) neuerdings auch mit dreireihigen Schaaren, von denen die äußeren Schare eine höhere Saatdichte als das mittlere Schar hat, die Möhren gesät.
Vorteile des Damms: Höhere Bodentemperatur, besseres Abfließen des Wassers, längere und gleichmäßigere Möhren.
Die Aussaattiefe liegt bei 1 cm. Bei trockenen Böden kann auf 2 cm gesät werden.

Saatgut

Normalsaat (nur bei Populationssorten) Mindestkeimfähigkeit 60 %.
Präzisionssaatgut ist auf bestimmte Größen kalibriert, Mindestkeimfähigkeit 80 %.
Größere Kalibrierungen sind von Vorteil. Kalibrierungen von 1,2 bis 1,6 mm.
Priming Saatgut wurde vorgekeimt und zurückgetrocknet.
Vorteil: rasche Keimung - Nachteil: teuer und nicht lagerfähig.
Minipille: Kleine Fraktionierungen werden auf ein gleichmäßiges Maß aufkalibriert.
Vorteil: gleichmäßigere Aussaat - Nachteil: tatsächliche Kalibrierung nicht kontrollierbar.

Saatdichte

Nantaiser: 1,2 bis 2,0 Mio. Korn je ha
Flakkeer: 0,8 bis 1,2 Mio. Korn je ha
Amsterdamer: 1,5 bis 2,2 Mio. Korn je ha
Pariser Markt: über 5 Mio. Korn je ha

Keimung: 5 bis 35 °C. Auflaufen nach 2 bis 4 Wochen.

Düngung

Geringer N-Bedarf ca.120 kg N/ha einschließlich des Bodenvorrats in 0 bis 60 cm Bodentiefe. Liegt in einem tätigen Bode bei der Aussaat bereits eine Nitratmenge von 50 kg N/ha in der Schicht von 0 bis 30 cm Bodentiefe vor, so sollte man von einer zusätzlichen N-Gabe absehen. Zu hohes N-Niveau fördert allgemein die Pilzerkrankungen und führt vermehrt zum Platzen der Rübenkörper.
An Phosphat wird eine Menge von 50 bis 70 kg P2O5 benötigt, 250 bis 300 kg Kalium sind für eine gute Ernte erforderlich. Eine späte (Juli/August) Flüssigdüngung mit 20 kg Kaliumnitrat und etwas Magnesium fördert sowohl die Qualität wie die Krautfestigkeit und –gesundheit.

Unkrautregulierung

Thermisch:
Ca. 60 % der Unkräuter lassen sich durch Abflämmen verhindern. Der beste Zeitpunkt ist kurz vor dem Auflaufen der Möhren. (Tip: Eine Glasplatte auf den Damm legen. Wenn unter der Platte die Samen keimen, ist der richtige Zeitpunkt zum Abflämmen da).
Mechanisch:
Hackbürsten, Hackstriegel, Hacken mit Winkelmessern. Im Bioanbau muss darüber hinaus gejätet werden (100 bis 150 Stunden/ha mit einem „Gurkenflieger“). Jede mechanische Maßnahme fördert auch die Stickstoffnachlieferung und ist bei der Düngung einzubeziehen.
Der aktuelle Stand der chemischen Pflanzenbehandlung ist im Ordner Pflanzenschutz zu finden.

Ernte

Bundmöhren werden ausschließlich mit dem Klemmbandroder geerntet, Wasch- und Lagermöhren werden überwiegend ebenfalls mit dem Klemmbandroder mit zusätzlichem Krauttrenner geerntet. Lagermöhren lassen sich auch mit einem Siebketten- oder Schwingsiebroder ernten. Gegebenenfalls müssen auf die Siebketten zusätzliche Rollen geschoben werden, um die Abstände zu verringern. Das Kraut wird in einem vorgehenden Arbeitsgang abgeschlegelt. Solange sich die Möhren im Böden befinden, vertragen sie auch leichten Frost. Geerntet wird fast ausschließlich in Kisten, die die Lagerung vereinfachen.

Lagerung

Waschmöhren lassen sich im Kühlhaus bei Temperaturen von 0 bis 2 °C über mehrere Monate ungewaschen lagern. Auf gute Belüftung ist zu achten, denn bei höheren CO2-Gehalten nehmen die Möhren einen unangenehmen, bitteren Geschmack an.

Lagervarianten:
Feldmiete mit Vliesabdeckung, Erdschicht und Strohabdeckung.
Überwinterung auf dem Feld (im Damm) mit Vliesabdeckung (keine Folie) und eine 50 cm dicken Strohschicht (reicht bis –15 °C).

Krankheiten

gelbe, später braune Blattspitzen
Magnesiummangel

geplatzte Möhren
Magnesium- oder Molybdänmangel, N-Überschuss, Standzeit überzogen

Beinigkeit
schlechte Bodenstruktur, Nematodenbefall

Bakterien
Cavity Spot, Xanthomonas

Pilze
Alternaria, Sclerotinia, Rhizoctonia, Mehltau, Botrytis, Cylindrocarpon-Flecken

Tierische Schädlinge
Möhrenfliege, Möhrenminierfliege,
Möhrenblattlaus, Wurzelgallenälchen,
Möhrenzystenälchen, Wurzelläuse
Möhrenblattfloh.

Gegen Pilzkrankheiten und tierische Schädlinge auf dem Feld stehen geeignete Präparate zur Verfügung.

Düngung

Anmerkungen zur Düngung im Gemüsebau

Die heutzutage erzielbaren hohen Erträge mit besonderen Qualitäten werden nur mit einer optimierten, angepassten Düngung erreicht, die auch die tatsächlichen Nährstoffentzügen einbezieht. Die Höhe der erforderlichen Düngergaben und deren Aufteilung in Grund- und Kopfdüngungen sowie der pH-Wert (Kalkung) richten sich in erster Linie der Kultur, dem Ertragsniveau, der N-Mineralisierung durch Ernterückstände sowie Gründüngung und Humusgehalt, der Jahreszeit (Witterungsverlauf), dem Standort (Bodenart, Humusanteil, Tongehalt) und der Bodenbeschaffenheit sowie den Ergebnissen der Bodenuntersuchung.

Hier finden sich Werte zur

Nährstoffabfuhr nach Kultur und Ertrag
Düngungsempfehlungen für Gemüsekulturen
Anzurechnende Nährstoffe aus Ernteresten (in kg/ha)
Stickstoffentzug verschiedener Gemüsearten

Düngerbedarfsermittlung Stickstoff

Grundlage der Bemessung der Stickstoffgaben sind die sogenannten Nmin-Sollwerte. In den nachfolgenden Tabellen sind für die wichtigsten Gemüsearten die Nmin-Sollwerte aufgeführt. Sie wurden aufgrund vieler Praxisversuche ermittelt und gelten für ein normales Ertragspotential. Bei der Bedarfsermittlung müssen der Gehalt an Nmin im Boden und die zu erwartende Mineralisierung aus Ernterückständen vom Nmin-Sollwert abgezogen werden.
Grundsätzlich sollten Stickstoffgaben von mehr als 100 kg/ha wegen der Auswaschungsgefahr gesplittet werden. Bewährt haben sich Reihendüngerstreuer in Kombination mit Hackmaschinen. Nmin-Bodenproben sind direkt vor der Bestellung zu ziehen.

Berechnung
   Nmin-Sollwert der einzelnen Kulturen
-  Nmin-Vorrat des Bodens
+ Nmin-Wert aus Ernterückständen (Vorkultur, Gründüngung)
= zu düngende Stickstoffmenge

Fachartikel

15. Juli 2017 | Von: Georg Henkel, Landwirtschaftskammer
Tipps zum Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten; Nützlinge nützen – sie brauchen aber menschliche Förderung

Ohne Bienen und andere Blütenbesucher gäbe es keinen Honig, keine Äpfel und Erdbeeren, keine Tomaten und keine Kirschen, denn die fleißigen Insekten bestäuben 80 % unserer Pflanzen. Andere Nützlinge wie zum Beispiel der...


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